Aller Liebe Anfang – Judith Hermann

Aller Liebe Anfang – Judith Hermann

 

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Hardcover erschienen bei: S.Fischer
Autor/in: Judith Hermann

Klappentext: Judith Hermann hat einen Roman geschrieben über die Zumutungen der Liebe und die Schutzlosigkeit im Leben.
Stella und Jason sind verheiratet, sie haben eine Tochter, Ava, sie leben in einem Haus am Rand der Stadt. Ein schönes, einfaches Haus, ein kleiner Garten, ein alltägliches ruhiges Leben, meist ohne Jason, der viel arbeitet. Aber eines Tages steht ein Mann vor der Tür dieses Hauses, ein Fremder, jemand, den Stella nie zuvor gesehen hat. Er sagt, er wolle sich einfach einmal mit ihr unterhalten, mehr sagt er nicht. Stella lehnt das ab. Der Fremde geht und kommt am nächsten Tag wieder, er kommt auch am Tag darauf wieder, er wird sie nicht mehr in Ruhe lassen. Was hier beginnt, ist ein Albtraum, der langsam, aber unbeirrbar eskaliert. In einer klaren, schonungslosen Sprache und irritierend schönen Bildern erzählt Judith Hermann vom Rätsel des Anfangs und Fortgangs der Liebe, vom Einsturz eines sicher geglaubten Lebens.

[wp-review]

Ich will mich hier nicht lange aufhalten: für mich ist das kein Roman, sondern eine aufgeblähte, nichtssagende Kurzgeschichte, an der mich nichts, aber auch wirklich gar nichts erreicht oder gar berührt hat. Ich stelle wiederholt fest, daß ich wahrscheinlich ein total gestörtes Verhältnis zur künstlerischen Freiheit der sehr zeitnahen zeitgenössischen Schriftsteller habe, woran das liegt, weiß ich nicht.

Für den Roman typische Sätze wie dieser (ja, das ist EIN Satz!)…

Zitat: “Sie kommt mit Esther endlich aus den Gedanken und in den vertrauten Rhythmus der Berührungen, Abläufe, Verpflichtungen, Zählen von Tropfen, Leeren von Schläuchen, Töpfen, Eimern, Esthers Spuckbecher, das Glas für ihre Zähne, die Schüssel für die warme Seifenlauge, seien Sie nicht so träge, Esther, helfen Sie mal bisschen mit, und Esther zieht sich am Haltegriff des Galgens über ihrem Bett hoch und setzt sich auf, lässt die Beine über die Bettkante baumeln mit demselben Ausdruck wie Ava manchmal, trotzig, verhalten, vorgetäuscht abwesend; sie sagt, ich habe kalte Füße, machen Sie das Fenster zu, machen Sie doch endlich das Radio aus, ziehen Sie mir Socken an, ich möchte diese flauschigen Socken, die Ricarda für mich gestrickt hat, Ricarda ist Esthers Tochter, und Stella weiß gar nicht mehr, wann sie sie hier das letzte Mal gesehen hat.” -Zitatende-

…lassen mich ratlos und gelangweilt zurück. Diese Art künstlerische Freiheit ist für mich eher Sprachvergewaltigung. (Man stelle sich DAS als Hörbuch vor…und ja: dieses Hörbuch gibt es.)

Am Inhalt erschließt sich mir der Sinn nicht. Weder die Beziehung zwischen Stella und Jason wird wirklich ausgelotet, spürbar ist lediglich eine diffuse Unzufriedenheit der Mittdreißigerin Stella, noch weiß man, warum, weshalb, wieso der Stalker ein Stalker ist oder wurde, oder wieso Stella auf seiner Liste steht. Noch empfindet man das zunächst überhaupt als Stalking, eher als bizarre Macke…warum geht Stella nicht zur Polizei und überhaupt….WAS SOLL DAS? Die Gespräche mit den Patienten von Stella (sie arbeitet bei einem Pflegedienst) haben mit der Geschichte  nicht mal nichts zu tun.

Achtung, Spoiler »

Als es Jason zu bunt wird, schlägt er den Stalker mal eben so halbtot, die Familie zieht um, das wars dann und alles ist wie vorher…Ende des “Romans”.

Ich habe weder den “langsam und unbeirrbar eskalierenden Albtraum”, noch die  “irritierend schönen Bilder” gefunden, gehe aber mit dem Klappentext dahingehend konform, daß die Sprache von Frau Hermann schonungslos ist. Primär für die Nerven des Lesers.

last but not least: wenn ich mir die Pressestimmen so durchlese, kennt meine Ratlosigkeit dann gar keine Grenzen mehr. Muss wohl doch an mir liegen…

Lesung des Buches mit der Autorin

 

Danke fürs Teilen!

2 comments

  1. Neyasha -

    Ich kenne von Judith Hermann bisher nur Kurzgeschichten und die haben mir ganz gut gefallen. An solche Satzungetüme kann ich mich da allerdings nicht erinnern – dort war ihr Stil eher nüchtern. Ich war aber schon skeptisch, ob Romane von ihr so das wahre sind. Manche Autoren sind definitiv besser für Kurzgeschichten geeignet. Dort stört es dann auch nicht so, wenn vieles unerklärt bleibt.

    Ich könnte mir übrigens sogar vorstellen, dass das Hörbuch weniger anstrengend ist. Wenn man den Monstersatz nämlich laut liest, macht man automatisch Pausen, die ihn in kleinere Sätze zergliedern.

  2. Devona -

    Mit dem Hörbuch könntest Du Recht haben, so weit hab ich gar nicht gedacht. Und bei Kurzgeschichten stören mich offene Enden auch nicht, da bleibt Raum für Fantasie, man kann sie, wenn man mag, weiterspinnen. Von einem Roman erwarte ich einfach, daß ich in die Lage versetzt werde, IRGENDWAS für zumindest einen Protagonisten zu empfinden, das kann ja auch gerne negativ sein. Hier ist eben gar nix. Vllt. gebe ich den Kurzgeschichten irgendwann mal eine Chance, Danke für den Tip!

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