Eure Heimat ist unser Albtraum

Eure Heimat ist unser Albtraum

Essaysammlung

Erschienen: 22.02.2019 bei Ullstein5
Hrsg. : Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah

Klappentext: “Das sind die Stimmen, die wir hören müssen. Damit es in diesem Land nicht noch finsterer wird.« Margarete Stokowski

Wie fühlt es sich an, tagtäglich als „Bedrohung“ wahrgenommen zu werden? Wie viel Vertrauen besteht nach dem NSU-Skandal noch in die Sicherheitsbehörden? Was bedeutet es, sich bei jeder Krise im Namen des gesamten Heimatlandes oder der Religionszugehörigkeit der Eltern rechtfertigen zu müssen? Und wie wirkt sich Rassismus auf die Sexualität aus?  

Dieses Buch ist ein Manifest gegen Heimat – einem völkisch verklärten Konzept, gegen dessen Normalisierung sich 14 deutschsprachige Autor_innen wehren. Zum einjährigen Bestehen des sogenannten „Heimatministeriums“ sammeln Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah schonungslose Perspektiven auf eine rassistische und antisemitische Gesellschaft. In persönlichen Essays geben sie Einblick in ihren Alltag und halten Deutschland den Spiegel vor: einem Land, das sich als vorbildliche Demokratie begreift und gleichzeitig einen Teil seiner Mitglieder als »anders« markiert, kaum schützt oder wertschätzt.    

Mit Beiträgen von Sasha Marianna Salzmann, Sharon Dodua Otoo, Max Czollek, Mithu Sanyal, Margarete Stokowski, Olga Grjasnowa, Reyhan Şahin, Deniz Utlu, Simone Dede Ayivi, Enrico Ippolito, Nadia Shehadeh, Vina Yun, Hengameh Yaghoobifarah und Fatma Aydemir.   


Vorwort: Ich bin im Vorfeld sowohl privat, als auch in sozialen Netzwerken gefragt worden, warum ich mir “das antue”. DIESES Buch, bei dem schon der Klappentext eine Zumutung ist, zu rezensieren. Womit die Frage schon beantwortet ist. Ich möchte nicht in einem Land leben müssen, in dem es zur Normalität geworden, dass die gesamte autochthone Bevölkerung als “rassistische und antisemitische Gesellschaft” bezeichnet wird, die “andere” Menschen “nicht schützt oder wertschätzt”. Das ist eine Lüge. Der zweite Grund ist, dass eben diese “anderen” Menschen Teil einer Bewegung sind, die dabei ist, mir Sprache und damit Identität zu rauben und zu zerstören. Das empfinde ich als persönlichen Angriff, dagegen wehre ich mich. Der dritte Grund ist rein egoistischer Natur: ich möchte mir irgendwann nicht vorhalten lassen müssen: “Du hättest auch was sagen können, Du hast den Mund nicht aufgemacht! Du bist AUCH schuld!”. Nachdem ich “Blauschmuck” nun um diese Rezension ergänze und demnächst “In den Fabriken des Todes” (Teil 2 der Tetralogie) von Mordechai Striegler vorstellen möchte, bin ich mit meinem Gewissen im Reinen.

Diese Rezension ist extrem lang. Ich halte es aber für wichtig, den schon im Klappentext erkennbaren verbalen Auswüchsen, Verunglimpfungen und Verleumdungen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft dieses Landes ausführlich und sachlich entgegen zu treten.

[Off topic: Beim Schreiben dieser Rezension habe ich mir trotzdem gewünscht, Akif Pirinçci zu sein. Nicht, weil ich Fäkalsprache besonders mag. Aber sie hat als extrem drastisches Stilmittel durchaus ihre Berechtigung, wenn Dinge plastisch plakatiert werden sollten und dieses Buch ist so ein Fall. Herr Pirinçci wäre in jedem Fall unterhaltsamer, als ich es mit dieser Rezension sein werde.]

Buchbesprechung

Das Buch ist bei Ullstein5 zeitgleich als Hardcoverversion und als Ebookversion erschienen. Der Durchschnittspreis für Ebooks betrug 6,19 Euro im Jahr 2018 und wir reden bei diesem Preis von der Gesamtheit aller Ebooks, die als Roman ungefähr die doppelte Seitenanzahl mitbringen als diese gerade mal 182 Ebookseiten starke Essaysammlung. Das Ebook ist mit 19,99 Euro exakt EINEN Cent billiger als die Druckversion mit 208 Seiten für 20,00 Euro. Das ist eine Zumutung und wäre auch ohne Ablehnung des Inhalts einen Boykott wert.

