Reha-Tagebuch Vivantes

Reha-Tagebuch

Ambulante Reha im Klinikum Vivantes Berlin, Rubensstraße 125, vom 24.07.2017 – 11.08.2017

Ich gebe hier einzig und alleine MEINE Meinung und Interpretation zu von MIR persönlich gemachten Erfahrungen in DIESER speziellen Einrichtung wieder und schließe jede Allgemeingültigkeit aus. Das Verbreiten meiner Meinung ist in diesem Land NOCH von Artikel 5 Grundgesetz gedeckt:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. 


Montag, 24.07.2017
Dienstag
Mittwoch
Donnerstag
Freitag

Im Schreiben des Klinikums wurde ich für den 24.072017, 10.00 Uhr zur Aufnahme in die Reha in die Einrichtung bestellt. Ich bin etwas eher da, da die BVG mir bei einem der Busse, mit denen ich fahren muss, eine Umleitung offeriert hat und ich zusätzliche Zeit eingeplant habe, die ich aber nicht wirklich benötige. Die Busverbindung ist praktisch und unkompliziert, ich benötige morgens ca 35 Minuten, am Nachmittag durch die etwas andere Linienführung auf der Strecke zurück zwischen 45 Minuten und einer Stunde. Alles in Allem akzeptabel, ich muss nur einmal umsteigen. Der Bus hält direkt am Klinikeingang. Patienten, die mit eigenem PKW anreisen wollen, wurden darauf hingewiesen, dass a) auf dem Klinikgelände nur wenige Parkplätze zur Verfügung stehen und b) diese kostenpflichtig sind.

Ich betrete Haus 1 auf dem Klinikgelände, direkt im Eingangsbereich befindet sich die Anmeldung in Form eines großen, halbrunden Tresens, der mit mehreren Mitarbeiterinnen besetzt ist. Meine Motivation erhält einen leichten Dämpfer, als ich sehe, VON WEM ich da empfangen werde. Mindestens eine der Angestellten trägt ein eindeutig religiös zuzuordnendes Kopftuch. Ich bin Agnostiker und befinde mich in einem staatlichen Krankenhaus. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Religion Privatsache ist und die offene Demonstration einer frauenverachtenden Religion für mich als Patient eine Zumutung ist.

Und weil man sich heutzutage ja mittlerweile jeden Satz, den man sagt oder schreibt, überlegen muss, möchte ich ganz deutlich anmerken: mit dieser Aussage stelle ich definitiv NICHT die fachliche Kompetenz besagter Mitarbeiterin in Abrede, sondern lediglich die aufdringliche Zurschaustellung ihres Glaubens. Und um das EINDEUTIG zu differenzieren: mich juckt das nicht die Bohne im Straßenbild, als Jemand, der in Berlin lebt, bin ich da völlig entspannt, das ist Privatsache, Jeder wie er mag. In einem staatlichen Krankenhaus steht es m.E. aber auch im Widerspruch zum Berliner Neutralisationsgesetz, wenn man allerdings meine Ausführungen zum Vivantes-Klinikum im Allgemeinen gelesen hat, dann hört man die Nachtigall hier recht laut trapsen. Erster Eindruck: leichtes Unwohlsein.

Ich werde freundlich begrüßt und bekomme den Tagesplan ausgehändigt, der absolut überschaubar ist:

 

