Das Opfer – John Katzenbach

Das Opfer – John Katzenbach

 

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Hörbuch erschienen am 18.04.2007 bei: Audible GmbH

Laufzeit: 7 Stunden und 14 Minuten:
Autor/in: John Katzenbach
Sprecher: Simon Jäger

Klappentext:

“Die attraktive Studentin Ashley Freeman begeht einen folgenschweren Fehler. Angeheitert verbringt sie eine Nacht mit Michael O’Connell, einem Computerfreak und geschickten Hacker. Was sie nicht ahnt: Michael ist ein Psychopath, und er hat beschlossen, dass Ashley die Frau seines Lebens ist. Nichts und niemand wird ihn davon abbringen, schon gar nicht Ashley. Michael lässt sich nicht abschütteln, Ashleys Zurückweisungen stacheln ihn nur noch mehr an. Unerbittlich stellt er ihr nach, zwingt sie unter seinen Psychoterror. Und er kennt keine Gnade: Einen Kommilitonen, der ein Date mit Ashley hat, prügelt er in den Rollstuhl, Ashleys beste Freundin wird bei einem mysteriösen Autounfall verletzt. Und auch die 5000 Dollar, mit denen Ashleys Eltern ihn sich vom Hals schaffen wollen, bewirken nichts. In ihrer Verzweiflung setzt Ashleys Familie den Ex-Cop Murphy auf den Stalker an. Wenig später ist der Privatdetektiv tot. Immer schneller dreht sich eine Spirale des Schreckens, die schließlich Ashleys gesamte Familie in die Tiefe reißt… ”

 

 

[wp-review]

Sprecher: Simon Jäger ist ein allseits beliebter und bekannter Hörbuch-Sprecher, an dem auch ich nix auszusetzen habe. Paßt.

Allgemeine Anmerkung: Ich rezensiere an dieser Stelle die GEKÜRZTE Hörbuchfassung! Ich habe erst nach dem Hören festgestellt, daß es eine mehr als doppelt so lange Fassung gibt (18 Stunden, 4 Minuten!!!!). Von daher werden manche  Details  des Buches bzw. der langen Hörbuchfassung sicher auf  der Strecke bleiben. Die im Klappentext erwähnte beste Freundin von Ashley und deren Autounfall tauchen z.B. in der gekürzten Fassung überhaupt nicht auf. Aber ich muss auch ganz ehrlich sagen, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß weitere Vorlesezeit zu der von mir gehörten Fassung irgendetwas anders bzw. besser machen würden: in den von mir gehörten 7 Stunden wurde die Geschichte komplett und ausreichend abgehandelt. Ich persönlich bräuchte dazu keine weiteren 11 Stunden.

[Das KÖNNTE für eine gewisse, generelle Langatmigkeit des Schriftstellers sprechen, von dem es fast alle Hörbücher in Kurz- und Langfassung gibt. Da ich den Autor aber bisher nicht kenne bzw. noch nichts von ihm gelesen oder gehört habe, möchte ich das nicht mit Sicherheit behaupten, behalte es aber mal im Hinterkopf, da ich momentan “Die Anstalt” von ihm höre.]

Ein großer, dicker, fetter Motz- und Meckerpunkt geht an audible für das Arrangement des Hörbuches. Ob das mit dem Kürzen des Hörbuches zusammenhängt, kann ich nicht beurteilen, aber der komplett übergangsfreie Wechsel zwischen Kapiteln und vor Allem zwischen Geschichte und Rahmenhandlung geht ÜBERHAUPT nicht. Besonders am Anfang, als der Wechsel zur Rahmengeschichte noch öfter stattfindet, ist man permanent verwirrt und hat Probleme, sich überhaupt zurecht zu finden, ein entspanntes Hörvergnügen ist das wirklich nicht. Es wird Alles komplett ohne Pause gelesen. Für mich ein no-go. Ich lasse das in die Bewertung des Buches nicht einfließen, möchte es aber trotzdem nicht unter den Tisch fallen lassen.

Inhalt: “Das Opfer” ist eine Stalking-Geschichte, die Handlung wird im Klappentext recht gut beschrieben. Die Story ist in eine Rahmenhandlung eingepaßt, deren Sinn sich mir nicht erschlossen hat, die aber auch nicht stört. Ein Journalist trifft eine (zunächst unbekannte) Person, die ihm die Geschichte erzählt, wozu er dann Recherchen anstellt.

Das Auffälligste für mich war, daß beide Hauptprotagonisten blaß und farblos bleiben. Michael benimmt sich wie ein Stalker, Ashley wie ein Opfer (und teilweise dämlich). So weit so gut. Das, was Michael im Rahmen seiner Stalking-Aktivitäten nicht nur an Ashley, sondern auch deren Familie betreibt, geht weit über die Möglichkeiten von Jemandem hinaus, der “ein paar Computerkurse” besucht hat und ist teilweise absolut unglaubwürdig. Sowohl das soziale Umfeld von ihm ( man meint, er habe gar keines), als auch das von Ashley – abgesehen von ihrer Familie – wird nicht beleuchtet, dadurch wirken beide zunächst irgendwie außerhalb von Zeit und Raum, für mich quasi wie in der Luft hängend.

Das ändert sich, als Ashley als selbständiger Mensch und Entscheidungsträger aus der Geschichte “ausgebootet” wird, ihre Familie findet einen eigenen Weg, um mit dem Stalking-Problem umzugehen und Ashley hat sich diesem Plan unterzuordnen, obwohl es um SIE geht. Sie fügt sich unter mehr oder weniger halbherzigem Protest und ist von da ab eigentlich komplett uninteressant für den weiteren Verlauf.