“Vorwort”

Die Herausgeberinnen wenden sich nach der einladenden Widmung “Für uns” mit einem in vieler Hinsicht skurrilen Vorwort an den Leser. Zum Einen stellen sie die Behauptung in den Raum, dieses Buch sei von 12 HERAUSRAGENDEN deutschsprachigen Schriftstellern verfasst. Ziel sei es, über “oft übersehene, aber sehr existenzielle Aspekte marginalisierter Lebensrealitäten in Deutschland zu schreiben.” Zum Anderen wird das in “gendergerechter Sprache” (ab hier: Genderneuschreib) geschehen. Da aber innerhalb dieser (Schrift-)Sprache -wiewohl von einigen deutschen Behörden bereits adaptiert- über eine einheitliche Verfahrensweise noch weitestgehend Uneinigkeit herrscht, wird dem unbedarften Leser im Folgenden beschrieben, was, warum, weshalb und wie an Genderneuschreib zum Einsatz kommt. Zusätzlich werden diverse Begrifflichkeiten erläutert:

Zitat: Außerdem schreiben wir Schwarz als politische Selbstbezeichnung Schwarzer Menschen groß, die soziale Positionierung weiß hingegen klein. Mit Bezug auf Noah Sow, Autorin von Deutschland Schwarz Weiß1, weisen wir darauf hin, dass es sich bei diesen beiden Begriffen weder um Farben noch um »Biologisches« handelt, sondern um politische Realitäten, und dass es leider nicht möglich ist, Rassismus zu überwinden, ohne seine Konstrukte »Schwarze« und »Weiße« zu benennen.
Die aus den USA stammende Formulierung People of Color – im Singular Person of Color, oder kurz: PoC – markiert den gemeinsamen Erfahrungshorizont von Menschen, die nicht weiß sind, in einer weißen Mehrheitsgesellschaft. Es handelt sich hierbei um eine politische Selbstbezeichnung. Beim »Color« geht es weder (ausschließlich) um Hautfarbe, noch kann der kolonialrassistische Begriff »farbig« als Synonym verwendet werden.

Kurzgesagt: exzentrisches und neurotisches Geschwurbel ohne jegliche Relevanz. Mir war bewusst, dass dieses Buch in Genderneuschreib geschrieben sein würde, ich wollte wissen, wie genau das in einem Buch mit fortlaufendem Text und nicht auf einem Behördenformular aussieht. Ich wollte weiterhin wissen, wie sehr man das Schriftbild dieser Sprache verhunzen kann, ob das Ganze irgendwie lesbar ist oder schon die Augen “stolpern”. Alle meine Vermutungen wurden bestätigt. Allerdings auch die Gewissheit, dass sich dieser gequirlte Quark niemals durchsetzen wird. Es ist nicht sprechbar und feststehende Begriffe werden beliebig umdefiniert. Optisch ein Desaster. Mittlerweile sehen viele Muttersprachler das ähnlich wie der Schriftsteller Reiner Kunze und der Widerstand gegen diesen Unsinn wächst.

Zitat: “Die Sexualisierung der Sprache durch die Diskreditierung geschlechtsübergreifender Wortbedeutungen hat eine eklatante Verarmung und Bürokratisierung der Sprache, die Denunzierung aller Sprechenden, die sich dagegen verwahren, und eine Einschränkung der Freiheit des Denkens zur Folge. Der Sprachgenderismus ist eine aggressive Ideologie, die sich gegen die deutsche Sprachkultur und das weltliterarische Erbe richtet, das aus dieser Kultur hervorgegangen ist.”

Reiner Kunze (Schriftsteller,PNP vom 09.06.2018)

Allein das Vorwort zu lesen, hätte gereicht. Denn schon an dieser Stelle führen die Herausgeberinnen des Buches ihr eigenes Produkt ad absurdum.

Zitat: Deshalb sind zwei Worte im Buchtitel »Eure Heimat ist unser Albtraum« im selben Lila gefärbt wie der Hintergrund: Denn nicht die Herausgeber_innen und Autor_innen dieses Buchs entscheiden, wo das »Wir« endet und das »Ihr« beginnt. Sondern jede_r Leser_in bestimmt für sich selbst: Will ich in einer Gesellschaft leben, die sich an völkischen Idealen sowie rassistischen, antisemitischen, sexistischen, heteronormativen und transfeindlichen Strukturen orientiert?

Der Leser darf selbst entscheiden, ob er einem klar umrissenem “Wir” oder einem rassistischen, völkischen (weitere Parameter siehe Zitat) “Ihr” angehören will. Er hat keinerlei andere Möglichkeit. Damit bleibt die mit diesem Druckwerk angeprangerte Trennung bestehen, nunmehr definiert von den Autoren selbst. Hier wird -sofern vorhanden- Ausgrenzung mit Ausgrenzung beantwortet. Diskriminierung mit Diskriminierung. Wir oder ihr. Selbst auf eine Gemeinschaft hinarbeiten? Fehlanzeige. Jeder halbwegs auf dem Boden der gesellschaftlichen Tatsachen stehende Leser hätte an dieser Stelle die Lektüre abgebrochen, da klar war, worauf es hinauslaufen würde: subjektive Sichtweisen ohne gesellschaftliche Relevanz und nicht die im Klappentext vollmundig vom Verlag angekündigten “schonungslosen Perspektiven auf eine rassistische und antisemitische Gesellschaft”.

[Eingeschoben]

[Ich habe mir für diese Rezension eine Menge Recherchearbeit gemacht, die ich mir sonst nicht mache. Dazu gehören u.a. Umfragen ( Twitter und Personenbefragung auf der Straße und persönlichem Umfeld) über den HERAUSRAGENDEN Status der Autoren. Das lapidare Ergebnis dieser Umfragen besagt, dass mehr als ein Drittel (34 %) der befragten Twitter-Nutzer keinen der Autoren auch nur namentlich kennt, bei den im realen Leben Befragten war das Ganze NOCH eindeutiger. Zu den genauen Hintergründen der Befragung geht es hier.]

