Umfrage zur Rezension “Eure Heimat ist unser Alptraum”

Umfrage zur Rezension “Eure Heimat ist unser Alptraum”

Ich habe der Umfrage über den Bekanntheitsgrad der Autoren einen eigenen Bereich gewidmet, da das den Rahmen der Rezension gesprengt hätte, ich es aber trotzdem recht interessant finde.

Zitat Vorwort: Stattdessen haben wir 12 herausragende deutschsprachige Autor_innen gebeten, mit uns gemeinsam über oft übersehene, aber sehr existenzielle Aspekte marginalisierter Lebensrealitäten in Deutschland zu schreiben.

Herausragende Autoren sollten einem größeren Personenkreis bekannt sein. Da ich mich selbst zwar für recht gut informiert halte, allerdings nur Sasha Marianna Salzmann literarisch zuordnen konnte, während Yaghoobifarah, Aydemir und Stokowski mir gelegentlich (aber nicht herausragend) in sozialen Netzwerken mit gender/queeren/feministischen Provokationen über den Weg fielen, habe ich eine Twitter-Umfrage gestartet. Das Ergebnis sah so aus:

Von 270 der bei Twitter Votenden kannten 33% KEINEN der Autoren. 27% kannten lediglich einen, 38 % drei. Aus den Antwort-Tweets ging ziemlich eindeutig hervor, dass Stokowski die alleinig Bekannte ist, im Dreiergrüppchen kommen dann noch Yaghoobifarah und Aydemir dazu: also genau DIE Leute, die auch ich als in sozialen Netzwerken aktiv wahrnehme. Vereinzelt fielen noch die Namen Lady Bitch Ray und Dennis Utlu (bei dem auf Nachfrage allerdings Einige einräumten, ihn mit Ali Utlu, einem sehr bekannten und aktiven Twitterer, zu verwechseln). Mehr als 7 Autoren waren nur EINEM Prozent der Votenden bekannt, das heißt: zu den 33%, die keinen der Autoren kennen, gesellen sich noch 67%, die die Hälfte der Autoren nicht kennen. Abgesehen von dem einen Prozent , welches 2-3 Personen in Bezug zur Gesamtmenge der Stimmen repräsentiert. Herausragend?

Ich wollte es genauer wissen. Soziale Medien sind das Eine, die reale Welt da draußen das Andere. Einige der Autoren bewegen sich im selben Umfeld wie ich: Berlin Neukölln. Was liegt näher, als da nachzufragen? Ich habe mich also auf die Straße begeben. Ich habe 120 Leute befragt, die Gruppe war intellektuell und auch ansonsten gut durchmischt. Rein optisch waren ca. 40% der Befragten mit Migrationshintergrund, ich habe das aber nicht hinterfragt, das ist also nur meine subjektive Wahrnehmung. Ich habe alt und jung befragt: Müllmänner, den kaum Deutsch sprechenden netten Typ von der Hähnchen-Braterei, Verkäufer im Supermarkt, Fahrradfahrer, Omis, die ganze Familie, die Briefträgerin (Leseratte), die freundlicherweise gleich noch ein paar Kollegen befragt hat, Autofahrer aufm Parkplatz, Mutter mit Kind, Ehepaare mit und ohne Kind, Mann mit Mann, Frau mit Frau, also Alles, was im Alltag so auf der Straße rum läuft oder in der Nachbarschaft wohnt.

Ich hatte alle Namen ausgedruckt auf einer Liste stehen und habe sie den Leuten zum Lesen gegeben. Als begleitende Erklärung habe ich nur gesagt, dass ich Hilfe für ein privates Projekt benötige und nur die Frage stellen möchte, ob die Namen auf der Liste BEKANNT sind. Keine Info zum Sachgebiet, nur diese allgemeine Frage. Es gab Niemanden, der abgelehnt hat, manche Leute haben nach ihrer Antwort hinterfragt und ich habe die entsprechenden Infos und den Bezug zur Rezension gegeben. Mit einigen habe ich mich nett unterhalten. Alles in Allem eine bereichernde Erfahrung, ich hatte mit mehr Ablehnung gerechnet. Einigen, die sich selbst als “ziemlich belesen” bezeichnet haben, war es kurz recht unangenehm, gar Niemanden zu kennen, denen hab ich dann gesagt, dass es mir ähnlich ging.

Das Ergebnis ist lapidar. Von 120 in Berlin Neukölln befragten Personen kannte eine männliche Person von Anfang 20 Margarete Stokowski. Den Namen nach, den er “schon mal gehört” hatte. In welchem Zusammenhang konnte er nicht sagen.

HERAUSRAGEND.

Ich bedanke mich bei Allen, die die Twitter-Umfrage unterstützt haben. Sollte jemand an meinen persönlichen Erfahrungen zweifeln, so möge er sich auf die Straße begeben und das Experiment wiederholen. Vielleicht ist eine Umfrage zu herausragenden Autoren in einem Berliner Brennpunktbezirk, der mit Bildungsnot, Clankriminalität und jahrzehntelangen massiven Integrationsproblemen von Migranten zu kämpfen hat, für das Themengebiet dieser herausragenden Autoren mit Migrationshintergrund auch nicht repräsentativ und man sollte es in einem Uni-Viertel mit überwiegend intellektueller Klientel wiederholen.