Die Sache mit den Übersetzern…

Die Sache mit den Übersetzern…

…die von Isabel Bogdan ausgehend die Buch-Rezensenten beschäftigt, hat mich kopfschüttelnd zurück gelassen.

Ich bin mir sicher, daß die Nennung des Übersetzers die meisten Leser nicht interessieren wird, daß es letztendlich auch irrelevant ist, denn wie in ungezählten Beiträgen Anderer bereits erwähnt:  ich habe keine Wahl oder Vergleichsmöglichkeit, was den Übersetzer betrifft. Um die Qualität seiner Arbeit beurteilen zu können, müßte ich das Original gelesen haben, da gebe ich Winterkatze Recht. Und nein, auch ich kenne Niemanden, der die Buchauswahl explizit vom Übersetzer abhängig macht.

Die meisten Blogger, die Bücher-Rezensionen verfassen, machen dies auf Hobbybasis, investieren (Frei)Zeit und Engagement, um Anderen Informationen zur Verfügung zu stellen. Es ist unnötig, Ihnen zu sagen, “warum es wichtig ist, den Übersetzer zu nennen.” Es ist ihnen  selber überlassen, was sie worüber in welcher Form schreiben möchten und was sie priorisieren. Sie sind alt genug und qualifiziert genug.

Zitat Isabel Bogdan: “Ach ja, FUN FACT zum Schluss: Der Übersetzer ist der Urheber der deutschen Fassung. Kein Dienstleister, der mal eben inches in Zentimeter umrechnet, das Ergebnis abliefert und dann nichts weiter damit zu tun hat. Und dass wir Urheber sind, bedeutet unter anderem, dass wir bei jedem Zitat genannt werden müssen. Ich sehe schon, das schreibt Ihr Euch jetzt alle schön hinter die Ohren, ne?”

Zum Einen kommt das bei mir in der vorliegenden Form überhaupt nicht “fun-factig” an, zum Anderen ist der Hinweis auf das -ohnehin dringend reformbedürftige und für Laien absolut nicht nachvollziehbare- Urheberrecht unnötig. Da wird ein Urheberrecht auf ein urheberrechtlich geschützes Werk eines Anderen ins Feld geführt…ja, wenn wir weiter nix zu tun haben. Das Urheberrecht wird nicht verständlicher, nur weil wer irgendwas irgendwem gegenüber behauptet und Aktenzeichen zitiert/verlinkt. Und warum so eine dünkelhaft anmutende Abgrenzung zu Dienstleistern? Von der korrekten Umrechnung von inches in cm können Menschenleben abhängen: Stichwort Crashtests.

Ich kann meinen Lesern auch ganz entspannt erzählen, ich hab das Buch im Original gelesen und gebe denen, die am INHALT des Buches und nicht an den Rechtsverhältnissen drumherum interessiert sind, meine Eindrücke von selbigem Inhalt in meiner Muttersprache wieder. Autor, Original-Titel und screenshot des google-Übersetzers von der Titel-Übersetzung. Aus die Maus. Da tangiert mich das Urheberrecht vom Urheberrecht des Urheberrechts eines Urheberechts weder hinter meinen Ohren noch sonstwo….wer weiß schon, was ich in welcher Sprache lese…und zitieren muss ich auch nicht.

Wenn jemand auf einer Privatveranstaltung, die die meisten Blogs nunmal sind, den Übersetzer nicht nennen mag…shit happens…dann ist das eben so, Jeder verlinkt doch zum Verlag. Es gibt zig Branchen, in denen nicht namentlich erwähnte Menschen eklatant wichtige und grundlegende Arbeiten leisten. Irgendwie wird hier ein Luxusproblem für Übersetzer kreiert.

Anderen zu unterstellen, SPRACHE nicht zu lieben, nur weil es für sie nicht kaufabhängig ist—-

Zitat Isabel Bogdan: “Eine Leserin, die sich für die sprachliche Gestaltung eines literarischen Werks interessiert, möchte da doch die wichtigste Angabe dazuhaben, nämlich: von wem sie denn nun stammt, die sprachliche Gestaltung. Weil das für jemanden, der die Sprache liebt, eines der wichtigsten Kauf- oder Nichtkaufargumente ist.”

