Im Café der verlorenen Jugend – Patrick Modiano

Im Café der verlorenen Jugend – Patrick Modiano

 

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Taschenbuch: erschienen bei dtv am 01.12.2013
Autor: Patrick Modiano
Übersetzer: Elisabeth Edl

Klappentext: Im Paris der frühen Sechzigerjahre

Schon als junges Mädchen ist Louki aus der Wohnung der Mutter, einer Platzanweiserin im Moulin Rouge, immer wieder weggelaufen. Den Vater hat sie nie gesehen. Ihren Mann, einen wohlsituierten Immobilienmakler, verließ sie ein Jahr nach der Heirat wieder. Sie verkehrt in einem esoterischen Zirkel, schnupft mit einer Freundin ab und zu ein bisschen »Schnee« und verliebt sich schließlich in den angehenden Schriftsteller Roland. Gemeinsam streifen sie tagelang durch die große Stadt. Im Café Le Condé, dem »Café der verlorenen Jugend« in Saint-Germain-des-Prés, glaubt Louki Zuflucht zu finden, während der Detektiv ihres Mannes schon ihre Spur aufgenommen hat.

Mit wunderbarer Leichtigkeit erschafft Patrick Modiano, der große zeitgenössische Literat Frankreichs, eine unvergleichliche Atmosphäre, in der das Paris der frühen Sechzigerjahre wiederaufersteht.

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Und weiter geht es mit der Nobelpreisträger-Challenge von Neyasha. Es fällt mir sehr schwer, zu diesem kleinen unscheinbaren Büchlein, welches es aber wirklich in sich hat, etwas zu sagen. Es ist sicher eins von der Sorte, die man, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, mehrmals lesen wird. Oder zu welchem man überhaupt keinen Bezug findet, was ich mir durchaus vorstellen kann.

Das Buch hat keinen festen Handlungsstrang, viel mehr wird aus der Perspektive von 4 Erzählern, wovon eine davon die Protagonistin Louki selber ist, eine Splitterwelt erzeugt, in der Alles spinnwebartig fein, nicht greifbar und nebulös ist. Das bezieht sich auf den gesamten Inhalt, seien es die handelnden Personen oder die Örtlichkeiten. Es bleiben Splitter, die man weder als schlüssiges Ganzes zusammengesetzt bekommt, um schlussendlich doch eine chronologische Handlung zu haben, noch will man das eigentlich.

Ich vermute, daß Modiano primär eine Stimmung erzeugen wollte, statt eine Geschichte zu erzählen…Verlorenheit, Suche, Vergänglichkeit, Lebensspuren, die verwehen. Modiano benutzt eine schlichte, aber schöne Sprache um das Gefühl zu vermitteln, daß alles und nichts wichtig ist, daß die Sinnhaftigkeit des Lebens in seiner simplen Sinnlosigkeit besteht, ohne daß es schwermütig oder gar traurig wirkt, im Gegenteil verspürt man eine gewisse melancholische, beruhigende Leichtigkeit. Irgendwie so habe ich mich gefühlt, das ist extrem schwer zu beschreiben und sicher auch von Leser zu Leser vom Alter, der eigenen Lebensphase und dem momentanen Blickwinkel auf die Welt abhängig. Ich würde das Buch nicht unbedingt Leuten Anfang 20 empfehlen. Ein paar abgeschlossene Lebensphasen als Erwachsener sind eventuell hilfreich.

Das Buch hätte 4 Sterne bekommen, wenn ich nicht einen fetten Kritikpunkt hätte, der das Gefühlserlebnis beim Lesen extrem trübt . Anders als diverse Pressevertreter fühle ich mich nicht ins Paris der Sechziger versetzt, die Geschichte könnte überall spielen, wenn der Autor nicht  fast alle Straßennamen und Namen von Pariser Plätzen benannt hätte. Gefühlt auf jeder Leseseite 10 Mal tauchen irgendwelche Adressen auf. Leider kann ein Nicht-Paris-Kenner damit nichts anfangen und es entstehen demzufolge auch keine Bilder im Kopf, im Gegenteil ist das total hinderlich. Fand ich sehr schade.

Tja und mehr kann ich zu dem kleinen Roman gar nicht sagen. Für mich war es auf eine sehr ungewöhnliche Art ein Fühl-Buch. Daß ich nicht den Drang habe, etwas zu Personen oder Handlung hinterfragen zu müssen oder überhaupt zu wollen, spricht für den Autor,da ich ansonsten doch eher der rationale Leser bin.

Das dritte Buch in meiner Nobelpreisträger-Liste werde ich also nicht so schnell abhaken wie die ersten beiden und ganz sicher werde ich es in einigen Jahren nochmal lesen.

 

 

 

 

Danke fürs Teilen!

2 comments

  1. Winterkatze -

    Hm, auf der einen Seite macht mich deine Rezension sehr neugierig, auf der anderen Seite habe ich oft Probleme mit französischen Büchern. Die Erzählweise liegt mir sehr oft nicht, egal, welchen französischen Autor ich ausprobiere. Trotzdem halte ich den Titel mal im Hinterkopf. :)

  2. Devona -

    Ich weiß, was Du meinst, das geht mir auch so. Auch bei französischen Filmen (mit ein paar wenigen Ausnahmen). Ich würde das Buch nicht unbedingt total begeistert weiter empfehlen. Das ist nix, was man mal eben so weg liest. Ich habe mir auch Lesefreiraum (Ruhe, Parkbank…) genommen, nachdem ich am Anfang merkte, daß das kein einfacher Stoff wird. Wie beschrieben: in mir hat das Lesen eine STIMMUNG erzeugt, die Geschichte selber war mir dann nicht so dolle wichtig und KÖNNTE auch blinkende Fragezeichen in den Augen hinterlassen, ich kann so manche 1-Sterne-Bewertung bei Amazon gut nachvollziehen. Umso mehr hab ich mich gefreut, daß dann doch was da war für mich. Es ist nur wirklich schwer zu beschreiben.

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