Ich werde freundlich um`s Eck in einen langen Gang komplimentiert, wo ich auf die Aufnahme warten kann. Eine der Angestellten kopiert schnell meine MRT-Befunde für die Akte und nein, mit der CD und den Bildern vom MRT kann man hier „nichts anfangen“. Ah ja. Da zwei andere Patienten sich eklatant verspäten, muss ich nicht lange warten und komme zur Aufnahme. Dafür sind 15 Minuten veranschlagt, ich bin nach 5 wieder draußen. Grobe Anamnese-Eckdaten, messen, wiegen, Butdruck. Ich bekomme einen blauen Plastik-Ringordner (A4), eine Plastik-Trinkflasche und einen Umhängebeutel mit „Vivantes“ Aufdruck. Den Ordner muss ich den ganzen Tag von einer Anwendung zur nächsten schleppen, dort brav vorzeigen und mir abzeichnen lassen, dass ich da war. Deshalb der Beutel. Clever. Im Informationszeitalter schleppen mehr oder weniger bewegungsbeeinträchtigte Leute in einem Schulterbeutel ganztägig Papierakten mit sich rum. Ich bin dermaßen beeindruckt, dass mir kurz die Spucke weg bleibt: genau das muss dieser Luxus sein, den die zahlungskräftigen Patienten aus arabischen Ländern so schätzen. Ich werde darauf hingewiesen, dass Trinken wichtig ist und ich meine Flasche mindestens zweimal täglich an einem der Automaten mit Wasser auffüllen soll. Okeeee. Die ganze Litanei der Erklärungen wird stereotyp und wie auswendig gelernt herunter gespult, als ich wegen einer Rückfrage unterbreche, kommt minimale Gereiztheit auf ( ich bin eine der Ersten, ich hab Glück).

Ich werde eine Treppe höher zum Arztgespräch geschickt,  zu dem mich eine kleine, freundliche, dem Namen und Akzent nach arabischstämmige Ärztin mittleren Jahrgangs bittet. Für dieses Gespräch ist eine Stunde veranschlagt, es dauert exakt 16 Minuten und ich bin mir sicher: mein Kostenträger wird die volle Stunde bezahlen. Es erfolgt eine etwas tiefergehende Anamnese der familiären Gebrechen (das Übliche: gab es Krebs, gab es Herzpatienten, Erbkrankheiten etc), für die Akten. Meine MRT Befunde werden kurz überflogen und ich vermute mal, ich werde im System, dessen Umfang sich mir erst nach und nach in den folgenden Tagen erschließen wird, als „Rücken“ verschubladet. Das Thema wird auch nur oberflächlich abgehandelt und keinesfalls so, dass ich das Gefühl habe, es geht hier um MICH und MEINEN körperlichen Zustand. Eher so nach dem Motto: „Wie geht es uns denn heute so? Nicht, dass es mich wirklich interessiert, aber ich muss das fragen.“

Ich gebe zur Protokoll, dass ich mich derzeit in keiner Akutphase eines BSV befinde, die Nervenbedrängung der Nerven des rechten Beines durch die Spinalkanalstenose sich derzeit auf ein leichtes Spannungsgefühl mit Steifigkeit im LW-Bereich beschränken und ich mir durch diese Reha mehr Beweglichkeit verspreche: sprich gezielt an weiterführende sportliche Betätigung heran geführt werde. Mein Ziel ist es, wieder ins Fitness-Studio gehen zu können, die durch monatelanges Vermeidungsverhalten (Schmerzen) verspannten Rückenmuskeln zu lockern und aufzubauen. Sie nickt und wendet sich dann ihrem Computer zu, um mir an selbigem eine „Therapie“ zusammen zu klicken, die, wie sich später heraus stellen wird, eine Abfolge von Modulen ist, die mehr oder weniger sinnfrei miteinander  kombiniert werden.

