Stilles Vermächtnis – Sabine Durrant

Stilles Vermächtnis – Sabine Durrant

 

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Erschienen: 01.04.2016 bei Piper
Autor/in: Sabine Durrant

Klappentext: Zach hat seine Frau Lizzie wirklich geliebt. Weil sie immer zu ihm stand, obwohl er als Maler erfolglos blieb. Weil sie ihn vergötterte. Sie waren glücklich, das perfekte Paar. Bis ein Autounfall alles zunichte machte. Aber manchmal ist das Ende nicht das Ende, und hinter einer makellosen Fassade verbirgt sich ein Geflecht von Lügen und Obsession …

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Man wundert sich häufig über die Genrezuordnung der Verlage. Oftmals grüble ich bei einem als Psychothriller deklariertem Buch, nachdem ich es beendet habe, was genau daran nun “Psycho” gewesen sein soll. Im Umkehrschluss frage ich mich bei “Stilles Vermächtnis”, warum Sabine Durrants Buch diese Zuordnung NICHT erhalten hat. Der Leser erfährt aus dem Klappentext, dass Zach tot ist und doch beginnt das Buch mit einem -möglicherweise im aktuellen Zeitrahmen- kurzen Kapitel aus der ich-Perspektive von Zach, in der er sehr lebendig wirkt. Es ist sofort Spannung da. Und von da aus entspinnt sich die Handlung in jeweils wechselnden und entsprechend übertitelten Kapiteln aus der ich-Perspektive von Zach und Lizzie.

Kein irrer Serienmörder, keine Ströme von Blut, ein sehr kleiner Personenpool, kein nervenaufreibender Plot mit Wendungen im Minutentakt. Der Fokus liegt eindeutig auf der “perfekten” und so jäh beendetet Beziehung von Zach und Lizzie, ein gleichmäßig hoher Bogen von eher subtiler Spannung hält den Leser allein damit in Atem – das Alles wäre  die Bezeichnung “Psychothriller” wert gewesen.

Vor einem Jahr, am Valentinstag, ist Lizzies Mann mit dem Auto tödlich verunglückt. Zach war ihre große Liebe. Sie will nun – nicht zuletzt auch durch Drängen ihres Umfeldes – mit der Vergangenheit abschließen, nimmt all ihren Mut zusammen und fährt endlich zur Unfallstelle, um Abschied zu nehmen. Doch was sie dort sieht, verstört sie zutiefst: ein Strauß weißer Lilien liegt am Straßenrand und auf einem daran hängenden Zettel steht: “Für Zach – Xenia”. Geschockt muss Lizzie realisieren, dass es offenbar eine  andere Frau in Zachs Leben gab. Wer ist Xenia?

In der Folgezeit mehren sich für Lizzie die Anzeichen dafür, dass Zach womöglich noch lebt, seltsame und unheimliche Dinge passieren, sie fühlt sich beobachtet. Oder ist doch nur Lizzies Wahrnehmung durch den Schock an der Unfallstelle getrübt und sie sieht Gespenster? Und warum taucht dieses Mädchen Onnie immer und immer wieder bei ihr auf und überrollt sie mit einer Übergriffigkeit, der sie nicht viel entgegen setzen kann und vor der sie permanent kapituliert?

Zeitversetzt erfährt man von Zach die Geschichte des Kennenlernens, der Liebe, der Ehe zwischen Zach und Lizzie, einer einzigartigen, tiefen Beziehung und deren so gar nicht einzigartiger Entwicklung. Und als für Lizzie die Realität im Jetzt und hier beginnt, sich zu überschlagen und völlig aus dem Ruder zu laufen, ist auch Zach mit seiner Erzählung in den tiefsten Untiefen angekommen und die Ereignisse werden in einem spannenden Finale schlüssig zusammengeführt.

Das Buch lebt von der Entwicklung seiner Charaktere und der Beziehungen, besonders gut gelungen ist der Autorin das mit Zach und auch der Beziehung Zach-Lizzie. Weniger gut gelungen ist die Darstellung von Onnie, die doch etwas überzeichnet wirkt, in Teilen unverständlich ist auch das Verhältnis von Lizzie zu Onnie, die sich als Erwachsene einfach zu oft von einer Sechzehnjährigen auskontern lässt, als dass es glaubwürdig wäre. Insgesamt betrachtet ist das Ganze dadurch etwas kantig, aber durchaus stimmig. Der Schreibstil von Sabine Durrant  ist trotz -oder vielleicht gerade auch wegen- der vielen zu vermittelnden und vielfältigen Gefühle der Protagonisten eher zurückgenommen und knapp, was in diesem Zusammenhang angenehm ist. Es bleibt Raum für eigene Gedanken und Empfindungen, dem Leser wird emotional nichts “übergestülpt”, auch kleine anrührende Aspekte bleiben spürbar.

Fazit: spannendes Psychogramm einer Ehe auf dem Weg von der scheinbar heilen Welt des großen Glücks in Abgründe, Obsessionen, Lügen und Abhängigkeiten in verschiedensten Konstellationen, die nicht nur Zach und Lizzie betreffen. Verwirrspiel mit einigen Vorhersehbarkeiten und kaum Überraschungen, die sich aber gut ins Gesamtkonzept einfügen. Sabine Durrant ist einen zweiten Blick wert und eine Empfehlung auch.

 

 

 

 

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