Man bringt Ashley zunächst aus der Schusslinie des Stalkers, der es aber trotzdem schafft, sie wieder ausfindig zu machen und zu bedrohen. Danach werden durch die Familie (Vater, Mutter und deren Lebensgefährtin, sowie deren Mutter) die ganz harten Geschütze aufgefahren…allerdings ohne vorher zumindest den Versuch zu starten, den für Stalking-Opfer durchaus legitimen Rechtsweg zu beschreiten, zumal Sally Anwältin ist.

Die Polizei ist nie eine Option.

Achtung Spoiler! »

Nicht einmal dann, als Michael, um heraus zu finden, wo Ashley sich befindet, in Sallys und Hopes Haus einbricht, von Hopes Hund (den er tötet) angegriffen wird und in Folge auf dem Festnetztelefon der beiden Frauen blutige Fingerabdrücke hinterläßt. Wer bitte ruft mit diesen gerichtssicheren Beweisen NICHT die Polizei? Einbruch, getöteter Hund, Fingerabdrücke?

Das Finale wurde mir persönlich durch ein paar Logikfehler vergnatzt, da bin ich aber auch besonders anfällig, das sieht der Durchschnittsleser oder -hörer sicher nicht so verbissen wie ich.

Achtung Spoiler! »

Welchen Sinn  macht es, ein gemietetes (Flucht-)Auto, welches für die Tat verwendet wird, mit gestohlenen Nummernschildern zu versehen, damit man Spuren verwischen kann und dann die Originalnummernschilder nach der Tat AM TATORT VOR EINEM HAUS, IN DEM EINE PARTY STATTFINDET, wieder ans Auto zu schrauben? Ist das blöd oder verstehe ich es nur nicht?

Die einzige Person in “Das Opfer”, für die man ansatzweise etwas empfindet, in die man sich hinein denken kann, die man mögen kann, die die Geschichte doch noch lesens- und hörenswert macht ist… nicht Ashley ;-) Aber diese Person ist vorhanden.

Falls Katzenbach das Ziel hatte, mit “Das Opfer” zu einem durchaus brisantem Thema (Stalking) Gedanken zu Justiz, Selbstjustiz und Moral anzuregen, ist das an mir komplett vorbei gegangen. Gepaßt hätte es. Die Justiz findet quasi nicht statt und Selbstjustiz wäre ein (sogar provokantes) Diskussionsthema beim Versagen Selbiger gewesen. Aus dem Thema hätte man viel, viel mehr rausholen können, gerade weil Stalking im Zeitalter immer dichterer mobiler und digitaler Vernetzung als Straftat an Bedeutung gewinnt.

Bewertung: 4,5 Sterne für Simon Jäger als Sprecher. 3,0 für “Das Opfer” an sich. Durchschnittlicher Durchschnitt mit Empfehlung für gemäßigte Krimileser, die den ein oder anderen Logikfehler abhaken können und nicht permanent unter Hochspannung stehen müssen. Thriller als Kategorie finde ich unpassend, man weiß ab dem Punkt der Planung, was wie wann wo passieren wird.

Ich wäre an Kommentaren zur LANG-Fassung des Hörbuches interessiert, ich kann mir nicht vorstellen, was da in weiteren 11 Lesestunden passieren soll. DAS würde mich wirklich interessieren. :-)

2 comments

  1. Cookie -

    Wenn ein Autor (auf intelligente Weise) ein bisschen mogelt, um seine Geschichte voranzutreiben, ist das für mich okay. Diese Art Oberflächlichkeit und Logikbrüche mag ich allerdings gar nicht. Auch Charaktere dürfen mal Blödsinn machen. Ein Thema wie Stalking ist m.E. jedoch zu komplex, um darüber “hinwegzuschlenzen”. Wenn das nicht wenigsten zu 90% in sich stimmig ist, verdirbt es einem dem Spaß.

    Da ich meist nur ungekürze Hörbuch-Versionen lese, würde ich mich theoretsich bereit erklären, das Buch in der langen Version zu kaufen. Praktisch werde ich nach Deiner Rezension aber die Finger davon lassen und das Geld sparen . ;-) Vielleicht ergibt sich irgendwann mal eine andere Möglichkeit, zwei Versionen zu vergleichen.

    Ich wünsche Dir noch ein schönes Pdingstwochenende
    Liebe Grüße, Cookie

  2. Devona -

    Liebe Cookie,

    nachdem ich mich grade durch Katzenbachs “Anstalt” ver(w)irre, komme ich langsam zu dem Schluss, daß es nicht sinnvoll ist, gekürzte Versionen zu hören. Was mich ärgert, da wir einen Haufen gekürzte Versionen bei audible herumliegen haben, in Zukunft achte ich darauf, die nicht zu nehmen.

    Was sich mir aber auch aufdrängt: Katzenbach ist (ganz furchtbar) langatmig. Ich weiß nicht, ob Katzenbach und ich Freunde werden. Nach der Anstalt bekommt er noch eine Lese-Chance von mir, wenn das auch nix wird, schmeiße ich das Handtuch. Mir geht es da wie Dir: eklatante Logik-Fehler gehen mir extrem auf den Senkel. Verzeihe ich Plot-Schreibern wie Fitzek, bei denen man eh den Überblick verliert, da weiß man das vorher.

    Dir auch frohe Pfingsten!!

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