“Die Lügen der Anderen” – Mark Billingham

“Die Lügen der Anderen” – Mark Billingham

 

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Hörbuch erschienen am 22.08.2014 bei:  GoyaLIT

Lauflänge: 05:10:46
Autor/in: Mark Billingham
Sprecher: Stefan Kaminski

Klappentext:

“In einem Hotel in Florida treffen drei Pärchen aus England aufeinander. Sie freunden sich an und verbringen die Ferien gemeinsam unter Palmen mit Drinks am Pool. Es scheint ein perfekter Urlaub zu werden. Bis in ihrer letzten Nacht vor der Abreise ein Mädchen aus dem Hotel verschwindet, das später tot in den Sümpfen gefunden wird. Zurück in England laden die Paare sich reihum nach Hause zum Abendessen ein, um das Erlebte zu verarbeiten und um sich besser kennenzulernen. Doch von Minute zu Minute wächst zwischen ihnen ein quälender Verdacht.”

[wp-review]

Sprecher:

Stefan Kaminski ist ein guter Sprecher, den ich auch weiter empfehlen würde. Angenehme Stimme, keinerlei Nervigkeiten, für mich rundum okay.

erster Gesamteindruck nach dem Lesen/Hören: das Buch ließ mich zunächst etwas ratlos, dann doch zunehmend verärgert zurück. Das vorherrschende “Was war DAS denn?” wich schnell dem  Gefühl, hier Zeit völlig sinnlos verplempert zu haben und dabei ist es schlussendlich geblieben.

Handlung:

Die Handlung wird im Klappentext gut beschrieben,ergänzend sei
vielleicht noch gesagt, daß nach der Rückkehr der 3 Pärchen aus dem Urlaub in ihr Heimatland auch dort noch eine Mädchenleiche gefunden wird. Aufgrund der Parallelen zum ersten verschwundenen Mädchen in Amerika arbeiten amerikanische und englische Behörden gemeinsam an dem Fall. Die junge Jenny, die bei der englischen Kripo noch keinen Berufsabschluss hat (die genaue Bezeichnung für ihren beruflichen Status ist mir grade nicht gegenwärtig, sie ist wohl so eine Art Praktikantin) wird in den Fall eingebunden und verfolgt die ihr zugewiesenen Routine-Aufgaben mit sehr viel Akribie und über den erforderlichen Umfang hinaus, da sie sich beruflich gerne profilieren möchte. Sie trägt so massgeblich zur Aufklärung des Falles bei.

Sämtliche handelnden Personen bleiben über die gesamte Dauer des Buches schlichtweg farblos, langweilig, uninteressant. Ich hatte in den ersten Kapiteln wirklich Mühe (und das passiert mir selten!), mir zu merken, wie die Pärchenkonstellation ist bzw. während der Gespräche zu checken, wer überhaupt wer ist und wer was wann zu wem gesagt hat…die Personen sind ebenso beliebig austauschbar wie die Gesprächsthemen. Ich habe mir, um den Faden nicht zu verlieren, echt Eselsbrücken mit den Namen gebaut.(Paar 1 = Ed und Sue = sind die kürzesten Namen, Paar 2 = Angie und Barry = beide Namen enden auf einen i-Laut, Paar 3 = nicht Ed, Sue, Barry, Angie)

Die oftmals bei Amazon zu findende Kritik, die Personen seien “unsympathisch”, teile ich nicht. Dazu müsste ich zumindest etwas Negatives für sie empfinden können. Nicht mal das ist mir möglich. Sie sind so völlig banal und stereotyp “normal uninteressant” daß ich keine Lust verspürte, mich mit ihnen auseinander zu setzen. Sie sind der Spießer von nebenan – um mal die passende Schublade zu bemühen – den man jeden Tag vor der Haustür trifft…auch da hat sicher Jeder seine eigenen Abgründe und daß jeder Mensch im Alltag lügt (und sei es nur aus Höflichkeit), ist ja nun mittlerweile hinlänglich bekannt…aber warum muss man darüber Bücher schreiben? Um mitzuteilen, daß das Leben an sich aus Banalitäten besteht, daß menschliche Beziehungen nicht immer das sind, was sie scheinen? Ja, deshalb will ich doch was Spannendes lesen…ich weiß nicht, was der Autor mir mit diesem Buch sagen möchte. Auch die ehrgeizige Jenny und der ermittelnde Inspektor haben so rein gar nichts, was einen für sie einnehmen ließe. Das erste Opfer Amber-Marie wird zwar vorgestellt, indem es einmal kurz vor dem Verschwinden durch die Handlung hüpfen darf, aber auch hier fehlt einfach der Punkt, an dem man sich mit der Figur verbinden kann, ein Gefühl entwickeln kann…auch sie bleibt farblos. Das zweite Opfer ist Staffage für die Geschichte…