Ganz allgemein kann man sagen, dass es in diesen Essays rein um persönliche “Leidens”geschichten geht, in jeder Erzählung wird eine spezielle persönliche Befindlichkeit thematisiert, der eigene Opferstatus gekonnt in Szene gesetzt. Der im Klappentext erwähnte Bezug zur Gesellschaftsgruppe Migrant (je nach Herkunft dürfte es da sehr viele verschiedene Probleme geben, die man differenzieren könnte) fehlt gänzlich, tatsächlich ist eine Reflexion in diese Richtung überhaupt nicht passiert. An keiner Stelle des Buches habe ich gut recherchierte Aussagen zu Problemem größerer Migrantengruppen gefunden und da überdies in vielen der Einzelschicksale der Migrantenstatus nur als Rucksack für aggressive feministische Gender-Themen herhalten muss -von denen im Klappentext ausdrücklich NICHT die Rede ist- taugen sie auch nicht zur Verallgemeinerung. Nirgendwo finde ich eine faktengestützte Analyse über das Zusammenleben von Deutschen und Migranten, über die sich daraus ergebenden Reibungsflächen zwischen diesen Gruppen im Alltag, wie ich sie tagtäglich in Berlin Neukölln erlebe. Brüllendes Schweigen über die ausufernde Gewalt neu hinzukommender oder in dritter Generation hier lebender Migranten, die sich in organisierter Bandenkriminalität arabischer Clans oder gesellschaftszersetzenden Organisationen wie Ditib -das migrantische Pendant zu neofaschistischen deutschen Strukturen- Bahn bricht und klar erkennbar gegen die einheimische Bevölkerung gerichtet ist. Das Thema “Antisemitismus” wurde fast völlig unter den Tisch fallen gelassen: man wäre zu einem klaren Statement zum derzeitigen massenhaften Import von Antisemitismus aus arabischen/muslimischen Staaten nicht herum gekommen.

Die Autoren dieses über große Strecken banalen Machwerkes sind keine idealistischen Streetfighter, die der Gesellschaft eine Kampfansage machen. Zumindest DAS hätte man respektieren können. Sie sind Schreibtisch-Guevaras, die “Creme de la Migrant”, bewaffnet mit einer Tastatur und angetreten, sich auf dem Buckel ihrer Mitmigranten maximal als Opfer zu vermarkten. Zumeist überdurchschnittlich gebildet, haben sie die Chancen, die ihnen dieses Land auf dem Silbertablett serviert hat, ergriffen und genutzt. Sie sind tätig als Journalisten, Kolumnisten, Buchautoren, Lyriker, Künstler, Kulturwissenschaftler. Sie sind mit Hilfe von Stipendien aus diesem Land in der Welt herum gekommen. Sie haben promoviert. Sie haben gut dotierte Jobs und Erfolg. In DIESEM Land, dessen Gesellschaft sie anklagen und diffamieren. In keinem anderen, in dem sie leben könnten, weil sie hier so furchtbar “strukturell marginalisiert” werden. Damit haben sie es letztendlich aber nicht ansatzweise geschafft, dem Leser auch nur irgendein Problem von Ali und Ayshe aus Neukölln näher zu bringen. Ali und Ayshe sind nur der gesichtslose Strohmann für eine ganz andere Agenda der Autoren.

“Beleidigung”

Der Leser fragt sich vergeblich, WAS genau ihm nun Enrico Ippolito sagen möchte, wenn dieser nach seitenlangen Rassismusvorwürfen an Deutsche, verpackt in ein Gespräch mit einer sehr verständnisvollen, offensichtlich linksgrünen, deutschen Freundin, zu dem tiefsinnigen Schluss kommt: “Natürlich ist er, bin ich, der Spaghettifresser, ein Rassist.” “Ach was?!” tönt der imaginäre Loriot des Lesers. Jemand wurde als Kind von anderen Kindern “Spaghettifresser” genannt. Eine ganze Gesellschaft wird angeklagt. Ja, da können “Alman”, “Kartoffel” und “Schweinefresser” auch ein Lied von singen. Und das um Einiges lauter, denn denen passiert das nicht in der Fremde, sondern direkt vor der Haustür. Wen nehmen die denn jetzt in Sippenhaft?

“Sex”

Reyhan Sahin -besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Lady Bitch Ray- frönt öffentlich der narzisstischen Hingabe an ihr nicht deutsches und deshalb diskriminiertes Geschlechtsteil:

Zitat: “Flatsch! Machen meine deutschtürkischen Pussilippen. Flatsch, flatsch, wenn ich sie vogelfrei und lebendig gedeihen lasse. Flatsch, flatsch, flatsch, wenn sie feucht sind und sich uneingeschränkt wohlfühlen. Plansch, plansch! Als würden sie sich im Planschbecken rekeln und vor Freude quieken wie ein Quietscheentchen.
Vielen erscheint es metaphorisch betrachtet wie Squirrting, wenn Frauen mit ihrer Punani Raum einnehmen, wenn sie selbstbestimmt oder gar pornografisch über die eigene Vulva, Vagina, Pussi oder Votze sprechen. Oder wenn Frauen Penisse haben und lustvoll darüber sprechen. Wenn Frauen etwas härter über Sex sprechen, über ihre eigenen sexuellen Erfahrungen. Nicht so weich- oder weißgespült, sondern direkt – flatsch – in ya face! – mit ihrer eigenen Möse konfrontieren. Wie eine Gesichtsejakulation kommt das dann für viele rüber.”

