Das Flüstern der Stille – Heather Gudenkauf

Das Flüstern der Stille – Heather Gudenkauf

 

dasflüsternderstilleow

 

Taschenbuch erschienen 06/11 im Mira-Taschenbuch-Verlag
Autor: Heather Gudenkauf
Übersetzer: Ivonne Senn

Klappentext:

Als an diesem Tag im August die ersten Sonnenstrahlen die feuchte Morgenluft durchdringen, stellen zwei Familien nach dem Aufwachen fest, dass ihre kleinen Mädchen über Nacht verschwunden sind.
Die siebenjährige Calli ist ein süßes, verträumtes Kind, das seit seinem vierten Lebensjahr kein Wort mehr gesprochen hat. Petra ist ihre beste Freundin, ihre Seelenverwandte und ihre Stimme. Doch niemand hat die beiden seit dem letzten Abend gesehen.
Auf der verzweifelten Suche der Eltern schlägt die anfängliche Unterstützung schnell in gegenseitiges Misstrauen um. Und bald schon müssen alle der Wahrheit ins Auge sehen: Niemand ist so unschuldig, wie er von sich glaubt – und einer von ihnen könnte ein Mörder sein.

[wp-review]

Da ich die Autorin bis dato nicht kannte und aufgrund meiner letzten Hörbucherfahrungen (die ich gar nicht erst rezensiert habe) leicht bis schwer thriller- bis krimimüde war, hatte ich keinerlei Erwartungen an “Das Flüstern der Stille”. Und siehe da: ich wurde richtig positiv überrascht.

Kein gestörter Serienkiller mit einem Massivknacks in der Kindheit, keine Blut- und Gewaltorgien, kein saufender Ermittler mit Vergangenheitsbewältigungsproblem, der eine genauso gestörte, aber verliebenswerte Profilerin (Rollen auch beliebig austauschbar) mit Knackarsch an die Seite gestellt bekommt, keine Klischeeschubladen…

Stattdessen ein Krimi mit Tiefgang, dem Heather Gudenkauf eine ganz eigene Struktur spendiert hat: die Handlung ist aufgebaut aus einzelnen Kapiteln, die aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt werden, teilweise in ich-Form, teilweise in Erzählform aus dem Blickwinkel der jeweiligen Person. Allein hierdurch wird bereits eine gewisse Spannung erzeugt, die im Laufe der Handlung stark ansteigt, denn die meisten dieser Personen könnten auch potentielle Verdächtige/Täter sein.

Ebenfalls spannungssteigernd kommt die fast poetische Sprache der Autorin hinzu: liebevoll und einfühlsam skizziert sie am Beginn des Buches die beiden verschwundenen Mädchen und ihre einzigartige, anrührende Freundschaftsbeziehung zueinander. Man merkt deutlich, dass Heather Gudenkauf Grundschullehrerin war und sich gut in Kinderseelen auskennt. Sehr schön sind auch die Gedanken und Zweifel von Ben (Callis zwölfjähriger Bruder) dargestellt, man leidet mit ihrer Mutter, deren Ängste hautnah spürbar sind.

Aber das, was unspektakulär beginnt (Calli geht frühmorgens mit ihrem Vater in den Wald, Petra sieht die beiden und läuft hinterher), wird schnell zu einer nervenaufreibenden Verrenkung der Hirnwindungen des Lesers, der ständige Perspektivwechsel der Handlung wird zum packenden Katz-und-Maus-Spiel der Autorin mit dem Leser, geschickt manipuliert sie ihn immer wieder, zu zweifeln, nachdem er sich fast sicher war, der Lösung des Falles zumindest einen Schritt näher gekommen zu sein. Die Handlung des Buches umfasst nicht einmal 24 Stunden, man möchte es nicht aus der Hand legen, bis man weiß, was mit den beiden Kindern passiert ist.

Und anders als in vielen derzeit am Markt erhältlichen Genrevertretern leider gang und gäbe, schafft es Heather Gudenkauf, ihren bis dahin sehr guten Krimi nicht mit einem abstrusen Finale zu ruinieren, was mich ganz besonders gefreut hat. Dem Leser wird kein actionfilmreifer und an Realitätsferne nicht zu toppender Showdown serviert, sondern die Erkenntnis vermittelt, dass es doch meist kleine Auslöser sind, die Situationen eskalieren lassen, dass Alltagssorgen und -nöte sich unbemerkt potenzieren können und Fehlverhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen fatale Folgen haben kann. Es sind einfache, reale Dinge, die Familien zerbrechen lassen, Liebe zerstören und sich schlussendlich verselbständigen.

Ich empfehle das Buch allen Krimilesern, die nicht 08/15 und mainstream wollen und sich auf die etwas andere Art der Herangehensweise an das Schreiben eines Buches einlassen können. Vorstellbar wäre für mich, daß der ständige Perspektivwechsel nicht jedermans Sache ist, ich habe es nach ganz kurzer anfänglicher Verwirrung begeistert angenommen. Für mich ist auch Heather Gudenkauf eine Entdeckung dieses Lesejahres für mich und “Das Flüstern der Stille” war ganz sicher nicht mein letztes Buch von dieser Autorin.

 

 

 

 

 

 

 

3 comments

  1. Winterkatze -

    Das klingt sehr gut. Die Autorin halte ich beim nächsten Bibliotheksbesuch im Hinterkopf. Da gibt es zwar nicht den von dir rezensierten Titel, aber einen anderen Roman von ihr, den ich mal antesten könnte. :)

  2. Devona -

    Da freue ich mich schon auf deine Rezension! Ich will auf jeden Fall auch noch was von ihr lesen.

  3. Pingback: #BSBP - BuchSaiten BlogParade - Buchimpressionen

Leave Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld.

*

Zustimmung zur Datenspeicherung gemäß DSGVO.