Traum.Wald.Tot. – M.C.Poets

Traum.Wald.Tot. – M.C.Poets

 

traumwaldtotow

 

Erschienen: 2016  BoD
Autor/in: M.C.Poets

Klappentext: In der endlosen Weite Norwegens lebt der Eigenbrötler Morten. Seit er denken kann, träumt er davon, eine Frau zu fesseln und echte, tiefe Angst in ihrem Blick zu sehen. Als er eines Abends heimlich ein Touristenpaar auf einer Kanutour beobachtet, erwacht sein alter Traum zu neuem Leben. Am nächsten Morgen liegt der Mann tot am Fuße eines Felsens, und die Frau muss auf sich allein gestellt ihren Weg durch die unwirtliche Natur finden. Morten sieht seine Chance gekommen und bietet der Frau seine Hilfe an.

Zusammen machen sie sich auf den Weg, und Morten glaubt, ein leichtes Spiel mit seinem ahnungslosen Opfer zu haben. Doch Sina van Megen, eine gefragte Künstlerin, ist nicht die verweichlichte Städterin, für die er sie hält. Genau wie er selbst verbirgt sie ihre wahren Absichten, was er jedoch erst durchschaut, als es fast zu spät ist.

Nachdem ich vor längerer Zeit von M.C. Poets “Mordswald” gehört hatte und dazumal nicht so recht wusste, warum mich das Buch nicht gepackt hat, obwohl die Autorin eigentlich nichts wirklich falsch gemacht hatte, habe ich mich nun an ihrem neuen Thriller versucht und war angenehm überrascht. Die Autorin kann natürlich auf knappen 222 Seiten das Genre nicht neu erfinden, trotzdem hat das unscheinbare Büchlein im praktischen “nimm-mich-mit-für-unterwegs”- Format ( leicht und handtaschentauglich) einiges zu bieten. Insgesamt ist das Buch für mich aber eher Krimi als Thriller.

Die Geschichte wird auktorial erzählt, wobei der Fokus wechselweise auf Sina oder Morten liegt, insgesamt wohltuend schnörkellos und direkt, die Autorin hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf und treibt die Handlung zügig vorwärts.  Nachdem der Leser im Einführungskapitel kurz mit der seltsamen Obsession von Morton vertraut gemacht wird, folgt am nächsten Morgen auch schon das Zusammentreffen mit Sina, deren Mann tot am Fuße eines Felsens liegt und die nun dringend in die Zivilisation zurück will. Viele Möglichkeiten hierzu bieten sich ihr nicht, also nimmt sie Mortens Angebot, gemeinsam zu gehen, an. Und in diesem Moment beginnt ein perfides Katz-und-Maus-Spiel, ein gegenseitiges Belauern – bei Morton mit dem Hintergrund, seine Fantasien endlich ausleben zu können. Sina hingegen mangelt es an Vertrauen zu diesem seltsamen Kauz, überdies wird schnell klar, dass sie ein schlechtes Gewissen hat und sich fragt, ob Morton wohl mehr von ihr weiß, als ihr lieb sein kann. Erschwert wird die Reise durch die unwirtlichen Weiten auch noch durch eine Bärenattacke, bei der Morten an der Schulter verletzt wird und von nun an auf Sinas Hilfe angewiesen ist. Die ihrerseits kämpft mit einer Knieverletzung.

In Rückblenden beider Protagonisten erfährt der Leser nach und nach, was Sina und ihren Mann nach Norwegen führte und warum Morton sich zu einem seltsamen, mit nicht ganz gesunden Fantasien geschlagenen Mann entwickelt hat, der trotz der Verletzung nunmehr zur Tat schreitet. Wobei so Manches anders kommt, als man denkt und auch Sina am Ende einen folgenschweren Fehler begeht: sie schweigt weiter, als sich Mortens und ihr Weg zunächst trennt. Mortens Vorgeschichte hat mich nicht ganz überzeugt und wirkt etwas klischeehaft, das tut der Spannung insgesamt aber keinen Abbruch.

Da die Handlung fast auschliesslich um die beiden Hauptpersonen gestrickt ist und komplett ohne ermittelnde Behörden auskommt -es gibt schlussendlich nichts zu ermitteln, da keine Straftat zur Anzeige kommt und nach dem ersten Teil des Buches [ausser Sinas Mann] auch keine Leiche zu verzeichnen ist- ist es schwierig, zur weiteren Handlung etwas zu sagen, ohne zu spoilern. Nur so viel: es gibt einen zweiten Handlungsteil mit beiden Protagonisten und da geht es dann richtig zur Sache. Und als der Leser sich einem ebenso ungewöhnlichen wie makabren Thriller-Ende für Sina und Morten -die von Anfang an beide gleichermaßen unsympathisch sind- gegenüber sieht, war`s das immer noch nicht. Im letzten Kapitel setzt die Autorin noch eins drauf und damit wird es richtig, richtig böse. Und richtig, richtig fies, ein Krimi-Ende, was man sich oftmals wünscht, aber nie bekommt und was die Handlung perfekt abrundet. Schon allein das macht das Büchlein lesenswert.

Fazit: der schnelle Krimi für Zwischendurch mit (wirklich) überraschendem und erschreckenderweise sogar real vorstellbarem Ausgang. Geeignet und empfehlenswert für Krimi- und Thrillerfans, wenn es mal spannend, aber weniger umfangreich sein darf.

Anmerkung: die Autorin wurde schon bei rororo verlegt, liefert aber hier ein sehr schönes Beispiel, wie ein professionelles Selfpublishing im Druckbereich aussehen sollte. Für den unbedarften Leser nicht wirklich von einem Verlagsangebot zu unterscheiden, alle Anderen finden alle benötigten Angaben an den gewohnten Stellen. Daumen hoch.

 

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