Keine Metaphorik, sondern spätpubertäre, primitive, extrovertierte Provokationen, die zu platt sind, um peinlich zu sein und die vermuten lassen, dass eine Menge professionell begleitete Selbstreflexion notwendig sein könnte, um zu begreifen, dass (in diesem Fall die eigene) Sexualität nicht von gesamtgesellschaftlichem, öffentlichem Interesse ist. Noch dazu in falscher Schreibweise: es heißt Squirting. Als Wichswunder sollte man das wissen. In ya face: der Deutsche fickt privat. Ganz egal, ob alleine, zu zweit oder in gleich- oder gemischtgeschlechtlichen Rudeln. Er geht damit anderen Leute nicht auf den Sack oder die Eierstöcke. Das ist Teil SEINER Kultur. Nennt man Intimität. Diskretion. Privatsphäre. Er ist aber tolerant genug, andersartige Krakeelerei zu ignorieren. Ficken und ficken lassen. Es darf weiter auf diesem Niveau krakeelt werden. Der Deutsche hört einfach weg.

Was hier nur anklingt, wird noch deutlicher in den Beiträgen von Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah und Sasha Marianna Salzmann: mit diesem Buch sollen nachdrücklich neofeministische Minderheiten-Themen in den Fokus der Gesellschaft gedrückt werden. Es wird damit eine Relevanz suggeriert, die es tatsächlich nicht gibt.

“Blicke”

Yaghoobifarah beklagt die Fremdwahrnehmung der eigenen Person. Das Kuriose daran ist, dass das Gegenüber -egal ob im realen oder virtuellen Leben- keinerlei Chance hat, diese Person richtig wahrnehmen zu können. Es hat nur die Möglichkeit, sie falsch wahrzunehmen, was es in eine völlig aussichtslose Position bringt: es kann sich auch nur falsch verhalten.

Zitat: “Ich werde als »anders« wahrgenommen, als »fremd«. Aus welchem Grund, weiß ich nie genau. Hängt es damit zusammen, dass ich dick bin? Dass ich queer bin? Dass ich Kanak_in bin? Oder liegt es wirklich an meinem Style? Vielleicht ist es auch alles zusammen. Vielleicht ist ein_e dicke_r, queere_r Kanak_in mit einem Bombenoutfit zu viel Schock für Annika. Aber sind diese Zuschreibungen überhaupt alle auf den ersten Blick ersichtlich?
Klar, meine Speckröllchen und mein Doppelkinn kann ich nicht verstecken.
Aber dass ich mich weder als Frau noch als Mann identifiziere, steht mir nicht auf der Stirn geschrieben. Die meiste Zeit lesen andere mich als cis Frau. Und auch Weißsein liegt oft im Auge der Betrachtenden.”

Yaghoobifarah definiert sich weder als Mann noch als Frau, eine Eigenwahrnehmung a la “DAS bin ich!” ist nirgendwo zu finden und selbst wenn: was nützte das dem Erstkontakt? Er wird diese Person seinen Sinnen vertrauend als Frau wahrnehmen (müssen). Dem virtuellen Gegenüber wird es noch schwerer gemacht: trotz des Hinweises, dass Yaghoobifarah sich als “nicht-binär” identifiziert, wird bei Wikipedia durchgängig eine weibliche Person beschrieben. Journalistin, Kolumnistin, Redakteurin. Sollte man das nicht korrigieren (kann man mit 3 Mausklicks persönlich tun, Wikipedia ist eine offene Plattform), bevor man die Gesellschaft der Falschidentifikation und damit einhergehend “strukturellem Marginalisierens” bezichtigt? Die migrantische Herkunft von Yaghoobifarah wird mit Genderthemen vermixt. Völlig offen bleibt, wie die Wahrnehmung von Migranten in Bezug auf Yaghoobifarah ist. Es wird explizit die deutsche Wahrnehmung dieser Person angeprangert. Wieso eigentlich? Wie sieht es denn so aus, mit dem fluffigen Queer- und Transleben im tiefsten Neukölln, wo man sich als deutsche Frau ohne irgendeine vom Koran vorgeschriebene Verschleierung nicht hintraut und die Einwohner zu fast 100% Migranten sind?

Zitat: “Es gibt bei mir allerdings auch den umgekehrten Effekt: Wenn ich Rassismus kritisiere, gelte ich in den Augen weißer Deutscher plötzlich selber als weiß, und es wird vermutet, dass ich ja gar nicht wüsste, wie sich Rassismus wirklich anfühlt.”

Yaghoobifarah sieht sich selbst als nicht weiße Person, ist also eine “person of color”. Leider boykottiert die Google-Bildersuche diese exklusive Sichtweise, denn sie spuckt u.a. Folgendes aus:

Die Wahrnehmung zeigt eine weiße Frau. Viel weißer geht nicht. Wikipedia und viele Artikel, die Yaghoobifarah beschreiben, benutzen ebenfalls weibliche Attribute. Die Person will aber weder Mann noch Frau, noch weiß sein. Ja, was denn dann? Der weiße Neger Wumbaba? Es wird erklärt: der Deutsche hat den falschen Blick.

