OT: Twitter – Zensur und Boykott

OT:Twitter – Zensur und Boykott

Dem halbwegs informiertem Leser muss ich nicht erklären, was in den letzten Wochen bezüglich Meinungsfreiheit und barrierefreie Kommunikation in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter passiert ist, Stichwörter wie “Heiko Maas” und “Netzwerkdurchsetzungsgesetz” sollten reichen.

Ich habe den Wechsel von Twitter zur freespeech-Plattform gab.ai nach dem Fall “Kolja Bonke” konsequent vollzogen, habe meine Twitter-Inhalte (bei facebook bin ich nicht registriert) gelöscht und bin seither stumm. Ich habe heute auch die Twitter-Verteilung meiner Beiträge unter dem Account “@buecherblogs” löschen lassen und die Verlinkung zu Twitter von meinem Blog entfernt. Es wird von mir keinen Content mehr auf Twitter geben.

Ich bedanke mich bei allen Twitter-Followern. Ich bin unter gleichem Accountnamen bei gab.ai zu finden und natürlich gibt es auch demnächst hier wieder Rezensionen.

Alles, was ich sonst noch zu sagen hätte, hat Quentin Quencher auf seinem Blog “Glitzerwasser” bereits  in einem sehr lesenswerten Beitrag zusammen gefasst, in dem ich mich zu 100% wiederfinde und den ich dankenswerterweise reposten darf.

 

In eigener Sache: Twitter ade!

Ich vertraue Twitter nicht mehr, es ist nicht mehr die Plattform auf der ich mich ohne Selbstzensur äußern kann. Freilich könnte ich es darauf anlegen, um von dort eine Sperre zu bekommen. Dann aber hätte ich das Heft des Handelns aus der Hand gegeben. Nein, ich will nicht weiter eine Plattform durch meine Mitgliedschaft unterstützen, die sich, wie Facebook auch, nicht gegen das um sich greifenden Diktat zur politisch korrekten Rede wehrt, und mich dann, sollte ich mich dem Diktat nicht beugen, nach einer obligatorischen Sperre, wieder gönnerhaft mit machen lässt. So was verbietet mir die Selbstachtung.

Klar könnte ich jetzt einen langen Aufsatz darüber schreiben, wer denn wirklich für dieses Diktat zur politisch korrekten Rede verantwortlich ist, über den Maas, die Linken und die Grünen, die mit aller Gewalt ihre kulturelle Hegemonie durchdrücken wollen, in alle Bereiche des öffentlichen und nicht öffentlichen Lebens, doch geschissen drauf, hier geht es mir hauptsächlich um den Mitläufer namens Twitter. Große Unternehmen sind immer Mitläufer, ob Autokonzerne oder Energieversorger oder wer auch immer, sie befürchten, dass sie sich ins gesellschaftliche Abseits begeben und sich angreifbar machen. Da hilft nur eines: Boykott! Boykottiert die Mitläufer!

Verbrennt mich“ schrieb einst Oskar Maria Graf an die Nazis, die doch tatsächlich einige seiner Bücher nicht auf den Scheiterhaufen geworfen hatten. Er war konsequent und mir war dieser eigensinnige Bayer immer ein Vorbild. Links war ich freilich nie, so wie Graf, in der Nazizeit wäre ich es aber sicher gewesen, so wie ich unter den Kommunisten rechts sein musste.

Ich habe es satt, ich will nicht mehr hören: „Die können doch nicht anders wenn sie Geld verdienen wollen.“ Twitter, Facebook, VW, Daimler, RWE, EnBW und all die anderen, sind Opportunisten, „sie wollen sich nicht angreifbar machen,“ wie Wolfgang Reitzle meinte. Und wenn ich schon die Mitläufer verachte, dann die Opportunisten noch mehr. Selbstverständlich verstehe ich ihre Beweggründe, die nicht zuletzt von einem Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihren Mitarbeitern und Aktionären gespeist werden. Obwohl, gerade wenn ich mir die großen Energiekonzerne anschaue, wie die wegen der Energiewende richtig Geld verbraten haben und ihre Mitarbeiter verunsichern, aus reinem Opportunismus heraus, dann frage ich mich schon, was für ein Verantwortungsbewusstsein die denn haben. Muss irgendwas mit Universalismus zu tun haben, womit wir bei einer Moralphilosophie wären die schon lange das Denken in diesem Lande vergiftet. Doch wie schreibt Gerhard Mersmann so schön: „Das Fazit aus der großen Katastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts ist für Graf so einfach wie bestechend. Er bringt das einzelne Individuum erneut in die Verantwortung.“

Ich muss mich heute aber fragen: Für wen habe ich Verantwortung? In allererste Linie für mich selbst! Wenn ich schon nicht auf die Straße gehe, oder einer Partei beitrete, oder mich sonst irgendwie politisch organisiere, dann muss ich wenigstens einige symbolische Handlungen vornehmen um meine Selbstachtung nicht zu verlieren. Boykott ist der Anfang, für sämtliche Labels wie BIO und dergleichen tue ich es bereits. Im Supermarkt beschwere ich mich auch, sollte von irgendeinem Gemüse, welches ich gerade kaufen wollte, nur BIO angeboten wird. Meiner Frau oder meinen Kindern ist das dann manchmal peinlich, das ist mir aber egal, sie müssen mich ja nicht beim Einkauf begleiten.

Ich schweife nicht ab, es hat alles miteinander zu tun. Wenn Sprachregelungen verbindlich werden, Abweichungen von der politisch korrekten Sprache, oder dem politisch korrekten Handeln, sanktioniert werden, dann ist das ein untrügliches Indiz dafür, dass die kulturelle Hegemonie von Links und Grün soweit fortgeschritten ist, dass nicht mehr Werbung für ihre Sache im Vordergrund steht, sondern die Wirklichkeit unter Zuhilfenahme von Instrumenten der Macht verändert werden soll. Wir befinden uns mitten im Kulturkampf dessen erstes Opfer der Pluralismus ist.

Diesen Kampf will ich eigentlich nicht, ich verteidige nur meine Freiheit: Frei zu denken und frei zu sprechen. Diesbezüglich bin ich aber konsequent. Ich habe die Schere im Kopf gespürt, mich ertappt dabei, darüber nachzudenken, ob ich diese oder jene Formulierung auf Twitter bringen könne. Sämtliche bedrückende Gefühle aus meiner Jugend in der DDR werden dadurch wieder lebendig. Aus reinem Selbstschutz muss ich dort weg, flüchten vor einer Kultur der Selbstverleugnung. „Ein Mensch, der frei sein will, ein Mensch der dieses nicht auf Kosten anderer erreichen will, dieser Mensch hat die Aufgabe, sich selbst zu verantworten, diszipliniert und konsequent zu sein,“ um noch mal aus Gerhard Mersmanns Text über Graf zu zitieren.

Twitter ade! Es wird dich nicht sehr interessieren dass ich weg bin. Ich weiß, dass du nicht der Initiator des heutigen Kulturkampfes bist, aber du bist ein Opportunist, der mich zum Mitläufertum zwingen muss. Meine Kündigung ist der Hauptsache kein Protest gegen dich, es würde dich eh nicht jucken. Ich will mir nur im Spiegel in die Augen schauen können.

Anmerkung: Die Löschung meines Twitteraccounts wird morgen, 28.06.2017, erfolgen.

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