—- heißt, die eigene Ansicht zur Allgemeingültigkeit zu erheben. Keine Toleranz für Andersdenkende.

Zumal die Aussage gewaltig HINKT: die “WICHTIGSTE Angabe, die sprachliche Gestaltung” basiert darauf, daß es schon ein urheberrechtlich geschützes Werk von einem Autor gibt, ohne dieses Werk gäbe es nix zum Übersetzen und keinerlei überhaupt irgendwie geartete sprachliche Gestaltung. Der Übersetzer ist eben KEIN kreativ völlig frei Gestaltender, sondern an eine Vorgabe gebunden: den Ursprungstext. Er mag in rechtlichem Sinn ein Urheber sein, ich möchte das nicht in Abrede stellen. Er ist aber eben auch ein Dienstleister. So wie auch ein Simultan-Übersetzer sicher Dienstleister und auch Urheber ist. ;-).

Aber da wir lange keine Sexismus-Diskussion hatten: Was ist denn in obigem Zitat mit dem LESER? Sind Männer außen vor beim Interesse an der Gestaltung von literarischen Werken? Ja, so kann man Zeit tot schlagen. Und sich beliebt machen…irgendeiner hat halt immer die Arschkarte.

Obwohl es mich nicht betrifft, da ich ja lieb und brav den Übersetzer nenne, kann ich gut nachvollziehen, daß der ein oder andere Blogger sich da irgendwie angepieselt fühlt…man fühlt sich wie ein Drittklässler, dem Frau Lehrerin mit Blick auf die eigene Befindlichkeit erklärt, wo es langzugehen hat. Irgendwie die falsche Form, ich glaube nicht, daß ein Artikel in dieser Art für die wichtige und hochwertige Arbeit eines Übersetzers sensibilisiert.

 

Danke fürs Teilen!

2 comments

  1. Sonja -

    Dafür, dass den Buchimpressionen das Thema eigentlich nicht wichtig ist, fiel der Beitrag aber recht lang aus.?

    Um es kurz zu machen: Es geht nicht darum, die Arbeit des Übersetzers zu bewerten, zu beurteilen oder zu kritisieren – er soll nur genannt werden. Sonst nix. So, wie man auch die ISBN aufführt. Nur der Vollständigkeit halber.

  2. Devona -

    Ja, siehst Du und genau DAS meine ich: die Leute auf den privaten Blogs sind mündige Bürger, die entscheiden selber,worum es ihnen geht, was sie tun und sagen möchten. Es gehört zu keinem guten Ton, weder hier noch im real life, irgend Jemandem zu sagen, was er tun SOLL und schon gar nicht, was MAN macht. Was MAN macht, ist mir schlichtweg egal. Für MICH ist auf diesem, von mir finanziertem Webspace die ISBN irrelevant (es ist eine Warenwirtschaftsnummer-ich verkaufe hier nichts) und für andere mit einem Mausklick auf der von mir verlinkten Verlagsseite erreichbar. Wem das nicht gefällt, der darf sie sich auch mit ein paar Mausklicks mehr bei google selber raus suchen…no problem. Einen ANSPRUCH, daß ich hier irgendwas nenne, gibts nicht, alle buchrelevanten Daten sind durch Verlinkung zugängig. Der “Vollständigkeit halber” nennen manche Verlage den Übersetzer auch nicht. Die verdienen Geld damit. Ich nicht.

    Das Urheberecht darf Jeder auf dem Rechtsweg einfordern, dazu gibts den, das ist völlig legitim. Diskussionen darüber unter Halblaien und Semiprofessionellen sind überflüssig, weil sie zu nix führen. Vielleicht erreichen die Übersetzer ja GEMEINSAM auf dem Rechtsweg mehr, als wenn sie Bloggern erzählen, was MAN zu machen hat…

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