Warning: Creating default object from empty value in /customers/e/3/f/buchimpressionen.de/httpd.www/wp-content/themes/Alante_Pro/admin/main/inc/class.redux_filesystem.php on line 29 Die Sache mit [einigen, manchen, wenigen?] Selfpublishern - Buchimpressionen

Die Sache mit [einigen, manchen, wenigen?] Selfpublishern

Die Sache mit [einigen, manchen, wenigen???] Selfpublishern…

 

Neue Zeiten, neue Möglichkeiten, neue Wege, neue Horizonte…wir sind nicht nur Berlin oder Deutschland, wir sind auch Schriftsteller. Soweit so gut, das ist eine schöne Sache. Jeder darf schreiben, wir sind ja auch Demokratie. Ich selber schreibe nicht, denn trotz massenhaft vorhandener fertiger Bücher in meinem Kopf (manche trage ich seit Jahren mit mir herum) habe ich mich irgendwann gegen das Schreiben entschieden, weil ich a) das grundlegende Handwerk nicht gelernt habe und völlig antiquiert glaube, dass man das sollte b) nicht glaube, dass ich einen herausragenden Stil entwickeln könnte, den ein Verlag haben wollte und Leser lesen wollten und c) ein schrecklich ungeduldiger Mensch bin, was bei dieser Art Tätigkeit die wohl mieseste Eigenschaft ist, die man sich wünschen kann. d) schreibt gefühlt mittlerweile fast Jeder.

a) und c) könnte man mit genügend (übersteigertem) Selbstbewusstsein und naiver Blauäugigkeit vernachlässigen, d) sowieso und b) könnte man aushebeln, indem man das, was man schreibt, per Selbstverlag und Selbstvermarktung unters Volk bringt. Mache ich auch nicht, zu hoch sind die Ansprüche an mich selber bezüglich des fertigen Endproduktes, zu viele der Stolperfallen wähne ich auf diesem Weg, zu groß meine Skrupel vor einem halbgaren Produkt, welches ich dann dem Leser zumute. Womit ich beim Punkt bin. Wie ich immer wieder feststellen muss, haben manche Autoren damit überhaupt kein Problem, sie muten dem Leser Dinge zu, die schlichtweg respektlos sind. Was kein Problem wäre, wenn sie ihre Schreibprodukte verschenken würden, dann könnte ich zumindest noch den Eindruck gewinnen, dass mir Jemand seine nieder geschriebenen Gedanken anvertrauen möchte, um vielleicht mit mir in einen Dialog zu treten oder auch nur, damit er wahr genommen wird, Jemand möchte sich einfach in dieser Form mitteilen. Sobald Jemand Geld will, darf ich natürlich auch Ansprüche haben und bisher dachte ich, dass meine durchaus im Bereich dessen, was machbar und üblich ist, lagen.

Das, was ich im Folgenden bringe, ist nur EIN BEISPIEL, welches ich willkürlich heraus gegriffen habe (ich kenne diesen Autor genauso wenig wie ich andere Selfpublisher kenne, sein Pech war einfach, mir bei Twitter über den Weg zu stolpern), es ist aber kein Einzelfall. Nein, ich möchte nicht alle Schriftsteller im Selbstverlag über einen Kamm scheren, aber ich möchte bei gehäuft auftretenden Problemen, die mir als LESER auf den Keks gehen, auch sagen dürfen, DASS sie mir auf den Keks gehen. Und den Schuh muss sich ja bitteschön kein Autor anziehen, der nicht betroffen ist, ich bin überzeugt, es gibt eine Menge Selfpublisher, die in eine überzeugende Außenwirkung ihrer Produkte entsprechend viel investieren. Ich sehe das wirklich differenziert.

Und ich bin dankbar dafür, daß der Ein oder Andere zumindest noch eine Leseprobe anbietet, die mir Möglichkeit gibt, auf das Gesamtprodukt zu verzichten, während ich schon drauf und dran war, dem unbekannten Autor eine Chance zu geben, indem ich sein Buch kaufe.

