Heute ist Schneckentag – Zeit für Brot

Heute ist Schneckentag – Zeit für Brot

 

Erschienen: 13.02.2017 bei TOPP (Frechverlag)
Autor/in: Zeit für Brot

Klappentext: Leckerschmecker Schnecken backen: herrlich saftig und einfach nachzubacken. Das sind die besten Schnecken der Stadt! Egal ob klassiche Nuss-Schnecke, frühlingsfrische Rhabarber-Zimt-Schnecke, herzhafte Käseschnecke oder überraschende Burger-Schnecke: Wir lieben sie alle. Das Team der beliebten Back-Manufaktur “ZEIT FÜR BROT” hat die besten Schneckenrezepte für Sie in diesem Buch zusammengestellt und ist sich sicher: Jeder Tag ist ein Schneckentag!

Heute ist Schneckentag – Zeit für Brot

Zunächst: ja, ich lese auch noch andere als Sachbücher, habe aber in letzter Zeit einige eher schwerverdauliche Sachen gelesen, die ich sozusagen noch innerlich “bebrüte” und bei denen ich mir noch nicht sicher bin, ob ich sie überhaupt öffentlich rezensieren mag. Und damit mir das Bebrüten leichter fällt, habe ich Schnecken gebacken. Ich bin ein großer Schneckenfan und ja: auch hier gibt das Internet viel Material her. Aber ein Buch ist ein Buch :-) und obwohl ich mein ganzes Leben lang gebacken habe, habe ich backtechnisch noch etwas dazu gelernt.

Über die Autoren “Zeit für Brot” kann man sich unter “Zeit für Brot-Bäckerei” informieren. Es handelt sich um ein junges, innovatives Bäckerei-Team , das 2009 in Frankfurt/Main gegründet wurde und mittlerweile auch in Berlin, Hamburg und Köln traditionell und nachhaltig Gebackenes anbietet.  Dafür gab es auch schon mehrere Preise.

Das Buch ist gut strukturiert, für mich bei Sachbüchern wichtig. Im Grundlagenteil werden die später in den Rezepten verwendeten Teige vorgestellt. Keep it simple – es gibt einen süßen und einen herzhaften Hefeteig, klassischen und Schokobisquit, sowie einen Dinkel-Focaccia-Teig und einen Vollkorn-Dinkel-Focaccia-Teig, beide ebenfalls auf Hefebasis. Diese Teige werden etwas anders geführt als die einfachen Hefeteige mit 550 Mehl und sind für diverse Brotschnecken gedacht. Das war’s auch schon und es ist völlig ausreichend, um ein Spitzenklasse-Schneckenbäcker zu werden.

Die derzeit wohl sehr beliebte Einteilung, die Rezepte jahreszeitenmäßig zu sortieren (ich habe das in mehreren Koch- bzw. Backbüchern gesehen) bestimmt den Rezeptteil. Das ist durchaus sinnvoll und dürfte den eher Unbedarften entgegen kommen, die sich im November an Rhabarber-Schnecken machen wollen und die dann feststellen müssen, dass das im November eher nicht so praktikabel ist. Rezeptmäßig bleiben wirklich keine Wünsche offen. Von einfachen Schnecken (“süße Brotschnecke”) über kräftige Herzhaft-Schnecken (“Bolognese”) und die natürlich nicht zu vergessene vegane Variante mit “Grüner Soße” sind selbstverständlich auch Mohn- und Streuselschnecken und Exoten wie “Silvester-Schnecken mit Champagner-Creme”, Käseseschnecken “Quattro Formaggi” oder Bisquitschnecken mit “Erdbeercreme und Basilikum” im Rezeptangebot.

Meine persönliche Meinung zu “Bisquitschnecken”: irgendwie verbinde ich mit dem Gebäck “Schnecke” keinen anderen als Hefeteig. Aufgerollter Bisquitteig mit Füllung ist für mich klassisch backtechnisch gesehen eine “Rolle” (und wird in herkömmlichen Rezepten auch so bezeichnet). Natürlich sieht das durchs Rollen auch “schneckig” aus, diese Rollen sind aber etwas, was man mit Tellerchen und Kuchengabel zum traditionellen Kaffeetrinken zelebriert, während Schnecken etwas ursprünglich-Rustikales sind, was man überall und immer futtern kann: aus der Hand, zwischendurch, als kleiner Reiseproviant, Zwischenmahlzeit im Büro, für den kleinen Hunger auf dem Spielplatz, Seelentröster, den wir alle aus der Kindheit kennen. Aber wie gesagt: das ist nur meine persönliche Wahrnehmung und tut den Bisquitschnecken im Buch keinen Abbruch.