Zitat: “Auf Englisch gibt es den Ausdruck »white gaze«, um den »weißen Blick« zu bezeichnen. Richtet sich der »white gaze« auf Personen of Color, definiert und bewertet er sie aus einer weißen Perspektive. Dieser weiße Blick zeigt sich, wenn ein weißer Polizist einen Kanaken* sieht und er ihn aus heiterem Himmel nach seinen Papieren fragt.”

*Um die Frage gleich zu beantworten: Ja, es ist rassistisch, wenn weiße Personen den Begriff nutzen. Nur weil ich es tue, heißt es nicht, dass weiße Deutsche es können.

Jemand, der per Selbstdefinition NICHT weiß ist, also selbst keinen “weißen Blick” haben kann, will weißen Deutschen IHREN weißen Blick erklären und beschwert sich über Diskriminierung? An dieser Stelle bin ich aus Yaghoobifarahs Essay gedanklich ausgestiegen, Yaghoobifarah switcht im weiteren Verlauf zur eigenen queeren Sexualität, zum Nazar-Auge, was gegen den “bösen Blick” getragen wird und dem regelmäßigen Räuchern der eigenen Wohnung gegen Missgunst. Für Deutsche mit “white gaze” ist dieses ganze Trauerspiel nur als migrantischer Egotrip und nicht als Problem breiter migrantischer Massen in diesem Land identifizierbar. Wenn sich Jemand freiwillig als”Kanake” bezeichnet und Deutsche als Rassisten abstempelt, nur weil sie Deutsche sind und es im selben Kontext benutzen, dann ist das ja auch nicht rassistisch. Es ist allenfalls lächerlich, peinlich und kindisch.

Es ist völlig egal, WAS Yaghoobifarah ist, meint zu sein oder sein möchte. Kein Mensch, kein Leser muss sich zur Projektionsfläche für Einzelpersonen mit von der allgemeinen Norm abweichenden Selbstwahrnehmung degradieren lassen, die diskriminierende Bücher gegen Diskriminierung herausgeben. Genau das möchte ich jedem Leser empfehlen: ignorieren. Antideutschem, feministischen Radikalismus keine Bühne geben. Es reicht, wenn deutsche Verlage das tun. Der Leser kann sich verweigern.

[Zwischenbemerkung: die deutsche Schrift-Sprache bietet genügend Spielraum, um Personen auch ohne seltsame Zeichenverkettungen, Wortneuschöpfungen und Umdeutungen bezüglich ihrer geschlechtsspezifischen Identität nicht zu “diskriminieren”: ich habe Yaghoobifarah in meinen Ausführungen keinerlei Geschlecht zugewiesen. Völlig ohne Genderneuschreib.]

“Sichtbar”

Auf das im Vorwort propagierte Genderneuschreib verzichtet interessanterweise auch Sasha Marianna Salzmann in ihrem Essay. Dies dürfte mehrere Gründe haben und unterstreicht die Verlogenheit feministischer Moral. Salzmann stand mit einem Roman im Jahr 2017 auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Als Schriftstellerin kennt sich mit dem geschrieben Wort aus, sie weiß, dass man Romane in Genderneuschreib weder schreiben noch verkaufen kann. Zumal sich nicht nur bei den Schriftsteller-Kollegen mittlerweile massiver Widerstand regt. Der Leser würde es ebenso abstrafen.

Nachdem Salzmann also pflichtschuldig ein- , zweimal “Juden und Jüdinnen” schreibt, kehrt sie zum vereinfachten “der Jude” für alle zurück. In einem Essay, welches dieses “strukturelle marginalisieren” anklagt, tut sie genau das.

Zitat: “Beide Positionen kreisen, einander spiegelnd, um die Shoah, was bedeutet, dass der Jude in Deutschland ohne den Versuch seiner Vernichtung nicht denkbar ist. In den Neunzigerjahren importierte Deutschland den Juden aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion

Frau Salzmann selbst ist dreifach marginalisiert: sie ist Jüdin, sie ist Migrantin, sie ist queer. Alle diese Tatsachen werden von der Mehrheitsgesellschaft gegenüber einer Frau mit sehr erfolgreicher Biografie -Studium an 2 Universitäten dieses Landes, langjährige Redakteurin eines selbst gegründeten Kulturmagazins, Hausautorin des Maxim-Gorki-Theaters Berlin- nicht entsprechend gewürdigt.

Das Essay beginnt mit folgenden Worten:

Zitat: “Ich werde nie wissen, was es heißt, unsichtbar zu sein. Ich werde nie wissen, wie es ist, unvorsichtig sein zu können beim Küssen im Park, einfach draufloszuknutschen. Was es heißt, durch die Straßen zu streifen und nicht damit rechnen zu müssen, dass jemand im Vorbeigehen meine Haare zu berühren versucht.”

