Nackt im Treppenhaus – Oskar Simon

Nackt im Treppenhaus – Oskar Simon

 

Erschienen: 18.11.2016 bei Ullstein
Autor/in: Oskar Simon

Klappentext: Jeder kennt das Gefühl: Nach einer Ungeschicktheit oder einer Blamage will man am liebsten sofort im Boden versinken. Peinliche Momente sind wie barfuß gegen ein Tischbein zu laufen: ein stechender Schmerz, der nur langsam abklingt und an dem man sich auch viel später noch erinnert. Denn auf den Schmerz folgt postwendend die Scham. Gleichzeitig zählen peinliche Momente zum Witzigsten, was man erzählen kann. Und am Allerlustigsten sind Missgeschicke, die anderen unterlaufen sind. Dieses Buch versammelt viele alltägliche und authentisch erzählte Peinlichkeiten, die wahlweise für Mitgefühl oder Fremdschämen sorgen — auf jeden Fall aber für Amüsement.

Nackt im Treppenhaus – Oskar Simon

Ich gehöre eigentlich überhaupt nicht zur Zielgruppe für humorige Bücher. Aber bei “Nackt im Treppenhaus” heißt die Zielgruppe ohnehin “alle!” und ich habe beim Lesen wirklich mehrmals LAUT (!) lachen müssen. Wir haben Weihnachtszeit, es gibt viele Besuche, manch einer grübelt über ein Mitbringsel, ein Anderer würde ja ein Buch mitbringseln, kennt aber den Lesegeschmack des Empfängers nicht und schon fängt es an, krampfig zu werden. Ich kann nur sagen: nehmt einfach dieses Buch mit, auch für Nichtleser.

Der Titel ist Programm, da muss man nicht viel erklären. Der Leser kann dem inneren Voyeur mal so richtig Zucker geben und sich über all die Fettnäpfchen, in die andere Leute so latschen, ausgiebig amüsieren. Manche Geschichten kennt man, weil sie wirklich JEDEM im Laufe des Lebens mal in selbiger oder abgewandelter Form passieren, von dem Meisten hofft man einfach nur, dass dieser Kelch an einem selber vorüber gehen möge. Zu Wort kommen Leute wie Du und ich, also der ganz normale, tägliche Peinlichkeiten-Verursacher und einige Promis. Die haben natürlich das Pech, namentlich benannt zu werden, alle anderen Geschichten sind anonymisiert und lediglich mit einem Geschlechterhinweis versehen. [Anmerkung: In ALTER Form, also männlich oder weiblich. Ja, mir ist bekannt, dass es wohl mittlerweile eine Unmenge mehr an Geschlechtern geben soll bzw. dass Geschlecht ein rein soziales Konstrukt ist. Ich habe das zur Kenntnis genommen und lasse jedem Menschen seine Meinung und sein Geschlecht. Man möge das mit mir ebenso halten. Mir geht dieses ganze Genderdingsbums neufeministisch Überspannter an meinem dicken, biologisch-weiblichen Hintern vorbei.]

Aufgelockert wird das Ganze durch mehrere interessante Dialoge aus Wissenschaft und Forschung. Dr. Jörg Wettlaufer (Historiker und Anthropologe an der Akademie der Wissenschafte zu Göttingen) beschäftigt sich mit der Frage: “Was unterscheidet Scham und Peinlichkeit?”, Professor Sören Krach (Leiter des Labors für soziale Neurowissenschaften an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Lübeck ) ist ein führender Experte beim Thema “Fremdscham” und auch die Kommunikationswissenschaftlerin Julia Döring hat an der Universität Duisburg-Essen zum Thema “Peinlichkeit: Formen und Funktionen eines kommunikativ konstruierten Phänomens” promoviert und beantwortet Fragen zum Thema. Man kann also durchaus auch noch etwas lernen bei dieser Lektüre.

Fazit: Keine große Literatur, dafür mitten aus dem Leben. Wir lachen gerne über andere, weil wir wissen, die lachen auch über uns, wenn wir wieder mal völlig neben der Spur sind und uns zum Affen machen. In diesem Sinne: mitlachen. Kann man auch in alberner Runde mal zum Besten geben, die Geschichten sind meist recht kurz.

 

 

 

 

Leave Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld.

*

Zustimmung zur Datenspeicherung gemäß DSGVO.