Folgendes (Original-Zitate, fett gedruckt) fand ich in einer jedermann frei zugängigen Leseprobe zu dem Buch “Highlands”, welches bei BoD 9,99 Euro und als Kindle-Download bei Amazon 8,99 Euro kostet.

Im Vorwort, zum Autor selber, diese Passage wurde von Amazon auf der Angebotsseite übernommen:

“Mitte der Neunziger Jahre wuchs sein Interesse an das Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Fortan begab er sich, allein – ausgesetzt in möglichst unberührten Naturlandschaften.”

Und ja natürlich, das KÖNNTEN Ausnahmefehler sein, sind sie aber leider nicht. Und teilweise hat es sogar was von Realsatire:

“Vereinzelte Fluggäste stehen bereits auf und greifen nach dem Oberhalb der Sitze, verstauten Handgebäck. Greife zu meinem  Handgebäck.Eigentlich  ist  mein  Handgebäck auch  zugleich  das  einzige Gepäck,  was  ich  mit  auf meine  Reise  genommen  habe.”

Und so geht das seitenweise weiter und ich bringe hier ein MINIMUM an Beispielen:

“Raunen  bei  allen  Fluggästen  und  die ersten Beifall Bekundungen, setzen ein.”

»So sieht also die Person aus, dessen Stimme ich durch den Lautsprecher entnahm.« Männlich, Mitte Fünfzig, mit schöner braun gebräunter Gesichtsfarbe.

Mit  meinem  Pass  in  der  Hand  haltend,  warte  ich  darauf  an  der  Reihe  zu  sein.

Stecke  meinen  Pass  wieder  zurück
zu  meinen  Reiseunterlagen  und  gehe  seitlich  an  der
Passkontrolle  vorbei.  Einem  langen  Gang  weitergehend direkt auf die Airport-Halle zusteuernd.

Hier ähnelte es alles, wie in einem großen Erlebnispark, nur auf engstem Raum.

Beide machen den Eindruck von erfahrenden Outdoorer mit einem auffälligen Erscheinungsbild [..]

Meine Bekleidung für den Hinflug möchte ich, auch unter Berücksichtigung aller Fluggäste, für den Rückflug in einem sauberen Zustand behalten.

Wurde das unter der Prämisse “Defizite im Stil werden durch mangelnde Orthografie und Grammatik spielend wettgemacht” lektoriert? Hat das überhaupt wer lektoriert und wenn nicht, warum bezahle ich dann für lektorierte Ebooks teilweise nur halb soviel? Motzen andere Selfpublisher auch, wenn sie sowas lesen, ich meine, das ist der ganzen Gemeinschaft doch nicht förderlich. Und ja, als Leser darf ich das respektlos mir gegenüber finden. Über Stil kann man streiten, über Geschmack auch. Aber nicht über eine derartige Gesamtpräsentation der deutschen Sprache in einem literarischen Verkaufsangebot.

Und warum lese ich bei einem großen deutschen Buchportal mehrere 5-Sterne-Rezensionen (sind die gefaked?) und Keiner sagt diesem Autor mal nett, dass so etwas wirklich Niemand lesen will (wozu auch sollte man das lesen wollen?):

“Neben meinem wohl doch sehr aufmerksamen  Sitznachbarn  sitzt  ein  junger  Mann.  Ich  schätze  um  die Zwanzig  herum.  Sehr  modisch  gekleidet,  mit  einem Ohrring  am  linken  Ohr  geschmückt.  Allerdings  nicht am  Ohrläppchen  leicht  anhängend,  sondern  so  richtig schön durch das gesamte Ohrläppchen hindurch. »Ich  habe  nichts  gegen  Ohrringe.«  Als  Jugendlicher habe ich mir auch zwei Ohrringe durch beide Ohrläppchen stechen lassen. Das war die Zeit, als der Piratenlook so modern war. »Da musste man ja mitmachen.« Aber das ist nichts gegen den Ohrring meines Sitznachbarn. Sein Ohrring geht komplett durch sein Ohrläppchen, oder was  man so noch Ohrläppchen nennen kann.”