An dieser Stelle habe ich googlen müssen, in welchem Land Frau Salzmann tatsächlich lebt, spontan war ich der Annahme, es könnte sich um den Iran oder gar Brunei handeln. Doch nein: es ist tatsächlich Deutschland , in dem sie nie wissen wird, wie es ist, beim Knutschen im Park unvorsichtig zu sein. Frau Salzmann geht sogar noch einen Schritt weiter. Den Leser hätte zwar die Quelle ihrer statistischen Erhebungen interessiert, bedauerlicherweise fehlt diese Angabe.

Zitat: “38,4 Prozent der in Deutschland Befragten empfinden homosexuelle Küsse in der Öffentlichkeit als unangenehm. 43,8 Prozent wollen mich unsichtbar. Seit den Kindertagen, in denen ich in Kleidung gesteckt wurde, die mich zu verformen versuchte, seit der Pubertät, in der sich mein Körper auf eine Weise veränderte, die sich für mich falsch anfühlte, allerspätestens seit dem ersten Coming-out, von dem ich noch nicht wusste, dass es ein permanentes werden wird, bin ich eine andere. Ich brauche keine vermeintliche Integration in diskriminierende Strukturen.”

Hier offenbart sich das grundlegende Problem aller Queer-Feministen, welches auch Grundlage der aggressiv geführten öffentlichen Sexualdebatte ist, die sich auf die Sexualität von Minderheiten fokussiert. Sie wollen ausschließlich über ihre Sexualität wahrgenommen und definiert werden. Ihnen reicht Toleranz nicht, sie wollen Akzeptanz und Anpassung der gesellschaftlichen Norm an ihre Bedürfnisse. Verweigert sich die Gesellschaft diesem Ansinnen, wird sie bezichtigt, die betreffenden Person gar nicht wahrnehmen (“wollen mich unsichtbar”) und in “diskriminierende Strukturen” pressen zu wollen.

Niemand hat jemals lautstark nach der Polizei (StGb §183a legitimiert das allerdings eindeutig) gerufen, um zwei knutschende Mitdreißiger aus dem Verkehr zu ziehen. Wo kein Kläger, ist kein Richter. Die meisten Menschen sehen über Knutscherei hinweg. Die Frage ist: warum müssen erwachsene Menschen ihre Sexualität ÜBERHAUPT öffentlich zelebrieren? Um einzelne Personen bewusst zu provozieren, die man dann als “diskriminierende Gesellschaft” deklariert, um darüber ein anklagendes Essay schreiben zu können? Um zum wiederholten Mal das eigene Anderssein in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu rücken? Um die ermüdenden Debatten um trans- und andere sexuelle und soziale Geschlechter und Identitäten nicht verstummen zu lassen? Dieses Andersein ist naturgmäß ohne jegliche Relevanz für andere Menschen, sie haben völlig legitim nicht mehr Interesse daran, als es zu tolerieren. Die Forderung nach Einhaltung von Gesetzen im öffentlichen Raum ist nicht diskriminierend, sondern Recht derer, die sich belästigt fühlen. Zur Öffentlichkeit gehören Personen jeden Alters, auch Kinder. Nicht zuletzt zum Schutz derer gibt es diese Gesetze.

Als Mensch, der selbst “anders” ist, schafft Frau Salzmann Grandioses: genauso wie der von ihr angeprangerte Rest der Gesellschaft werden andere Betroffene, die anders als dieser Rest, aber auch anders als sie sind -ja, so langsam wird es kompliziert- in feministische Schubladen gepackt. Gemeint ist der “normale” Schwule, also der als nicht ganz so anders oder völlig anders anders als sie definierte Homosexuelle, der nicht zu den eigenen Narrativen passt. Der bestens integrierte weiße (!) Schwule, der kein Problem mit seinem Schwulsein hat. Der einfach nur glücklich schwul ist, aber nicht explizit für Schwule kämpft. Jens Spahn und Alice Weidel. Die kriegen von Salzmann genauso auf die Mütze wie die Mehrheitsgesellschaft.

Zitat: Und so gibt es hierzulande das Märchen vom guten Schwulen. Der a) weiß ist, b) dasselbe begehrt wie jede heterosexuelle Person angeblich auch: einen Partner, ein Haus, Autos und Karriere. Einer von ihnen, Jens Spahn, bewarb sich zum Zeitpunkt, als ich an diesem Text schrieb, um den Vorsitz der aktuell regierenden Partei des Landes. Seine Sexualität verschweigt er nicht, allerdings gibt er auch zu, dass er zu seinem privaten wie öffentlichen Coming-out durch innerparteiliche Machtkämpfe gezwungen wurde. Außerdem wird er nicht müde zu betonen, dass er keine »schwule Klientelpolitik« machen will. Auf keinen Fall will er damit auffallen, dass er schwul ist.

Schlussendlich wird die Maske fallen gelassen und das wahre Gesicht des aggressiven Gender-Feminismus ganz deutlich gezeigt. Über diese Äußerung einer vielfachen literarischen Preisträgerin, die im Kulturbetrieb dieses Landes fest etabliert ist, sollten wir alle nachdenken. Solches Gedankengut ist gerade in Bezug zu den Vorgängen, die sich mittlerweile tagtäglich auf unseren Strassen abspielen, brandgefährlich.