Sie legt „Wirbelsäulengymnastik“ und „Beckenbodengymnastik“ fest, ebenso „MTT“ (Medizinisch-therapeutisches Training), auf meinen Wunsch Wassergymnastik. Ich werde gefragt, ob ich „was mit Ernährung“ will. NEIN! Progressive Muskelentspannung? Ja, da die Alternative Autogenes Training ist und das beherrsche ich. Und NEIN, ich wünsche weder die Konsultation einer Sozialberaterin noch eines Psychologen. Ich würde gerne einen Antrag auf Schwerbeschädigung stellen, geht das? Sie nickt und ich werde noch „untersucht“. Die Untersuchung beschränkt sich auf ein Testen meines Patellarsehnenreflexes. Als der komplett und beidseitig ausbleibt, versucht sie es mehrmals mit der Entschuldigung, dass das auch nicht so einfach wäre bei mir. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass in der Akutphase des letzten BSV nur die rechte Seite betroffen war und das ganz sicher meine Schuld ist. Sie schließt diese Untersuchung mit den Worten „Sie sind wohl sehr verspannt!“ ab und ich bin entlassen. In meiner Akte befindet sich folgende „Behandlungskarte“, man beachte bereits hier die absolut individuelle Ausrichtung: auf der zweiten Seite musste ich nicht einmal etwas schwärzen.

Die Uhr zeigt 10.30 Uhr und selbst wenn ich die halbe Stunde abziehe, die ich eher da war, verbleiben mir jetzt (abgesehen von der HEUTE mit einer Stunde wahnsinnig großzügig bemessenen Mittagspause) noch 2,5 Stunden bis zum nächsten Event. Ich hatte das nicht erwartet und habe nichts zu lesen dabei. Setze mich in die Sonne, langweile mich und finde nach einer Weile all diese Menschen, die mit dieser Werbeschultertasche herum laufen, irgendwie surreal. Besonders komfortabel sind diese Taschen bei Leuten mit Krücken, Rollatoren und sonstigen Hilfsmitteln. Ich beobachte fasziniert einen Mann, der mit zwei Krücken ausgestattet alle drei Schritte die herunter rutschende Tasche wieder auf die Schulter schiebt. Ich notiere mir gedanklich, morgen einen kleinen Rucksack mitzubringen, den ich hier statt der Tasche verwende. Mein Alltagsrucksack ist zu groß dafür, aber Gott sei Dank bin ich generell kein Taschen- sondern ein Rucksackmensch und habe sicher was Passendes im heimischen Arsenal.

Mit der mir ebenfalls bei Aufnahme ausgehändigten Essenmarke gehe ich in die Cafeteria und hier tun sich die ersten Abgründe auf, als mir ein etwas freudlichkeits-übermotivierter Mitarbeiter, der mich nach jedem Satz mit dem antiquierten „Madame“ (im Wechsel mit „meine Dame“) betituliert die Modalitäten erklärt: zur Wahl stehen drei Fertiggerichte a la Catering-Chemie-Fertigfraß (ich meine das GENAU SO!) mit dazugehörigem kleinen Salat und Dessert/Obst. Zum Salat gehört 1 Portions-Tütchen Kühne-Chemie-Dressing mit 8 Gramm Zucker pro Tüte. Wer das nicht mag, kann täglich auf Kartoffeln und Quark zurück greifen (immerhin ein Lichtstreifen am Horizont) oder einen großen Salat (plastikverpackt, Standard-Inhalt: Eisberg-Salat, Gurke, Tomate, Möhre plus Topping Schafskäse oder Mozarella oder Putenbruststreifen) mit ZWEI Tüten des Dressings UND einem Brötchen plus Dessert/Obst nehmen. Es gibt eine Salatbar mit frischen, durchaus leckeren und auch optisch sehr ansprechenden Salaten, aber die sind zu bezahlen. Für´s Erste nehme ich den großen Salat mit Brötchen, verzichte auf Dessert mit Chemie-Joghurt (15 Gramm Zucker pro Becher, Natur gibts nicht) und Pfirsiche, mit denen man Jemanden erschlagen kann.