Ich meine: das ist doch Sechstklässler-Niveau (wobei mein Mann grade einwirft, das wäre jetzt eine Beleidigung von Sechstklässlern :-)). Ich vermute, der Autor möchte hier die hippen flesh tunnel, die den Durchmesser so mancher Ohrläppchen derzeit vervier- oder verfünffachen ansprechen, aber es gelingt ihm nicht mal, das irgendwie zu beschreiben…ich wusste bis gerade eben auch nicht, wie das heißt, aber es gibt doch goooooooooooogle…..

»Ja,  der  war  schon  lecker  der  Kaffee.«  
Muss  man nicht unbedingt erwarten in einem Flugzeug. Schließlich  befinden  wir  uns  ja  nicht  in  einem  Kaffeehaus.
Aber  dieser  Kaffee  hat  mich  auf  dem  Flugabschnitt sehr  positiv  überrascht.  Denn  man  muss  wissen,  dass eins meiner Leidenschaft das Kaffeetrinken ist.

Ja, die war schon aufschlussreich die Leseprobe. Muss man nicht unbedingt erwarten von einer Leseprobe. Schließlich befinden wir uns ja nicht im ganzen Buch. Aber diese Leseprobe hat mich wirklich überrascht. Denn man muss wissen, dass ich gewisse Ansprüche ans Lesen habe.

Und von denen rücke ich auch nicht ab. Punkt.

Keiner ist perfekt, Niemand fehlerfrei, die deutsche Sprache ist schwer, davon nehme ich mich auch selber nicht aus. Aber was dem Leser auf dieser Schiene teilweise für Geld zugemutet wird, ist inakzeptabel. Ich meine, ich gehe doch auch nicht ein Auto kaufen, welches im Verkaufsraum auf den Felgen steht und der nette Verkäufer sagt: “Nee, meine Gute, also anschrauben müssense die Räder schon selber, das ist im Preis nicht drin…” oder lass mich mit ner Hochglanztüte von Melitta oder Tchibo zum Kaffeebohnenpflücken schicken. Ich denke, als Leser kann ich ein LEKTORIERTES Buch erwarten, wenn ich dafür zahlen soll.

Der Weg zum anerkannten und erfolgreichen Autor ist sicher schwer und steinig, ich gönne Jedem den Erfolg, auch den finanziellen, so er es schafft. Keine Frage. Aber bitte nicht auf dem Buckel des zahlenden Lesers, der so einen…ich suche grade händeringend nach einem freundlicheren Wort für “Scheiß”, aber wieso eigentlich?… geboten bekommt. Und auch Lektoren wollen leben, haben eine große Daseinsberechtigung und nicht erst seit dieser Leseprobe meinen vollsten Respekt.

Oder könnte man nicht eine Art “Gütesiegel” für Selfpublisher einführen, welches dem Leser ermöglich, hier die Spreu vom Weizen zu trennen? Nur so ein Gedanke…oder gibt es sowas schon?

Und nur für die Statistik: gibt`s außer mir noch Jemanden, der sich in Grund und Boden schämen würde, wenn er so etwas veröffentlichte und Geld dafür verlangte?

gefunden in der FAZ

Nachtrag 25.09.2015: Wie durch Zauberhand ist die verlinkte Leseprobe von der Seite des Autors verschwunden, aber keine Angst, Buch und ebook sind weiterhin in gewohnter Qualität erhältlich. Ich verweise -obwohl ich das sonst nicht mache- mal auf die EINZIGE und sehr wütende Rezension bei Amazon…

 

 

 

 

 

Danke fürs Teilen!

4 comments

  1. Neyasha -

    Das ist wirklich eine Beleidigung von Sechsklässlern. ;-) Und ich bin mir sicher, dass dieses Buch nie auch nur die Nähe eines Lektorats gesehen hat. Das ist auch etwas, worüber ich mich endlos aufregen könnte. Wie kann man Lesern etwas vorsetzen, das niemand auch nur wenigstens korrekturgelesen hat? Und wie kann es sein, dass das manche Leser nicht stört? Ich nehme bei solchen Werken an, dass das dann Gefälligkeitsrezensionen von Freunden und Verwandten sind.
    Gerade zu dem Preis ist das extrem unverschämt – bei einem ebook, das ebenso teuer ist wie Verlags-ebooks, erwarte ich auch dieselbe Sorgfalt dahinter.