Zitat: Wir sind die anderen, die wissen, dass normal uns nichts zu sagen hat. Normal ist keine Autorität für uns. Wir werden füreinander da sein, wenn die Mehrheitsgesellschaft zuschaut und nicht eingreift. Wir müssen uns nicht in allem einig sein, wir müssen uns nicht einmal mögen. Aber wir wissen um die Kraft der Allianzen. Also schaffen wir unsere eigenen Strukturen, und wenn wir in Gefahr sind, werden wir uns aufeinander verlassen können. Wir sind die Alternative für Deutschland.

“Arbeit”

Wenn man wissen möchte, wie sich wirklicher HASS anfühlt, dann sollte man Fatma Aydemirs Tirade lesen, die ein gigantisches Beispiel dafür ist, wie man subjektive Wahrnehmung ohne Faktenbezug und Kontext benutzt, um zu diffamieren.

Zitat Aydemir: “Wenn ich mich umschaue, sehe ich in diesem Land niemanden, der so hart arbeitet wie Migrant_innen. Niemanden. An Burn-out aber leiden immer nur die Deutschen. Komisch.”

Eine Gemeinschaftsstudie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Berlin, der Universität Münster und dem Robert Koch-Institut Berlin zum Thema: “Der Zusammenhang zwischen Migrationsstatus und depressiven Symptomen in der älteren Bevölkerung in Deutschland” kommt zu folgendem Ergebnis:

Zitat: Migranten (definiert als Personen mit eigener Migrationserfahrung) wiesen eine höhere Prävalenz depressiver Symptome (EURO-D ≥ 4 Punkte) auf (28 %) als Nichtmigranten (19 %). Nach Adjustierung für relevante Kovariablen blieb diese signifikante Assoziation bestehen.

Aydemir schreibt weiter:

Zitat Aydemir: In meiner eigenen Familie, die über das Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei in den frühen Siebzigerjahren eingewandert ist, konnte es sich weder jemand leisten, faul zu sein, noch, irgendwem die Arbeit wegzunehmen. Alle arbeiteten immer in den Jobs, die nicht für Deutsche, sondern für sie vorgesehen waren. Leute wie mein Großvater wurden angeworben, weil sie leichter ausgebeutet werden konnten als inländische Arbeiter_innen: gewerkschaftlich kaum organisiert, flexibel, dankbar um jede Sonntagszulage. Während also der überwiegende Teil der Wohlstandsgesellschaft ab den Sechzigern Minigolf spielte und schicke Autos fuhr, waren es die »Gäste« aus Südeuropa, Nordafrika und der Türkei, die unter unwürdigen Bedingungen in den Fabriken schufteten, um diesen Wohlstand zu generieren.

Dies ist Aydemirs PERSÖNLICHE Familiengeschichte, die nicht zur Verallgemeinerung taugt, denn es gibt ebenso viele andere Beispiele. Ich habe hierzu mangels eigener Erfahrung mit der Thematik auf Material zurückgegriffen, welches ich bei Gewerkschaften angefordert habe. Nachdem VERDI es nicht für nötig hielt, mir auf meine Emailanfrage überhaupt nur zu antworten, hat es innerhalb von knapp 4 Wochen (!!) zumindest die IG Bergbau, Chemie und Industrie geschafft, mir umfassende Informationen zukommen zu lassen. In der ebenso persönlichen Geschichte des Sizilianers Salvatore Tranchina liest sich das ein wenig anders als bei Aydemir.

Zitat: „Arbeit gab es ohne Ende“, erzählt Illuminato Belfiore, 69, der erst jobbte, später Elektrotechnik studierte und bis zur Rente bei der Firma Henkel arbeitete. „Die haben uns mit dem Lasso von der Straße eingefangen. Obwohl ich kaum ein Wort Deutsch konnte. Die Wirtschaft brummte, hofierte und warb ab. „Sie verdienen fünf Mark? Ich zahle mehr.“
Tranchina blieb bei Bremshey, wo er Sitze für Züge montierte. Die Arbeit gefiel ihm, der Lohn stimmte.
Hat er je weniger verdient als ein deutscher Arbeiter, der ähnliche Arbeit verrichtete? Tranchina schüttelt den Kopf. Das hat er erst viele Jahre später als Betriebsratsvorsitzender beim Automobilzulieferer Rob Hammerstein erlebt. „Der eine verdiente Tarif, wie es sich gehörte, der andere war Leiharbeiter und musste mit 7,50 Euro vorliebnehmen, obwohl beide die gleiche Arbeit getan haben.“

[…] Vereinbart wurden gleicher Lohn für gleiche Arbeit sowie gleiche Behandlung in den Sozialsystemen. Außerdem sollten ausländische Arbeitnehmer erst dann vermittelt werden dürfen, wenn die Arbeitgeber eine menschenwürdige Unterkunft gegenüber der Arbeitsverwaltung nachweisen konnten.

Der Historiker Roberto Sala geht noch einen Schritt weiter:

Zitat: Von den ungelernten Arbeitsmigranten, sagt der Historiker Roberto Sala, haben nur wenige den sozialen Aufstieg geschafft, das gelte auch für ihre Kinder und Enkelkinder. „Die deutsche Gesellschaft bietet wenig Aufstiegschancen.“ Das gelte für einen ungelernten Arbeiter mit deutschem Pass genauso wie für einen mit italienischem. Anders gesagt: „Ein Kind italienischer Ingenieure in München hat keine Integrationsprobleme, ein Kind in der dritten Generation einer italienischen Gastarbeiterfamilie wird häufig noch Probleme haben.“ Es ist eine Frage der sozialen, nicht der nationalen Herkunft, erklärt der Historiker. 