Um 13 Uhr erfolgt die Führung durch beide Reha-Gebäude, unter anderem auch durch auch einen Keller-Gang, der beide Häuser miteinander verbindet und bei Regen genutzt werden kann. Mir fällt ein muffiger, unangenehmer Geruch auf. Überdies hat Haus 36, in dem sich Umkleiden, Duschen (Untergeschoss) und das Wasserbecken/Badebereich (Paterre) befinden, eine Luftfeuchte, die an einen tropischen Regenwald erinnert, man hat das Gefühl kaum Luft zu bekommen und ich finde die Sauerstoffversorgung suboptimal. Die Hausführung ist mit einer Stunde veranschlagt und ist nach 20 Minuten beendet. Wichtig sind natürlich die Verbote. Man könnte einem mündigen Patienten sagen, dass er keinerlei Versicherungsschutz genießt, wenn er das Krankenhausgelände verlässt, um im Cafe direkt gegenüber einen Imbiss zu nehmen. Man kann es ihm aber auch verbieten, wir sind Deutsche bei uns klappt das.

Ich bekomme an der Rezeption einen Schlüsselbund für Garderobe, Spind und einen im Gang davor befindlichen Briefkasten, in dem ich jeweils freitags ( also genau zweimal!) ab 14 Uhr den Zettel mit dem Plan für die nächste Woche finde. Ich bin beeidruckt: man installiert eine ganze Briefkastenanlage (was kostet sowas?) für zwei daraus zu entnehmende Zettel in drei Wochen, die man jedem Patienten problemlos an der nicht grade überlastet wirkenden und oftmals mit 3 Mitarbeitern bestückten Rezeption ausdrucken könnte (wo sie wahrscheinlich ohnehin ausgedruckt werden). Desweiteren wird mir der Plan für die restliche Woche ausgehändigt, der mich nach kurzem Überfliegen mit blinkenden Fragezeichen in den Augen zurück lässt: bin ich hier in einem Seminar oder soll hier etwas für meinen KÖRPER getan werden? Mir schwant, dass  „ambulante Reha“ offenbar etwas völlig anderes ist, als ich es mir vorgestellt habe: medizinisch-therapeutische Anwendungen für meine spezielle Diagnose.

 

 

Um 14 Uhr habe die die „Einweisung für MTT“, das ist ein sehr spezielles Modul und findet in einem winzigen Fitness-Studio statt, welches schon auf den ersten Blick als kardiooptimiert erkennbar ist: es sind jede Menge Fahrrad-Ergometer vorhanden, grade ist eine verkabelte Kardio-Gruppe am Strampeln. Man bekommt hier eine Einweisung mit den zu absolvierenden Übungen und  ist ansonsten sich selbst überlassen: der Ordner wird auf den Tresen gelegt, man macht die Übungen, holt den unterschriebenen Ordner wieder ab und das wars. Ich bekomme 10-15 Minuten Ergometer zum „aufwärmen“, 2 Geräteübungen (Armzug,Seilzug), sehr viel mehr Geräte sind auch nicht da. Dazu drei Mattenübungen im Liegen, die -wie sich später zeigen wird- nahezu identisch mit denen sind, die sowohl in der Beckenbodengymnastik, als auch in der Wirbelsäulengymnastik vermittelt werden und die ich von nun an mehrmals täglich, je nach Modulverteilung machen werde (was ich aber jetzt noch nicht weiß). Bei der 5. MTT-Einheit soll ich mich dann „mal bei einem Trainer melden“, damit die Übungen verändert werden. Die Einweisung ist gut, verständlich, die Trainerin versucht, auf spezielle Bedürfnisse einzugehen, Alles in Allem finde ich das Ganze aber sehr mager. Wenn ich mir viel Zeit lasse, brauche ich für alles ca. 35 Minuten, eine Stunde ist auch hier veranschlagt. Das Wackelbrett kommt nicht zum Einsatz, „eventuell später“ wird meine diesbezügliche Frage beschieden, ich hätte auch gerne wieder mit Kurzhanteln trainiert. Das möchte sie nicht, aber Freihanteltraining möchte sie in der nächsten Woche zusätzlich machen. Nun ja. Das ist der Plan, in dem ich selbständig eintrage, was ich gemacht habe (noch einmal: es kontrolliert KEINER, OB ich es mache und schon gar nicht, ob ich es KORREKT mache):

 

Damit ist dieser Tag für mich beendet und ich fühle mich diffus. Einerseits  bin ich gespannt auf die weiteren sportlichen Aktivitäten, andererseits törnen mich „Bewerbungstraining“ und EINE EINZIGE Massage pro Woche absolut ab. Ich beschließe den Tag irgendwie unrund.

