Schatten der Schuld – Petra Johann

Schatten der Schuld – Petra Johann

 

schattenderschuldow

 

Erschienen: 21.11. 2015 bei Blanvalet
Autor/in: Petra Johann

Klappentext: Drei Jahre ist es her, seit Kriminalkommissarin Charly Rumor ihren besten Freund und ehemaligen Kollegen Mick das letzte Mal gesehen hat. Damals jagten sie den sogenannten Axtmörder, der drei Frauen ermordet hatte. Die Ermittlungen endeten traumatisch, Mick musste den Polizeidienst quittieren.
Als im Stadtwald eine Frauenleiche gefunden wird, ist Charly sicher: Der Axtmörder hat wieder zugeschlagen. Sie ahnt, dass sie ihn nur mit Micks Hilfe enttarnen kann, doch sie hatte gute Gründe, seinerzeit den Kontakt abzubrechen. Wäre da nicht die Chance, vergangenes Unrecht wieder gutzumachen.

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Mit “Schatten der Schuld” ist Petra Johann ein solider Krimi mit gleichermaßen Schwächen und Stärken gelungen. Der Axtmord im Stadtwald konfrontiert das Team um Hauptkommissar Frank Quirin-genau genommen ihn und Kriminalkommissarin Charly Rumor- erneut mit einem ungelösten ca. drei Jahre altem Fall, bei dem es mehrere Opfer und einen sehr eingeschränkten Täterkreis gab. Keinem der Verdächtigen konnte etwas nachgewiesen werden, der Fall zu den Akten gelegt. Das hat tiefe Spuren bei Charly und Frank hinterlassen. Beiden ist sofort klar, dass der damalige Fall mit dem aktuellen im Zusammenhang stehen muss. Durch Rückblenden und Erzählungen werden dem Neuling des Teams -Benny- und dem Leser die Fakten von damals und die Zusammenhänge zum neuen Fall vermittelt, wobei lange Zeit unklar bleibt, was der mittlerweile aus dem Team und dem Polizeidienst ausgeschiedene Kriminaloberkommissar Michael Harting (“Mick”) für eine Rolle spielte und wieso auch seine private Freundschaft zu Charly zerbrochen ist. Dadurch wird der Spannungsbogen gleichmäßig hoch und somit der Leser bei der Stange gehalten. Vieles zum alten Fall muss der sich oftmals “außen vor” fühlende Benny Frank oder Charly quasi aus der Nase ziehen oder anderweitig “ermitteln”, zum Beispiel in Gesprächen mit Simon Haffner, der auch ehemals zum Team um Frank Quirin gehörte, inzwischen aber in der Polizeischule in Neuss unterrichtet. Seltsamerweise hat er trotzdem den äußerst hartnäckigen Drang, den alten Fall aufzuklären.

Die Handlung ist logisch aufgebaut, die Charaktere recht differenziert gezeichnet, auch die Nebencharaktere wirken nicht lieblos oder klischeehaft zusammen geschrieben, das berufliche und private Beziehungsgeflecht aller Protagonisten ist detailreich und glaubwürdig gestaltet. Dem ersten Teil von “Schatten der Schuld” bin ich interessiert und motiviert gefolgt. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, genau das erwarte ich von einem guten Krimi.

Leider kippt das Ganze im zweiten Teil. Die Autorin verliert sich hier in ellenlangen Abhandlungen über noch so kleine Details der einzelnen Fälle in Form von endlosen Gesprächen einzelner Personengrüppchen (Charly-Jill, Frank-Charly-Benny, Benny-Simon), bei denen immer wieder das Gleiche besprochen wird, der Wiederholungsanteil ist enorm. Handlung ist über lange Strecken nicht mehr vorhanden, man kommt sich vor wie in einer endlosen Indizienschau aus jedem nur möglichen und unmöglichen Blickwinkel und dem Durchspielen von was-wäre-wenn-Szenarien, die gefühlt dem Zweck dienen, dass sich die Autorin der Schlüssigkeit ihrer Handlung versichert und ein wenig Angst hat, der Leser könne der Handlung nicht folgen, wenn sie nicht alles mehrfach idiotensicher erklärt. Das läßt ein wenig Verstimmung aufkommen nach dem Motto: “Man, soooo blöd bin ich nun auch wieder nicht!” Kein noch so kleines Detail wird dem Zufall preisgegeben, da zeigt sich wohl die Mathematikerin in Petra Johann. Die Ungereimtheiten, Logikbrüche, lose Enden, die in anderen Krimis und Thrillern oft nerven, werden hier im “wzbw”-Stil konsequent ausgeschlossen.

Achtung , leichte Spoiler!

Wegen dieser Längen kommt das Ende dann etwas apruppt. Die aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse  temporär komplette Auswechslung des Ermittlerteams -bis auf Benny- kurz vor dem Ende fand ich nicht besonders geschickt, das ist aber sicher Geschmackssache. Beim finalen Szenario werden garantiert einige Leser finden, dass es da wohl ein Opfer zu viel gibt, was sicher stimmen mag, aber für die immer gerne beschworene Realitätsnähe fand ich dieses Finale sehr passend – die Realität ist böse und Mörder sind es auch. Hier gab es nichts zu meckern für mich, die letzten Handlungen des Täters waren fast schon zwangsläufig. Auch für Charly ist kein wirkliches happy end in Sicht…gibt`s hier einen Nachfolgeband? Ich würde Petra Johann gerne nochmal eine Chance geben. Und auch dem Team um Frank, Charly, Benny und….Mick?

Fazit: gut durchdachte und auch spannende Handlung mit leider einigen Längen zu viel.

 

Danke fürs Teilen!

2 comments

  1. Beatrix Petrikowski -

    Das Ganze hatte wohl Längen, ja, weil die Autorin sehr viel über die Charaktere der Protagonisten schreibt, aber nicht langatmig im Sinne von langweilig.

  2. Devona -

    An den Stellen, an denen es langatmig ist, geht es nicht um die Charakterentwicklung, die ich an sich ganz okay fand, sondern um das permanente Widerkäuen der immer gleichen Fakten/Indizien. Hatte ich auch haargenauso geschrieben. Ob man das langweilig findet, wird nun immer subjektiv von der eigenen Resistenz gegenüber Wiederholungen abhängen und die dürfte bei Leuten, die einen Sachverhalt beim ersten Mal des Erklärens begriffen haben, nicht besonders ausgeprägt sein. :-)

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