Mördermädchen – Elizabeth Little

Mördermädchen – Elizabeth Little

 

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Erschienen: 21.12.2015 bei Goldmann
Autor/in: Elizabeth Little

Klappentext: Janie Jenkins hat alles: Ruhm, Geld und gutes Aussehen. Doch dann wird ihre Mutter ermordet – und alle Beweise sprechen gegen sie. Das Problem: Janie kann sich selbst nicht daran erinnern, was in jener Nacht geschehen ist. Als sie zehn Jahre später aus dem Gefängnis entlassen wird, macht sie sich auf die verzweifelte Suche nach der Wahrheit. Eine Spur führt sie in die kleine Stadt Adeline in South Dakota, wo sie unter falscher Identität Stück für Stück die Vergangenheit ihrer Mutter entschlüsselt. Warum musste diese sterben – und trägt Janie tatsächlich Schuld an ihrem Tod?

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: “Mördermädchen” ist kein Buch, welches ich uneingeschränkt und begeistert weiter empfehle. Aber es hat Potential und vielleicht sind von der Autorin nach diesem, ihrem Debütroman künftig noch weitere Werke zu erwarten, in denen sie sich steigert.

Der Roman lebt leider nur durch die Figur der Protagonistin Janie Jenkins, aber die ist ganz anders als sonstige in Krimis auftauchende Hauptfiguren. Janie hat einen immens hohen Wiedererkennungsfaktor, Elisabeth Little hat hier wirklich eine junge Frau kreiert, die glaubwürdig und vorstellbar wirkt und darüber hinaus auch einen hohen Unterhaltungswert hat. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Ich-Perspektive, in welcher Janie den Leser durch den Roman führt. Der Schreibstil ist flüssig und Janies teilweise recht flippige und rotzige Art lässt manchmal sogar schmunzeln – eigentlich eher ungewöhnlich für einen Krimi, hat mich aber sofort für die Hauptfigur eingenommen. Positiv habe ich auch die optische Auflockerung des Textes durch gelegentliches Einstreuen (andere Formatierung des Textes) von SMS, Zeitungsberichten, früheren Vernehmungsprotokollen etc. wahr genommen.

Das Buch beginnt mit Janies Entlassung aus dem Gefängnis nach 10 Jahren Haft und einem anschließenden Treffen mit ihrem Anwalt. Janie möchte untertauchen, sie ist prominent, ihr Fall sorgt  durch ihre Entlassung wieder für viel Wirbel in sämtlichen Medien und ein von ihrer Schuld überzeugter Blogger versucht, ihr auf Schritt und Tritt zu folgen, um ihre Schuld doch noch zu enthüllen, das Ganze grenzt an Stalking.

Zunächst folgt der Leser Janies Gedanken zu ihrer Situation, ihren Vorstellungen zum weiteren Werdegang, Erinnerungen an die Vergangenheit, ihre tote Mutter etc. Janie ist genauso, wie man sich ein ehemaliges, verwöhntes und protegiertes upperclass-Promi-Girl vorstellt, dem in zehnjähriger Haft sämtliche Flausen aus dem Kopf getrieben wurden und welches als verurteilte Mörderin hart auf dem Boden der Tatsachen und Realitäten aufgeschlagen ist. Sie ist sarkastisch bis zur Grenze zum Zynismus, reichlich desillusioniert, dabei aber intelligent und erfrischend pragmatisch. Der absolut passende, schnoddrige Ton mag nicht jedem gefallen, ich fand ihn Klasse.

Janie hatte viel Zeit, sich im Gefängnis zu überlegen, was passieren soll, wenn sie entlassen werden wird und macht sich zielgerichtet an die Umsetzung ihres Plans: den Mörder ihrer Mutter zu finden. Sie taucht komplett ab und folgt einer ersten Spur in die Vergangenheit ihrer Mutter, deren offizielle Biografie doch so einige winzige Fragezeichen enthält. Janie nimmt ihre Spur relativ schnell in der Kleinstadt Adeline in South Dakota auf, aus der ihre Mutter offenbar zu stammen scheint.

Tja und das war es dann auch irgendwie. Den Rest könnte man mit “Janie ermittelt in Adeline” zusammenfassen. Es werden massenhaft Personen eingeführt, die allesamt blass, farblos oder auch langweilig bleiben, dadurch hat man Mühe, sie alle zu behalten, ab und an musste ich zurück blättern. Alle sind irgendwie querverbunden, irgendwie hat Jeder was zu verbergen, Janie entwirrt die Fäden. Laaaaaange Fäden. Der Plot war absolut nicht meins. Her und hin und hin und her, dazwischen …wer war das nochmal? Zäh. Und natürlich auch ein wenig Herzschmerz-Gedöns, allerdings in erträglichem Maß. Alleine Janies Gedanken -insbesondere ihre stillen, sarkastischen Replays auf gerade laufende Gespräche- haben mich hier bei der Stange gehalten. Einen wirklichen Spannungsbogen gab es nicht, auch wenn im Finale nochmal krimi-like ein wenig Leben in die Handlung kommt.

Fazit: eine Protagonistin, die dem Durchschnittsleser vielleicht nicht allzu gut gefallen mag, aber wirklich mal aus dem Rahmen der üblichen Krimiprotagonisten herausfällt und mich dadurch zum weiterlesen animiert hat. Wenn Elisabeth Little es beim nächsten Buch schafft, auch Spannung in die Handlung zu bringen, greife ich auf jeden Fall nochmal zu. “Mördermädchen” würde ich jetzt wirklich nur (!!) Leuten empfehlen, die mit einem langweiligen Plot/Setting so gar kein Problem haben.

Danke fürs Teilen!

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