    Es gibt übrigens mit Qindie tatsächlich so eine Art “Gütesiegel”: http://www.epubli.de/blog/qindie-ein-gutesiegel-fur-autoren
    Oder gab? Die eigentliche Webseite ist nämlich inzwischen nicht mehr zugänglich. Allgemein scheint die Idee von allen Seiten (Autoren, Leser, Kritiker) eher mit Skepsis aufgenommen worden zu sein.

    Übrigens lernt man Schreiben in erster Linie durch Schreiben, also durch üben, üben, üben. Das macht wohl den Großteil des Handwerks aus (und das Problem vieler Selfpublisher ist, dass sie gleich ihre ersten Schreibversuche veröffentlichen). Das und kritische Betaleser, die einen auf Fehler in Handlungsaufbau, bei der Figurencharakterisierung etc. aufmerksam machen. Davon (und durch Schreibforen) habe ich auf jeden Fall mehr gelernt als durch Schreibratgeber, die zwar meist durchaus gute Tipps enthalten, oft aber zu sehr in Richtung “Schema F” gehen.

  2. Devona -

    Ich habe irgendwie festgestellt, daß das eine ganz eigene Szene zu sein scheint: da ist es wohl eher so, daß jede Krähe der anderen gerne ein Auge aushackt, statt daß man sich -auch im Interesse der Zielgruppe LESER- irgendwie solidarisiert und was Vernünftiges auf die Beine stellt. Zu einem renommierten Verlag will man nicht ( oder bei Manchen mag es auch dazu nicht reichen ), was ich gut nachvollziehen kann, also kämpft jeder für sich allein und der Leser ist der Doofe. Ich hatte mir in meinem jugendlichen Leichtsinn gedacht, gib doch den Leuten, die sich so durchboxen auch mal eine Chance, zumal manche arg gehypten Verlagsreichmacher, die einen Fließbandseller am anderen auf den Markt schmeißen und fast im Presselob ersaufen, mir wirklich auf den Sender gehen. Ich bin mir sicher, unter den Indie-Autoren schlummern ein paar Perlen, die es zu entdecken lohnt. Nur hab ich echt keine Lust für deren ganzen Markt erstmal einen allumfassenden Qualitätscheck zu machen, bevor ich zum Lesen komme. Ist für die Perlen dann halt einfach schade.

    Was Du zum schreiben schrubst ;-) sehe ich genauso. Für eine halbwegs akzeptable Rechtschreibung fand ich auch das Extremlesen in der Kindheit (bei mir war es wirklich extrem!) förderlich. Ich finde Deutsch schwierig und Fehler prinzipiell vorprogrammiert. Geht einem ja selber auch so, ich missachte z.B. sehr oft die Rechtschreibreform. Nur: wenn mir Jemand mehrere Fehler in einem Satz und noch mehr im nächsten und übernächsten VERKAUFEN will, dann werde ich halt richtig sauer…

  3. Tobi -

    Hallo Devona,

    klasse Beitrag und interessant zu lesen. Meine Qualitätsanforderungen an ein Buch sind sehr hoch. Der limitierende Faktor ist ja die Zeit, die ich zum Lesen habe, und nicht der Zugang zu Literatur. Manchmal lese ich ganz gerne auch mal zwischendurch Trashliteratur. Da gibt es aber ein so großes Angebot bei Verlagen, dass ich mich bisher nicht den Self-Publisher Bücher zugewendet habe. Deinem Beitrag nach ist das auch eine kluge Entscheidung. Ich bin nur froh, dass es mehr Klassiker gibt, als ich in meinem Leben lesen kann. So ist es mir auch ziemlich gleichgültig, dass bei Neuerscheinungen nur sehr wenig für mich dabei ist.

    Liebe Grüße
    Tobi

  4. Devona -

    Danke Tobi, das sehe ich genauso. Der Punkt ist einfach, dass es genug LESBARE (ich sage jetzt nicht mal gut oder schlecht) Literatur gibt und mein Anspruch endet auch nicht grade beim 3-D-Hologram-Cover. Der Inhalt zählt. ;-)

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