Das verlorene Dorf – Stefanie Kasper

Das verlorene Dorf – Stefanie Kasper

 

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Erschienen: 20.04.2015 bei Goldmann
Autor/in: Stefanie Kasper

Klappentext: Oberbayern 1843 – Als sich die junge Waise Rosalie in den Bauern Romar verliebt, scheint sie ihr Glück gefunden zu haben. Doch die Waisenhausvorsteherin warnt Rosalie vor dieser Ehe und macht sonderbare Andeutungen. Rosalie heiratet Romar dennoch und folgt ihm in sein Heimatdorf, das tief im Wald verborgen liegt. Eines Nachts hört Rosalie ein Neugeborenes weinen, das am nächsten Tag als angebliche Totgeburt begraben wird. Dann kommt eine junge Frau, mit der Rosalie sich angefreundet hat, auf mysteriöse Weise zu Tode. Rosalie wird bald bewusst, dass in Romars Dorf nichts ist, wie es scheint – und dass auch sie selbst in tödlicher Gefahr schwebt …

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Stefanie Kasper verknüpft in diesem Roman eine fiktive Handlung mit einem realen Ort. Die örtliche Legende von der im Sachsenrieder Forst spukenden”weißen Frau” verlegt sie in den bis 1845 mitten im Wald existierenden kleinen Ort Haberatshofen und spinnt eine schaurige Geschichte darum.

Es ist primär die Stimmung und nicht die Handlung, die diesen Roman lesenswert macht: beginnt das Ganze mit den Erzählungen aus den Waisenhäusern, in denen Rosalie aufwächst, eher gemächlich, wird es ab dem Zeitpunkt des Kennenlernens von Romar zunehmend schwerer, düsterer, gruseliger. Man hat zunächst den Eindruck, so etwas wie ein altes Märchen-, Geschichten oder Legendenbuch zu lesen, das Sagenhafte verliert sich aber bald und es bahnt sich eine Art “Sleepy-Hollow-Grusel” an, das trifft es für mich ganz gut. Man möchte immer weiter lesen und keine Pause machen, ich selber hab das Buch am Stück gelesen.

Romar erscheint seltsam, das Dorf im düsteren Wald nicht einladend, der Leser misstraut im tiefen Inneren selbst der so freundlichen Sara, die vordergründig als tief verbundene menschliche Gemeinschaft deklarierte Dorfbewohnerschaft hat bei aller Offenheit Rosalie gegenüber etwas Mysteriöses, Unangenehmes, Lauerndes…der Leser trauert diffus um den Selbstmörder Tono, der sich erhängt, kaum daß Rosalie im Dorf angekommen ist, er kennt ihn nicht wirklich und ist trotzdem betroffen…all diese Stimmungen transportiert Stefanie Kasper gut und akzentuiert und genau das fesselt den Leser, man hat irgendwie das Gefühl, ein kleiner Voyeur zu sein…

Nachdem der Leser weiß, daß Rosalie nicht die einzige junge Frau ist, die Waise ist und in dieses Dorf einheiratet, kann er sich den groben Hintergrund einigermaßen schnell zusammenreimen. Das tut aber dem Lesegefühl überhaupt keinen Abbruch, bekanntlich sind die Abgründe ja immer noch ein wenig tiefer, als man selber meint…

Die Charaktere sind keine Stereotypen, wobei Rosalie für meinen Geschmack zu lange zu naiv wirkt…allerdings ist ihre Zögerlichkeit wohl auch damit zu erklären, daß sie als Waise das erste Mal ein Zuhause hat und nicht weiß, wohin sie sonst gehen sollte. Den emotional total zerrissenen Romar liebt sie aufrichtig, für mich ist diese Zerissenheit von ihm zwar spürbar, seine Handlungsunfähigkeit aber kaum verständlich: spätestens die Schwangerschaft von Rosalie verlangt eine eindeutige Entscheidung, aber auch da verharrt er -absolut unmännlich- in seiner Zerrissenheit. Nicht wirklich anfreunden konnte ich mich mit der seltsamen Pfarrersfigur, da sie aber keine tragende Figur der Geschichte ist, war das auch nicht weiter schlimm.

Das “Verlorene Dorf” ist ein schaurig-schöner, düsterer Grusel-Roman für entspannte Urlaubstage am Meer, die Hollywoodschaukelgemütlichkeit im Garten oder die Eiskaffeepause auf dem Balkon. Da wurde kein Rad neu erfunden, nicht der Weisheit letzter Schluss propagiert oder das Leseniveau in ungeahnte Höhen katapultiert: manchmal reicht einfach gute Unterhaltung. Ich hab mich sehr gut unterhalten gefühlt, vergebe 4 Sterne und empfehle es Allen, die sich auch einfach mal nur gruselig unterhalten lassen wollen.

Danke fürs Teilen!

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