Das Lächeln des Bösen – Petra Busch

Das Lächeln des Bösen – Petra Busch

 

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Hörbuch erschienen am 16.04.2015 bei: Audible GmbH

Laufzeit: 12 Stunden und 18 Minuten
Autor/in: Petra Busch
Sprecher: Tanja Geke

Klappentext:

Nina Bach, 28, chaotischer Freigeist und von ihrer Familie verstoßen, ist schockiert: Ihre ältere Schwester Frauke, eine erfolgreiche Chirurgin, hat sich das Leben genommen – und sich vor dem Suizid offenbar selbst die Haut des Unterarms abgezogen. Nina hat Frauke gehasst. Doch Selbstmord hält sie für ausgeschlossen und beginnt nachzuforschen. Der zuständige Rechtsmediziner Emil Koswig will ihr nicht helfen. Bis Nina entdeckt, dass auch Koswigs Ehefrau sich selbst getötet und davor ein Auge herausgerissen hat. Gemeinsam suchen sie nach dem Hintergrund für die entsetzlichen Taten, und Nina verliebt sich dabei in den charmanten Arzt. Als die dritte Selbstmörderin auf seinem Obduktionstisch liegt, begreift Nina, dass sie Nummer vier sein soll. Doch nicht einmal Koswig glaubt ihr…

 

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Sprecher: Tanja Geke. Wie gehabt eine meiner Lieblings-Vor-Leserinnen. Keine Eintönigkeit, keine Langeweile beim Hören. Perfekt. :-)

Inhalt: Sehr, sehr spannender Prolog, der fesselt und ins Geschehen zieht. Es entwickelt sich direkt eine gigantische Anspruchshaltung…ich war total hibbelig aufs Weiterhören.

Ich rechne Petra Busch wirklich hoch an, daß sie versucht, individuelle Charaktere zu schaffen, leider geht der Schuss komplett nach hinten los. Die Handlung kommt mit extrem wenigen Personen aus, was natürlich und logischerweise auch die Täterschaft eingrenzt. Die ganze Story ist darauf angelegt, den “Verdacht” des Lesers permanent hin- und her switchen zu lassen. Der nicht ganz so unbedarfe Leser erkennt das natürlich relativ schnell und kommt sich mit fortschreitender Hör- oder Lesedauer leicht (bis schwer) veralbert und irgendwann auch gelangweilt vor. Die Polizeiarbeit ist auch in “Das Lächeln des Bösen” nur eine Randnotiz.

Sämtliche handelnden Charaktere sind…individuell… aber auch komplett gestört. Wirklich ALLE. Für mich kommt eine Story gut mit wenigen Irren/Bekloppten/Gestörten aus, aber ALLE?

Nina ist eine eine sehr ungewöhnliche Frau, die einen ungewöhnlichen Lebensstil pflegt. Sie ist eine freiwillig obdachlose Prostituierte, die anderen Menschen aus Menschenliebe soziale Dienstleistungen verkauft…für mich schon mal ein Widerspruch in sich, aber gut. Entweder bin ich sozial oder profitorientiert…egal. Auf jeden Fall fällt Nina schon etwas  aus dem Raster und ist von daher auch als Protagonistin zunächst interessant.

Im Laufe der Geschichte und speziell der Liebesgeschichte zu Emil Koswig ist das leider nicht mehr der Fall…der Charakter wird komplett unglaubwürdig bzw. für mich nicht mehr nachvollziehbar. Daß ein derartiger unabhängiger Freigeist (spricht für ein sehr gesundes Selbstbewusstsein) eine emotionale Abhängigkeit an Jemanden entwickelt, ist schwer vorstellbar (für mich persönlich eher gar nicht) – WAS genau diese Liebesgeschichte überhaupt soll, weiß ich auch nicht, aber diese mentale on-off-Nummer (“ich glaube ihm- ich hasse ihn”) nervt irgendwann nur noch. Sie fällt innerhalb von Minuten von einer mentalen Befindlichkeit in die am weitesten konträr dazu liegende…das ist für den Hörer wirklich nicht nachzuvollziehen.

Bei allen anderen Charakteren ist es ähnlich. Emil ist ein Stinkstiefel, der allgemein arrogant und -nett formuliert-eher frauenunfreundlich rüberkommt. Eine gewisse (fein definierte) männliche Arroganz kann ja durchaus anziehend auf Frauen wirken (ja, auch auf emanzipierte), aber Emil ist eher der Typ Komplett-Arschloch. Dämlich-übergriffig mit Besitzansprüchen an die “geliebte” Person. Einer, dem ein Typ wie Nina eigentlich den ausgstreckten Mittelfinger zeigen müsste…was sie aber eben nicht macht. Sie schwankt permanent zwischen Liebe und Flucht, je nachdem in welche Richtung sich die Ereignisse grade überschlagen.

Der implementierte “Glöckner von Notre Dame” ist auch weder glaubwürdig noch notwendig. Und total überzeichnet. Ebenso Fraukes Freund, der Nina auf eine sehr eigenwillige Art bei ihren Recherchen zu Fraukes Tod unterstützt.

Wirklich wichtige Dinge bleiben ungeklärt und verärgern den Leser bzw. Hörer zusätzlich. Der Wechsel der toten Frauke von dem boshaften und von den Eltern priveligiertem Aas, welches Nina kennt und welches Grund für Ninas Rückzug aus ihrer Familie war, zur barmherzigen Samariterin, bleibt völlig ungeklärt ( das hat mich persönlich am Meisten genervt).

Der Füllstoff/Nebenhandlung ist in Romanen legitim, in diesem Fall für mich aber besonders ärgerlich, weil ein Thema strapaziert wird, welches so in keinen Thriller gehört. Der Nebenstrang zu einem totkranken Kunden (Krebs) von Nina, den sie gegen Bezahlung mit sexuellen Handlungen bedient, hat mit dem Hauptstrang nichts zu tun und ist für die Story an sich nicht notwendig. Hier drängt sich mir der Gedanke auf, daß die Autorin ihre ureigene Ansicht zum Thema “aktive Sterbehilfe” an den Mann bringen wollte. Nina begleitet-abseits der eigentlichen Handlung- den totkranken Mann (sein Gesicht ist immer mit einem Tuch bedeckt, weil schon komplett zerstört) in die Schweiz zu einer allseits bekannten (realen) Institution für aktive Sterbehilfe, das gesamte Prozedere wird detail- und realitätsgenau und umfangreich beschrieben, samt gesetzlicher Vorschriften und dem genauen Vorgehen bei der Selbsttötung etc. Was bitte hat so ein ernstes Thema in einem Thriller zu suchen? Ich fand das total daneben.

Es gibt ein spannendes und thrillergerechtes -wenn auch zwangsläufiges- Finale. Der Ekelfaktor ist insgesamt teilweise recht hoch. Plotfixierte Leser ohne Fragen an den Hintergrund werden hier bestens bedient. Und natürlich wird die These, daß alles Elend jeglicher gestörter Existenzen in deren Kindheit zu suchen ist, auch in “Das Lächeln des Bösen” nicht ad absurdum geführt. Das ist nun mal so und versierte Thriller-Leser wissen das ohnehin ;-)

 

Tanja Geke bekommt 4,5 Sterne. Das Buch 3 Sterne, mit extrem viel gutem Willen. Grade so, daß man es empfehlen könnte. Eigentlich wären es 2,5, aber an Samstagabenden bin ich immer sooo weich. :-)

 

Danke fürs Teilen!

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