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Dienstag, 25.07.2017

8.00 – 8.30 Wirbelsäulengymnastik (Gruppenveranstaltung)

Die Gruppe findet im Haus 36 statt, also den Tropen und ich bin klitschnass geschwitzt, bevor ich sportmäßig auch nur den kleinen Zeh gerührt habe. Die Termine am Morgen beginnen pünktlich, im weiteren Tagesverlauf ist das nicht immer der Fall: da fast alle Mitarbeiter fast alle Aktivitäten bedienen (abgesehen von den Psychologen und Masseuren) müssen auch selbige von Termin zu Termin und somit oftmals Haus zu Haus wechseln.

Es werden in etwa  dieselben Matten-Übungen vermittelt, wie ich sie auch beim MTT machen soll, plus einige andere, aber ähnliche. Die junge Frau wirkt freundlich, aber unpersönlich. Sie gibt mit ruhiger Stimme Anweisungen (ich verstehe sie aufgrund eines Akzentes manchmal nicht), korrigiert aber keinen der Anwesenden oder gibt irgendwem speziell für seine Bedürfnisse Tipps (hier sind auch Patienten nach Rücken OP mit einem Haufen Metall im Körper). Schnell hat man das Gefühl, nicht zu wissen, ob man die Übung korrekt ausführt, ich warte aber erstmal ab, man muss sich schließlich auch erst einmal in alles hinein finden. Pi mal Daumen werden von den 30 Minuten ca. 20 effektiv genutzt, das ist bei allen Gruppenaktivitäten der Fall.

9.30 – 10.00 Einzelbehandlung Physio

Als meine Physio-Therapeutin entpuppt sich die Gruppenleiterin von vorhin: sie trägt einen spanischen oder auch portugiesischen Namen und auch im Einzelgespräch muss ich gelegentlich nachfragen, was sie meint, wenn sie mir etwas erklärt, weil ich es aufgrund ihres Akzentes nicht oder falsch verstehe. Ihre Anamnese ist etwas ausführlicher als die der Ärztin und sie erstellt dazu folgenden, therapeutischen Bericht und auch hier landen wir bei den 20 Minuten:

10.00 – 10.30 Uhr Sozialrecht (Einzeltermin)

Hierbei handelt es sich um den von mir gewünschten Antrag auf Schwerbeschädigung. Nichts, was man nicht besser selber machen könnte, da ich der ganzen Sache ohnehin keine großen Chancen einräume, ist das aber auch egal. Vielleicht ist es besser, wenn es über eine Reha-Einrichtung läuft. Wie auch immer. Merkwürdig ist hier etwas Anderes.

Ich beginne das Gespräch mit der Mitarbeiterin mit der Bemerkung, dass ich in dieser Woche noch einen Termin bei ihr habe, nämlich besagtes „Bewerbungstraining“ und dass ich diesen keinesfalls wahrnehmen werde. Sie unterbricht mich und meint, das sei auch nicht nötig, sie zeichnet mir das jetzt ab, sie sei ohnehin nur Vertretung und dafür nicht vorgesehen. Ich hinterfrage das nicht weiter und lasse mir die Unterschrift geben. Wirklich komisch, denn dieser Termin ist eine Gruppenveranstaltung und findet auch statt.

11.00 – 12.00 Vortrag gesunde Ernährung (Gruppenveranstaltung)

Aha, das was ich ausdrücklich NICHT wollte und auch kommuniziert hatte. Aber die Vorträge sind obligatorisch, egal mit welchem Gebrechen man hier ist.

