Porträt einer Ehe – Robin Black

Porträt einer Ehe – Robin Black

 

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Erschienen: 24.05.2016 bei Luchterhand
Autor/in: Robin Black

Klappentext: Gibt es ein Geheimnis für das Bewahren der Liebe?

Augusta und Owen sind von der Großstadt Philadelphia aufs Land gezogen, wo sie ein ruhiges, einsames Leben führen, Gus als Malerin, Owen als Schriftsteller. Doch ihre Verletzungen konnten sie nicht zurücklassen: Die Malerin hatte eine Affäre, die zwar vorüber ist, aber Gus hat ihrem Mann alles gestanden, und nun versuchen beide, ihre Ehe zu retten. Als in das Nachbarhaus eine neue Mieterin einzieht, ändert sich das stille, isolierte, vorsichtige Leben des Paars. Gus freundet sich mit der geschiedenen Britin Alison schnell an, sie ist ebenfalls Malerin, und Schritt für Schritt wird das Beziehungsgeflecht zwischen den drei Nachbarn enger und vertrauter, aber auch komplizierter. Und spätestens als die junge Nora, Alisons Tochter, eintrifft, droht die Situation zu eskalieren …

 

“Porträt einer Ehe” ist ein ganz eigener Roman, in dem eigentlich nicht viel und doch wahnsinnig viel passiert – Liebhaber ausgefeilter Plots werden hier vermutlich nicht so ganz glücklich. Robin Black beleuchtet mit großem psychologischem Geschick die feinen Schwingungen diverser zwischenmenschlicher Beziehungen. Sie zeigt, wie einfach kleine Missverständnisse zu Katastrophen führen können und wie schwer es ist, emotionale Befindlichkeiten selbst einem jahrelangen Partner gegenüber eindeutig verständlich zu machen, wenn das Vertrauen erst einmal angeknackst ist.

Die Geschichte wird in Ich-Form von Gus erzählt, die 47 Jahre alt ist und mit Owen bereits seit frühester Jugend zusammen lebt, die meiste Zeit davon unverheiratet und glücklich. Vor ein paar Jahren befand sie sich in einer emotionalen Ausnahmesituation -kurz nachdem ihre über alles geliebte Schwester verstarb, musste sie erfahren, aufgrund von Owens Zeugungsunfähigkeit niemals Kinder haben zu können- in der sie sich von Owen allein gelassen fühlte und in der sie sich auf eine kurze Affäre mit Bill, dem Vater einer Schülerin, einließ. Sie war verliebt in Bill, trennte sich aber schnell wieder von ihm, als klar war, dass Bill seine Familie nicht verlassen würde. Sie gestand Owen rückhaltlos die komplette Affäre, beide beschlossen, zu heiraten und miteinander alt zu werden und für den Fall der Fälle immer direkt und ehrlich über beziehungsbedrohende Vorkommnisse zu sprechen und nichts zu verschweigen oder zu lügen. Trotz Allem ist Owen tief getroffen, nach einer kleinen Erbschaft ziehen sich beide aufs Land zurück, um in Ruhe zu sich selbst und zueinander zu finden.

Nichts stört diese beschauliche Atmosphäre, die auch auf den Leser zunächst äußerst ruhig und ausgeglichen wirkt. Ohne Einwirkung von außen gehen Beide ihrer Arbeit nach: Gus findet beim Renovieren des alten Hauses eine Inspirationsquelle für ihre Malerei und Owen versucht, eine bereits länger anhaltende Schreibblockade zu bekämpfen. Gelegentlich besucht Gus ihren dementen Vater im Pflegeheim und trifft sich mit einer anderen Schwester.

Eines Tages taucht in Gus Garten die neue Mieterin des einzigen Nachbarhauses im Umkreis -Alison- auf, um sich vorzustellen. Von Gus zunächst nicht grade begeistert und eher als Eindringling zur Kenntnis genommen, entwickelt sich  Alison durch ihre offene, sympathische Art schnell zu einer guten Nachbarin, mit der man sich gelegentlich zum Abendessen oder auf einen Drink trifft, später ist sie besonders für Gus eine enge Vertraute, mit der sie intime Details aus ihrem Leben und ihrer Beziehung teilt, auch Alison bringt ihr Vertrauen entgegen und spricht über ihr Leben. Als schließlich Alisons Tochter Nora auftaucht, entsteht zwischen den vier Personen ein fragiles und verhängnisvolles Beziehungsgeflecht, in dem sich Prioritäten verschieben, Missverständnisse mit Lügen verwechselt werden, alte Wunden aufbrechen und welches alle Beteiligten immer mehr miteinander verstrickt.

Meisterhaft und sensibel beschreibt Robin Black einen scheinbar mitten aus dem Leben gegriffenen Beziehungsalltag, in dem ohne wahnsinnig große und bedeutende Vorkommnisse von außen allein durch die Veränderung und das Verschieben von Wahrnehmungen, Empfindungen und Reaktionen eines kleinen Personengrüppchens ein kleines Idyll zu einem weiteren Trauma für Gus und Owen mutiert. Und während die beiden einen zweiten, verzweifelten Versuch starten, ihre Ehe -die ihnen wahnsinnig wichtig ist- zu retten, verselbständigen sich die Ereignisse. Das Ende ist abrupt, traurig und wie Alles andere auch: real vorstellbar. Der Leser bleibt nachdenklich und mit der Frage, wieviel Offenheit Beziehungen jeglicher Art vertragen, zurück.

Fazit: empfehlenswerter, tiefsinniger Roman über die verschiedensten zwischenmenschlichen Beziehungen, über Liebe und Vertrauen, nicht gesetzte Grenzen und Verständnis. Zunächst ruhig verlaufend, wird auf gutem sprachlichem Niveau langsam aber stetig Spannung aufgebaut.

 

 

 

 

 

 

 

 

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