Und nein, auch die Lösung des Falles ist nicht spektakulär, hat nicht mal einen WOW-Effekt, ehrlich gesagt, ist mir das Motiv des Täters komplett schleierhaft. Oder eher: unverständlich. Nein, keine Angst, das warum, wieso, weshalb bleibt nicht offen…kein Buch, bei dem man sich um die Auflösung “betrogen” fühlen könnte. Sie ist nur ebenso banal wie der ganze Rest. Ja, es gibt noch eine unerwartete Wendung (wobei: der nicht einmal überdurchschnittlich geistig begabte Leser wird sie allerdings genauso erwarten ;-)), die man aber allenfalls noch mit einem loriotesken “….ach was!” quittiert. Und eigentlich ist man an dieser Stelle schon so gelangweilt, daß es gar nicht mehr interessiert. Dass dieses Buch “in England bereits über hunderttausend Leserinnen und Leser um den Schlaf gebracht” haben soll, halte ich für Promo-Kram. Man hat eher extrem große Mühe, nicht einzuschlafen.

Fazit:

Irren ist menschlich. Dieses Buch wäre sicher nicht auf meiner
Hörbuchliste gelandet, wenn ich es nicht durch den Begleittext von
lovelybook in die Abteilung “Thriller/Krimi” verortet hätte, es steht
nämlich “Roman” drauf. Es ist auch definitiv kein Thriller oder Krimi.
Insofern ist meine Kritik eventuell etwas zu harsch. Ändert aber nix
daran, daß das Buch auch ohne Genre-Einteilung einfach nur langweilig ist. Angesprochen hat mich das durchaus interessante Grundgerüst des Buches…diese 3-Pärchen-Konstellation hätte wirklich Potential für sehr viel mehr. Das ist komplett verschenkt worden. Ich würde das Buch nicht weiter empfehlen.

Nachtrag: Ich habe jetzt erst die geballten Pressestimmen auf der Verlagsseite gelesen und es gibt genau drei Möglichkeiten:

– Der Autor ist Millionär und hat die alle geschmiert (unwahrscheinlich)

– Keiner der Pressefuzzis hat das Buch gelesen oder gehört ( sehr wahrscheinlich *hüstel*)

– Ich habe was anderes gelesen als die ( ich zweifle schon des Öfteren an mir, aber nicht bei diesem Thema)

7 comments

  1. Ariana -

    Da ist ja schon deine erste Rezension für die Hörbuch-Challenge! Und gleich so ein herrlicher Verriss. :-)
    Ich fand, die Handlung klang ganz spannend, aber nach dem Lesen deiner Rezension bin ich froh, dass ich bei dem (Hör-)Buch bislang nicht zugeschlagen habe. Danke für die Warnung!

  2. Devona -

    Prinzipiell hab ich mich mit dem Rezensieren immer schwer getan, weil letztlich alles sehr subjektiv und eben auch Geschmackssache ist. Und ich ordne mich schon eher als Mäkeltussi ein (wobei Kritik ja kein mäkeln ist, ich versuche immer, es irgendwie zu relativieren)…letztendlich bin ich selber aber auch froh, wenn ich abseits von Amazon ein paar ehrliche Eindrücke finde.