Auch deutsche Kinder aus unteren, bildungsfernen Gesellschaftsschichten haben es schwer. Die soziale Herkunft entscheidet, nicht die nationale. Die sehr differenzierten und durchaus kritischen Dokumente der Gewerkschaften zur Lage der Gastarbeiter habe ich für Interessierte hier und hier hinterlegt. Aydemirs Taktik, die Bedingungen für Gastarbeiter der 60er und 70er mit der heutigen Lebensrealität ihrer Nachkommen gleichzusetzen, ist infam.

Seit dem Jahr 2000 ist JEDES Kind ausländischer Eltern, welches in Deutschland geboren wird, AUTOMATISCH deutscher Staatsbürger nach dem GEBURTSORTPRINZIP. Die erste Generation dieser deutschen Staatsbürger hat demnach im Jahr 2018 die Volljährigkeit erreicht, ist somit in diesem Land wahlberechtigt und kann sich ebenso wie “Biodeutsche” mit allen Rechten und Pflichten an der Gestaltung dieser Gesellschaft beteiligen. Davon betroffen sind 100% der Nachkommen von in den 60ern und 70ern eingewanderten Gastarbeitern, die nicht in ihre Herkunftsländer zurück gekehrt sind.

Zitat Aydemir: “Es ist schön, dass es immer mehr von uns gibt, die es durch das rassistische Schulsystem schaffen und das Privileg genießen, eine Uni schon mal von innen gesehen zu haben.”

Es ist kein “Privileg” eine Uni von innen zu sehen, sondern völlig unabhängig von der nationalen Herkunft eine Frage von Bildung, persönlicher Leistungsbereitschaft und Potenzial. Die Möglichkeit, das Abitur abzulegen, um eine Uni besuchen zu können, steht ALLEN Menschen dieses Landes offen. Es gibt ebenso viele Deutsche wie Migranten, die diese Voraussetzungen nicht mitbringen. Und der “rassistische” Schulalltag sieht mittlerweile nicht nur in Berlin Neukölln so aus. Mangelnde Sozialkompetenz und Sprachprobleme von passdeutschen Kindern. Alle nach dem Jahr 2000 geboren.

Zitat Aydemir: Migration ist immer ein Versprechen auf ein besseres Leben, einen German Dream. Der German Dream meiner Großeltern war, etwas Geld zur Seite zu legen und damit in der Türkei ein Stück Land zu kaufen. Der German Dream meiner Eltern war, ihren Kindern ein Studium zu ermöglichen und ein großes deutsches Auto zu fahren. Und was ist meiner? Ganz einfach: Ich will den Deutschen ihre Arbeit wegnehmen. Ich will nicht die Jobs, die für mich vorgesehen sind, sondern die, die sie für sich reservieren wollen – mit der gleichen Bezahlung, den gleichen Konditionen und den gleichen Aufstiegschancen.

Jemandem die Existenzgrundlage WEGNEHMEN wollen. Mehr Hass geht nicht.

Fazit: Dieses Buch ist ein Beitrag zur Gesellschaftsspaltung von Menschen, die die eigene migrantische Herkunft und die deutsche Gesellschaft als Mittel zum Zweck der maximalen Selbstvermarktung massiv missbrauchen. Es strotzt von Vorurteilen und Klischees. Es ist peinlich, dass ein solches Machwerk an Ausgrenzung, Hass und Polarisierung in einem deutschen Verlag, der sich von jeher als dem europäischen Zusammenhalt verpflichtet verstanden hat, erschienen ist. Das sagt eine Menge über den derzeitigen Zustand des Verlagswesens in diesem Land aus. Dieses Buch ist kein Brückenschlag zum gemeinsamen Gestalten einer wirklich offenen, modernen Gesellschaft sondern feminazistische Indoktrination.

Ich habe lange überlegt, ob ich Kommentare zu dieser Rezension zulasse. Einerseits habe ich mir viel Arbeit gemacht und finde feedback wichtig. Andererseits weiß ich, dass es bei diesem Themenspektrum in den sozialen Netzwerken generell wahnsinnig konträr, oft emotional, gelegentlich unsachlich und ja: hin und wieder auch ausgrenzend zu geht. Von ALLEN Seiten. Ich möchte das nicht in diesen Blog tragen, zumal ich völlig oldschool auch der Ansicht bin, dass ich als Blogbetreiber jeden Kommentar meiner Leser beantworte. Das würde mich überfordern, fürchte ich.

Ich habe hier ein Buch bewertet: das ist meine völlig subjektive Meinung und auch nur als solche möchte ich sie verstanden wissen. Wer das gut findet, wird es weitertragen oder verlinken und auch wissen, wie man mich ohne Kommentarfunktion erreicht, um sich mitzuteilen. Allen Anderen steht es frei, selber zu rezensieren oder sich sogar dem ganz sicher bereitwilligen, vorm Feminismus buckelndem Feuilleton anzudienen, um die eigene Meinung breitflächig unters Volk zu bringen.

Danke fürs Teilen!