Sonntags im Maskierten Waschbär – Stefan Nink

Sonntags im Maskierten Waschbär – Stefan Nink

 

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Erschienen: 26.10. 2015 bei Limes
Autor: Stefan Nink

Klappentext: Eine Agentur, spezialisiert auf das Auffinden unauffindbarer Gegenstände – das kann auch nur Siebeneisen und seinen Freunden einfallen! Nach einigen erfolgreich gelösten Fällen, stolpern sie im Waschsalon Zum Maskierten Waschbär in New Orleans eines Tages über die historischen Aufzeichnungen eines bayerischen Cowboys und entdecken darin einen sensationellen Hinweis: Offenbar wusste dieser Moosbichler, wo die Mumie des letzten Inkaherrschers versteckt worden war! Von Las Vegas führt die Spur durch die Canyons von Arizona bis zu den Galápagosinseln. Und während sich Siebeneisen mit Pelikanen, Echsen und vielen weiteren Hindernissen herumschlägt, haben längst auch andere von der Mumie erfahren.

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Ich hatte mir “Sonntags im maskierten Waschbär” vorgenommen, weil mir für Carolines Lesebingo noch ein LUSTIGES Buch fehlte und Klappentext sowie Cover des Buches bei mir implizierten, dass das Buch lustig sei. Überdies wurden schon die beiden Vorgänger von den Lesern begeistert aufgenommen und erhielten weitestgehend gute Kritiken, die die Bücher zu “Kultbüchern” stilisierten.

Hm. Zunächst einmal würde ich einem Interessierten empfehlen, die beiden Vorgänger zu lesen, bevor man sich an den Waschbär macht. Wiewohl die Bücher handlungsmäßig in sich abgeschlossen sind, wird durchaus Einiges an Kenntnis vorausgesetzt, insbesondere, was die handelnden Personen anbelangt. Ich bin wahnsinnig schwer in das Buch hinein gekommen und hatte anfangs teilweise nur blinkende Fragezeichen in den Augen. Das lässt die Lesemotivation schnell sinken, ich habe das Buch sehr oft tagelang bei Seite gelegt, um erstmal etwas Anderes zu lesen.

Die dürftige und absolut eindimensionale Handlung des Buches würde ich wohlwollend unter “Roadmovie” einordnen. Gruppe A und Gruppe B jagen reisend einem bestimmten Ziel nach, wobei Gruppe 1 lediglich Füllstoff ist und der Fokus auf Gruppe 2- die Protagonisten um Siebeneisen-liegt. Die stolpern abwechselnd, einzeln oder gemeinsam von einer komischen Situation in die nächste. Mein Problem hierbei war, dass diese Situationskomik dermaßen aufgesetzt und bemüht wirkt, dass sie nicht mal mehr ansatzweise lustig ist und die Handlung letztendlich in Schema: “Gehe zu Punkt 1, dort findest Du einen Tipp. Gehe dem Tipp nach, dann findest Du Tipp 2. Folge diesem bis zu Hinweis 3. (usw.)”versackt.  Keine Überraschungen, keine Wendungen, Geradlinigkeit bis zum Ende.  Sämtliche Charaktere sind trotz der ihnen angedichteten Freakigkeiten flach und seltsam irreal.

Am meisten nervten mich die inflationär verwendeten zeilen- bzw. SEITENschindenden Nichtigkeiten a la:

»Kannst du dich an die Abzweigung erinnern? Wo wir mittags waren? Da hätten wir bestimmt abbiegen müssen. Der andere Pfad führte auch bergab.«
»Du meinst die Stelle, an der ich zwanzig Minuten auf dich warten musste? Weil du dich in dieser Liane verfangen hattest?«  oder auch:

»Wipperfürth und Schatten? Kann ich mir nicht vorstellen. Wahrscheinlich versuchen sie gerade, den Lastwagenverkehr vor ihrem Zimmer zu ignorieren.«
»Oder sie sind dabei, den anderen Gästen etwas über den Preisanstieg in der lateinamerikanischen Hotellerie zu erzählen. Oder über den Geheimpakt zwischen chilenischen Tankstellenbesitzern und den Ajatollahs.«

Das gipfelte in einer ca. dreiseitigen Beschreibung einer Situation, in der vor Siebeneisens Moteltür irgendwo in der Pampa ein Pelikan steht, der offenbar mit Fisch gefüttert werden will, worüber sich ein ellenlanges Gespräch von Siebeneisen mit dem Besitzer der Lokalität entspinnt, über Fressgewohnheiten von Pelikanen im Allgemeinen und Fisch im Besonderen und überhaupt. Das kann man lustig finden, muss man aber nicht. Humormäßig ist dieses Buch komplett an mir vorbeigegangen, das möchte ich aber als völlig subjektive Wahrnehmung festhalten, immerhin wurde eins der Vorgängerbücher (“Donnerstags im Fetten Hecht”) im Jahr 2013 mit dem ITB-Award in der Sparte “Humor” ausgezeichnet. Vielleicht sind die Bücher auch explizit an ein jüngeres Publikum gerichtet, auch der Humor des Menschen ändert sich in Laufe des Lebens sicherlich.

Stefan Nink ist Reisejournalist und hat mehrfach den Deutschen Reisejournalistenpreis erhalten. Teile seines diesbezüglich sicher sehr umfangreichen Wissens stellt er in diesem Buch unter Beweis und allein aus diesem Grund erhält “Sonntags im maskierten Waschbär” von mir doch noch eine Leseempfehlung. Während der weitreichenden Reisen der Protagonisten des Buches werden immer wieder -mal länger, mal kürzer-sehr fundierte Erläuterungen zu Örtlichkeiten, Landschaften, Flora und Fauna oder kulturhistorische Betrachtungen eingefügt, die zwar einen seltsamen Bruch zum Rest des Buches bilden, aber sehr schön und durchaus lehrreich zu lesen sind.

Fazit: Nicht mein (!) Humor, platte Handlung, aber durchaus lesenswerte und interessante Reisebeschreibungen. Diese Buch wird reine Geschmackssache sein. Empfehlung für Leser, die etwas Leichtes für Zwischendurch suchen.

2 comments

  1. Neyasha -

    Das klingt ja schon allein von der Zusammenfassung her sehr schräg. Ich habs allerdings meistens nicht so mit humorvollen Büchern (auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen).

  2. Devona -

    Humor ist halt, wenn man trotzdem lacht ;-) Kann ich auch nicht immer, wie eben hier auch.

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