    Bei diesem Buch habe ich mich wirklich total gewundert, als ich DANACH die Pressestimmen las. So weit weg war ich ja nun noch nie, aber sei`s drum: ich bleib dabei, es ist einfach nur langweilig mit doofer Auflösung.

  3. Cookie -

    Hallo Devona!
    Zuerst mal ein Kompliment: Das Layout Deines Blogs ist fantastisch; gefällt mir sehr gut. :-)
    Nun zu Deiner Rezension: Ich ärgere mich auch jedes Mal, wenn ein Klappentext etwas verspricht, was das Buch nicht hält. Da hätte ich eine Art beklemmendes Kammerspiel mit psychologischen Spielchen erwartet und keine Banalitäten. Ich komme auch mehr und mehr zu der Überzeugung, dass Bücherblogs inzwischen die einzigen Quellen sind, bei denen man objektive Beurteilungen erwarten kann. Natürlich gehen diese unter Umständen auch von “klasse” bis “na ja”, aber meistens liegen die Wertungen der Blogger schon recht nah beieinander.
    Ob die Leute in den Feuilletons tatsächlich die Bücher von vorne bis hinten lesen, wage ich inzwischen auch zu beweifeln. Mir kommt es eher vor, als ob einer “Bestseller” schrei(b)t und die anderen das ungefilter und kritiklos übernehmen.
    JustMy2Cent ;-)

  4. Devona -

    Hallo Cookie,

    herzlich willkommen, nun hat es ja doch noch geklappt. Ich freue mich, daß das Layout Dir gefällt, ich arbeite noch daran. Farblich habe ich es meinem Forum angepaßt, ich hab mich in den Jahren an das Lila gewöhnt und mag es nicht mehr missen ( obwohl es eigentlich gar nicht “meine” Farbe ist.)

    Deine 2 Cent sind genau das, was ich empfinde, wenn ich Rezensionen auf den einschlägigen Seiten lese und mir Pressestimmen genehmige. Ich denke so wie Du, daß private Blogs, auf denen die rein private Meinung eines Lesers veröffentlicht wird, in Zukunft die einzige Alternative für mich sein werden. Natürlich muss ich die Meinung des jeweiligen Rezensenten nicht komplett teilen, aber wenn ich auf 3 oder 4 Seiten Meinungen finde, die sich annähern oder ähnlich gelagert sind, dann weiß ich doch in etwa, woran ich bin. Und auf seinem privaten Blog hat Keiner was zu verlieren und muss es Niemandem Recht machen, von daher dürfte die Meinung nicht irgendwie “beeinflusst” sein.

    Ich freu mich, daß ich doch nicht so ganz alleine mit meiner Betrachtungsweise bin, als ich zunächst dachte.

  5. Kitty -

    Hey :)
    Ich dachte schon, ich bin anders, weil ich mit dem Buch ebenfalls absolut so gar nichts anfangen konnte. Eher im Gegenteil: Es war so unfassbar langweilig. :/
    Deine Rezension kann ich nur unterschreiben. Sie ist wahnsinnig gut geschrieben. :)
    Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich sie unter meiner verlinke, sobald ich sie geschrieben habe?
    GlG
    Kitty ♥

  6. Devona -

    Hallo Kitty,

    Danke für das Lob und na klar kannst Du verlinken! Und ja: das war unfassbar langweilig. Würde ich nicht rezensieren, wüßte ich bei solchen Büchern nach einem Dreivierteljahr überhaupt nicht mehr, worum es da gegangen ist, so kann ich mich zumindest dunkel erinnern. :-) Mittlerweile breche ich auch solche extremen Langweiler ab, das ist vertane Zeit.

    LG, Devona

  7. Kitty -

    Vielen Dank, dass ich dich verlinken darf. :)
    Ja, so geht es mir auch. Wobei ich manchmal auch vergesse, was ich rezensiert habe. *schäm*
    Ich bin im Grunde genommen auch so, dass ich solche Bücher abbreche, allerdings war das ein RezEx und da versuche ich es wirklich bis zum Ende durchzuhalten. Zum Glück habe ich es jetzt hinter mir. ;)
    GlG
    Kitty ♥

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