Ein Vortrag (Teil 1, da kommt also noch mehr!) zur „gesunden“ Ernährung, die eine staatliche Einrichtung selbstverständlich nach Staatsvorgabe, also den Richtlinien der DGE, propagiert. Ich muss mir eine Stunde uralte Binsenweisheiten zur FETTARMEN Ernährung anhören, inklusive der immer noch hochgelobten „Margarine-statt-Butter“-Nummer, Kochanweisungen für Küchen-Analphabeten, Kalorien-Erklärungen, 5 mal Obst und Gemüse am Tag und und und…als ich es nicht mehr aushalte, mit soviel Input geistig quasi völlig überfordert zu werden, gestatte ich mir die Frage an die -übrigens um einen äußerst wichtigen Eindruck ihrer Person bemühte- Referentin, wie man denn das Vermitteln derartig geballten Fachwissens mit der Patientenverpflegung per Chemiefrass in der Kantine in Einklang bringt, die es nicht mal schafft, einen Naturjoghurt zur Verfügung zu stellen oder ein einfaches Dressing für den Salat herzustellen.

Ich komme mir bei derartigen Vorträgen mit gleichzeitig völlig konträr dazu laufender Verpflegung leicht veralbert vor und ich sage ihr das auch so. Sie ist bestens darauf vorbereitet: ich bin nicht die Erste, die hier den Aufstand probt, da bin ich mir sicher.  Hinter mir sitzt auch Jemand, der in seinen Bart motzt, aber wie üblich seine Meinung nicht laut kund tun will. Allerdings ist es mir völlig egal, dass ich wieder mal angeglotzt werde wie ein Alien. Die gute Dame fängt an, mir etwas von den Kosten zu erzählen und dass man das ja wisse, aber auch nix machen könne. Dabei ist die Lösung ganz einfach: ich reg mich nicht über Gebühr über den Kantinen-Fraß auf, wenn ihr euch eure Vorträge schenkt. Ich werde hier zweimal BENUTZT: einmal für den Fraß und einmal für eine Massen-Veranstaltung, die mir im krassen Gegensatz dazu keinerlei Erkenntnisse und Informationen vermittelt, die mir in irgendeiner Weise nützlich, hilfreich oder NEU wären. Für diese und alle weiteren Veranstaltungen im Vortragsmodus gilt übrigens: der Dümmste bestimmt das Niveau und wenn man ehrlich ist, muss man sagen: das geht auch nicht anders. ICH bin aber nicht hier um die Dummheit und Unwissenheit anderer Leute zu kompensieren, ich bin hier MEINETWEGEN und eines körperlichen Leidens wegen und nicht, um permanent meinen Intellekt beleidigen zu lassen. Ganz ehrlich: wer nicht weiß, dass Öl bei 160 Grad in der Pfanne verbrennt und warum das gar nicht gut ist, der hat in einer Küche nichts verloren und sollte in die Kantine gehen.

12.15 – 13.15 Bewegungsbad WS (Gruppenveranstaltung)

Keine Beanstandungen, die Gruppe ist klein und umfasst auch -bedingt durch die Größe des Beckens- nicht mehr als 5 Leute. Für einige Übungen ist das Becken nicht tief genug, das macht aber nichts. Die Therapeutin ist lustig, turnt am Beckenrand mit und die Übungen sind durchaus fordernd und anstrengend. Das macht Spaß.

13.15 – 13.45 Mittagspause

Salat. Was sonst. Ich ergänze allerdings den mir zustehenden von der Essensmarke um ein paar Löffel der verschiedenen kostenpflichtigen Salate von der Salatbar. Das kostet mich 2,50 und ich beschließe, damit gut über die Reha zu kommen.

