Totenhaus – Bernhard Aichner

Totenhaus – Bernhard Aichner

 

totenhausow

 

Hardcover erschienen am 17.08.2015 bei: btb
Autor: Bernhard Aichner

Klappentext: Bei einer Exhumierung auf einem Innsbrucker Friedhof werden in einem Sarg zwei Köpfe und vier Beine gefunden. Schnell wird klar, dass es sich um ein Verbrechen handeln muss, dass hier die Leichenteile eines vor einem Jahr spurlos verschwundenen Schauspielers liegen. Nur eine Person kommt als Täterin in Frage: die Bestatterin, die die Verstorbene damals versorgt und eingebettet hat. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Brünhilde Blum den Schauspieler getötet hat. Doch die ist wie vom Erdboden verschluckt …

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Zunächst eine allgemeine Feststellung. Das Buch hat 413 Seiten, wovon 67 komplett leer sind und auf weiteren 43 Seiten steht lediglich mittig die Nummer des nächsten Kapitels. Das sind summiert 110 inhaltsleere Seiten zwischen den Kapiteln. Mehr als 26%. Ich habs händisch nachgezählt, weil ich es nicht glauben wollte, ist aber wirklich so. Mehr als ein Viertel des ganzen Buches, auf dem nix zu lesen ist. In einem Buch, was kein Malbuch ist. Darf nun jeder für sich selber entscheiden, wie er das findet…

Nachdem mich schon “Totenfrau” nur mäßig begeistert hat, ist für mich mit “Totenhaus” nun die Messe gelesen, den dritten oder eventuell weitere Teile werde ich nicht lesen oder hören.

Achtung, ab jetzt Spoiler!

“Totenhaus” ist dank vieler Rückblenden auch ohne Kenntnis des ersten Teiles lesbar, wenngleich ich denke, dass der Zugang zu Blum -sofern überhaupt möglich- um Einiges schwieriger ist.
Ursprünglich war das Ganze wohl nicht als Trilogie gedacht und wurde sicher wegen des kommerziellen Erfolges von “Totenfrau” fix umgestrickt: ist “Totenfrau” noch ein in sich abgeschlossener Roman, so gibt es in “Totenhaus” definitiv kein abgeschlossenes Ende, der Leser wird Teil 3 lesen müssen. “Open end” in einem Thriller ist für mich ohnehin ein no-go, davon abgesehen sollte man Mehrteiler auch von Anfang an als Mehrteiler verkaufen, damit der Leser weiß, worauf er sich einlassen kann, will oder auch nicht. Alternativ könnte man ALLE Bände in sich abschließen. Das hier ist ein fauler Kompromiss zugunsten der Verkaufszahlen.

Die für diese Art Mehrteiler notwendigen Rückblenden zu Teil 1 sind mir zu umfangreich gewesen, ich hatte das Gefühl, hier Teil 1 noch einmal “implementiert” zu bekommen.

Die Handlung ist noch flacher als in Teil 1, ich tu mich auch wirklich wahnsinnig schwer, das Buch überhaupt dem Genre Thriller zuzuordnen. Das ist aber nicht der Knackpunkt. Das Entscheidende ist, dass ich immer das Gefühl habe, 2 Blums serviert zu bekommen, die ich auf keiner Ebene -weder rational noch gefühlsmäßig- zusammen bekomme. Die eiskalte Killerin aus “Totenfrau” war dort schon jammerig genug, wenn sie grade nicht killte, in “Totenhaus” bekomme ich aber das dauerjaulende, anlehnungsbedürftige, hilflose und permanent männlichen Schutz suchende Klageweibchen überhaupt nicht mehr mit dieser Person überein. Natürlich soll auch die taffe Überfrau Gefühle zeigen dürfen und in schwachen Stunden heulen dürfen, gar keine Frage …aber diese “zwei verschiedenen Arten Blum” driften mir zu weit auseinander. Männliche Trostspender wählt sie unreflektiert rein nach Verfügbarkeit. Jegliche Entscheidung trifft sie völlig irrational, sie hinterfragt nichts.

Man kann Protagonisten lieben, man kann sie hassen. Oder auch ganz viel dazwischen. Leider nicht bei Blum. Die Frau ist schlichtweg nicht vorstellbar. Ich kann mir einfach keine Frau vorstellen, die völlig emotionslos einem wehrlosen, am Boden liegenden Menschen einen tödlichen Kopfschuß verpaßt, einem zweiten Wehrlosen den Kopf abhackt, nachdem sie ihn locker-fluffig mit Benzin übergossen und abgefackelt hat (Teil 1) und die gefühlsmäßig völlig entgleist und der übel wird, weil ein anderer Irrer ein lebendes Kaninchen an eine mit Leinwand bespannte Wand schmeißt und die dabei enstehende Sauerei aus Blut und anderen Körperflüssigkeiten als Kunst betituliert. Ihre Taten sind gerechtfertigt, weil die Opfer Schuld auf sich geladen hatten. Die Taten des Irren sind moralisch verwerflich, weil das Kaninchen unschuldig ist. Das ist mir zu primitiv.

Da alle anderen handelnden Personen farblos bleiben, fällt die Lektüre zunehmend schwerer und schwerer. Zumal der abgehackte, oft prädikatlose Aichner-Stil, wie ich schon beim Hören vermutet habe, furchtbar zu lesen ist. Für Schnell-Lesende ist auch diese seltsame Art der wörtlichen Rede mit jeweils einem Anführungsstrich am Anfang einer neuen Zeile (übrigens: dank der vielen zwei-bis-drei-Wort-Sätze dürften sich auch hier noch einige Leerseiten summieren, gemessen an normalem Text) nicht wirklich geeignet.

Warum zwei Sterne und nicht nur einer? Weil ich die Idee immer noch gut finde. Ein Frau als Protagonistin, die Bestatterin ist, eine in Leder gehüllte Motorradbraut, von mir aus auch die was-weiß-ich-Rächerin, neuzeitlicher, weiblicher Robin Hood. Das hat irgendwie was. Da hätte man doch was draus machen können, was WIRKLICH ANDERES und NEUES. Schade eigentlich. “Totenfrau” und “Totenhaus” waren meine persönlichen Hör- und Leseenttäuschungen des Jahres.

 

 

1 comment

  1. Robert Vondracek -

    Wir haben in unserem Wohnhaus eine kleine Gemeinschaftsbibliothek, wo man selbst gelesene Bücher abstellen kann und neue zum Lesen ausborgt.
    Dieses Buch habe ich sicherheitshalber im Altpapier entsorgt, so einen Schwachsinn kann man niemandem anderen zumuten. Unfassbarer Müll.

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