Praxistest: den süßen Hefeteig habe ich gestern getestet. Grundsätzlich unterscheidet er sich kaum von dem Hefeteig, den ich sonst verwende. Seltsamerweise sind mir nach dem Kneten beide Teige zu klebrig und zu weich, so dass ich nach Gusto noch Mehl zugebe. Liegt es daran, dass ich maschinell knete? Ich benutze eine Brotbackmaschine, weil gerade durch diese Knetmethode Hefeteig richtig toll wird: nur hab ich immer das Gefühl, ich habe zu viel Flüssigkeit verwendet. Hat ein/e Bäcker/in da Erkenntnisse? Wie gesagt: für mich persönlich ist das irrelevant, da ich sowohl beim Kochen als auch beim Backen intuitiv vorgehe und damit auch immer gut fahre. Nur gibt es eben auch Menschen, die sklavisch an Rezepten kleben. Für die kann man pi mal Daumen nur den Rat geben: Mehl dazu, bis der Teig weich ist und nicht klebt und sich auch ohne Stress ausrollen lässt. Das Ausrollen und Schneiden der Schnecken wird ausführlich erklärt, gebacken wird oftmals in Muffinformen bzw. -Blechen. Kann man machen, muss man nicht, ich finde das Ergebnis optisch eher nicht so berauschend.

Ich habe frische Hefe verwendet und den Teig “kühl geführt”, also wie im Buch empfohlen, ein paar Stunden im Kühlschrank rasten lassen. Das war für mich ein Novum, ich lasse den Teig sonst eher in warmer Umgebung gehen. Das Ergebnis hat mich aber überzeugt: der Teig ist wunderbar aufgegangen und -mag jetzt ein wenig schizo klingen- megafluffig und trotzdem nicht trocken, sondern eher “saftig”. So weich, dass er auch heute noch wie frisch schmeckt, normalerweise ist Hefeteig kein Teig, den man lange aufheben sollte und am Besten frisch isst. Ich  denke ich werde künftig, das “kühle” Gehen beibehalten.

Wie man deutlich erkennen kann, habe ich aus den 250 Gramm Mehl 8 Schnecken gebacken. :-) Das ist etwas viel für 2 Leute, deshalb beglücke ich dann meist auch noch die Nachbarn mit. Übrig geblieben für heute ist das:

Das sieht jetzt nicht wirklich spektakulär aus, da die Schnecken in der Form ja “zusammenwachsen”und nicht so schön rund werden, als wenn man sie einzeln auf Backpapier bäckt, aber ich bin Pragmatiker. Sie haben umwerfend geschmeckt, auch wenn es nur der Teig aus dem Buch war. Die Füllung habe ich -da kurzentschlossen gebacken- aus dem was da war, zusammengerührt: Quark, Rosinen, Cranberries, Eigelb, Vanillezucker, Reste der vom Weihnachtsbacken übrige gebliebenen Marzipanrohmasse und ein wenig Puddingpulver. Fertig.

Fazit: ein den/die Bäcker/in bereicherndes Buch, das der Frechverlag wie üblich mit Videos im Downloadbereich des Verlages ausgestattet hat. Hier dürften dann auch wirklich Backanfänger Erleuchtung erfahren, die Videos sind wirklich gut gemacht und informativ. Ich möchte mein Schneckenbuch jedenfalls nicht mehr missen und demnächst stehen die herzhaften Sorten auf dem Plan.

 

 

 

2 comments

  1. Isabell -

    Hallo Devona,

    heute haben wir deine Buchimpression entdeckt. Wir freuen uns natürlich, dass dir das Buch so gut gefällt und du auch zukünfitig mehr Rezepte daraus ausprobieren wirst.

    Da es sich bei Mehl um ein natürliches Produkt handelt varriert das Teigergebnis, selbst, wenn die gleiche Mehlmarke verwendet wird. Auch die Länge und Art des Knetens beeinflusst die Konsistenz des Teiges und die Entwicklung des Klebergerüstes. Dieses hält die Gase im Teig und lässt ihn aufgehen. Am einfachsten ist es tatsächlich einfach die Mehl- oder Flüssigkeitsmenge entsprechend etwas zu variieren. Zu viel Mehl sollte jedoch nicht zugegeben werden, damit das Ergebnis saftig bleibt.

    Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg und Spaß beim Backen.

    Dein ZEIT FÜR BROT-Team

  2. Devona -

    Liebe Isabell,

    Danke für den Tip, genauso mache ich es. Man sieht beim Kneten in einem Brotautomaten ganz gut, wann das Mehl/Flüssigkeit-Verhältnis stimmig ist, mittlerweile bin ich routiniert. Die kalte Teigführung habe ich beibehalten, Teig morgens fertig machen und bei Bedarf backen, um fluffig-saftig-warme Schnecken zu haben. Perfekt!

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