14.00 – 15.00 Inhalte und Ziele der Reha  (Gruppenveranstaltung)

Ein weiterer Vortrag aus der Reihe „wie generiere ich mit wenig Aufwand maximale Einnahmen“. Eine Ärztin stellt in einem Vortrag alle Bereiche der Reha-Einrichtung, ihre Aufgaben und Funktionen etc. vor. Also das, was man dem mündigen Patienten mit einer gut strukturierten Broschüre/Flyer schon vor dem Eintritt in die Reha (bei Zusendung der Unterlagen zum Beispiel) vermitteln und zur Verfügung stellen könnte. Für mich sinnlos vertane Zeit. Mich interessiert der Kardio-Bereich nicht. Ich hab Rücken. Immerhin erzählt sie, dass zur Aufnahme ein EKG gehört. Aha. Hab ich nicht gehabt. Ich frage nach. „Für ALLE oder nur für Herzpatienten?“ Nein, das ist für ALLE vorgesehen. Na sowas. Im Übrigen weist sie darauf hin, im vogegebenen Zeitplan auf genügend Pausen und Ruhezeiten zu achten, mehr als 2 Einheiten in Folge wären nicht sinnvoll.

Ich bin noch ein wenig unzufriedener als gestern.

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Mittwoch, 27.07.2017

8.00 – 9.00 MTT

Während ich auf dem Ergometer locker meine 15 Minuten abstrample, beobachte ich das Prozedere des Mappenabgebens und Wiederabholens. Die Trainer sind andere als gestern, Keiner fragt mich etwas. Ein junger Mann kommt herein, gibt seine Mappe ab, setzt sich ebenfalls aufs Ergometer und wartet bis der Trainer am Tresen seine Mappe unterschrieben hat. Dann nimmt er seine Mappe und geht wieder. Da mir das Ganze ja was bringen soll, mache ich brav meine Übungen, bekomme aber, auf der Matte liegend, dann doch ein Problem. Direkt vor der Mattenreihe sind an der Decke Trainingsgeräte montiert, von denen diverse Schlaufen herabhängen, mit denen trainiert werden kann und soeben macht sich eine Trainerin daran, dort 2 Leute einzuweisen, die jetzt direkt vor mir, aus meiner liegenden Perspektive gesehen auch sehr weit über mir, seltsame schlenkernde und hin- und her schwenkende Bewegungen machen. Ich kann deren Radius  nicht mal ansatzweise abschätzen und fühle mich angesichts dieser schaukelnden Leute vor mir nicht wirklich wohl. Der Frau auf der Matte neben mir geht es anscheinend ähnlich, denn sie setzt sich auf und schaut sich das Ganze an. Was einen der Trainierenden veranlasst zu fragen, ob er ihr vielleicht Popcorn holen solle. Überdies scheinen diese Übungen entweder ein Novum oder etwas ganz Besonderes zu sein, denn mehrere Trainer finden sich zum zugucken ein. Ich beende meine Matten-Aktivitäten, hole meine Mappe und verschwinde. Der heutige Tag ist dermaßen straff durchorganisiert, dass ich über jede freie Minute dankbar bin.

9.00 – 9.30 Wirbelsäulengymnastik (Gruppe)

Analog zu gestern. Dieselbe Trainerin, derselbe Ablauf, keine anderen Übungen.

9.45 – 10.45 Bewegungsbad WS (Gruppe)

Im Vorfeld der Gruppe habe ich in der Garderobe ein Aha-Erlebnis. Eine ältere Dame mit leichtem Parkinson fragt mich nach den Duschen. Ich antworte ihr: einen Gang weiter in die andere Garderobe und dann die hintere Tür. Sie bedankt sich. Die Duschen/Umkleiden sind im Untergeschoss, das Bewegungsbad im Paterre. Die der Stunde für diese Aktivität beinhaltet jeweils 15 Minuten davor und danach für Duschen und Umkleiden. Das ist nicht nur für ältere Menschen wenig, wenn man bedenkt, dass man von der eigenen Garderobe zur Dusche muss. Ausziehen, duschen, anziehen, zurück zur eigenen Garderobe, ausziehen,Badesachen anziehen, nach oben gehen zum Bad. Oder man duscht MIT Badesachen und sitzt dann nass und im Bademantel herum, bis es los geht. Was ohnehin schon komisch ist, da in diesem Wartebereich jede Menge voll bekleidete Leute sitzen, die zu anderen Anwendungen wollen. Ich habe das Prozedere für mich vereinfacht: in der Garderobe ausziehen, Longshirt überwerfen, in die andere Garderobe zum Duschen gehen, mit Shirt zurück, Badeanzug an, Longshirt drüber, zum Bad gehen. Ich muss weder nass noch mit einem fetten Bademantel -den ich täglich mit nach Hause nehmen müsste- vor dem Bad sitzen, davon abgesehen, dass ich ja auch noch die Tasche (bei mir mittlerweile Rucksack) mit der Mappe mitnehmen muss.

Ich begebe mich also nach dem Duschen nach oben zum Bad und finde besagte Dame ungeduscht und trocken vor dem Bad sitzend. Sie erklärt mir verlegen, dass sie es nicht schafft, in so kurzer Zeit zu duschen, überdies sind die Duschen dort unten nicht barrierefrei und sie kommt nach einer Knie-OP dort gar nicht rein. Außerdem hat man morgens geduscht. Ja, habe ich auch, allerdings hab ich 2 Sporteinheiten hinter mir und hab geschwitzt. Und Ihre erste Einheit ist es auch nicht. Ich fühle mich unwohl.

Die Trainerin erscheint und bittet zum Becken, als Letzter kommt ein Teilnehmer, von dem ich zunächst glaube, dass er gar nicht mitmachen will, sondern sich entschuldigt oder nur etwas fragen will. Nein. Der Gute kommt in Straßenschuhen und Straßenklamotten in den Badebereich, was untersagt ist, denn man hat nur mit Badelatschen Zutritt und ist darüber mehrfach belehrt worden. An der Tür steht es auch.

Ich habe auch keine Ahnung, warum die Trainerin das gestattet hat. Er beginnt munter, sich auszuziehen und hopst ungeduscht ins Becken. In diesem Moment verabschiede ich mich von weiteren Wassergymnastik-Teilnahmen. 40% ungewaschene Leute in einer Gruppe sind mir zu viel. Vom Rest weiß ich es nicht mal. Der Mann ist mir in einem der Vorträge schon aufgefallen, weil er nach Knoblauch stank und ich mich deshalb woanders hingesetzt habe.

11.00 – 11.30 Alltagstraining

Ein für mich (!!!) völlig sinnloses Einzelgespräch (die Beraterin kommt 10 Minuten zu spät, Entschuldigung gibt es keine), da ich im Alltag weder hilflos noch eingeschränkt bin und auch keinerlei mechanische Hilfen benötige. Muss aber auch mit JEDEM gemacht werden. Und ist sicher auch wichtig für Leute, die es betrifft. Aber eben nicht für mich. Überdies muss ich Punkt halb 12 abbrechen, da ich nur die halbe Stunde Mittagspause habe und um 12.00 Uhr ein weiterer Vortrag beginnt. Ich bin heute bisher von einem Termin zum nächsten gehetzt, hab noch nichts getrunken und müsste auch mal zur Toilette. Na immerhin: diese sinnlose Beratung hat auch noch einen zweiten Teil in der nächsten Woche.

 

11.30 – 12.00 Mittagspause

Ich hetze zur Kantine und stopfe unentspannt den Salat in mich rein, renne zurück zu Haus 1, um nicht zu spät zum Vortrag zu kommen.

12.00 -13.00

Alles, was man vorbereitend zur Progressiven Muskelentspannung sagen kann und was für jemanden, der das praktizieren soll, wichtig ist, ist in maximal 5 Minuten gesagt. Danach kann man mit praktischen Übungen beginnen. Oder man kann auch hier einen Flyer mit den wichtigsten Fakten an den mündigen Patienten verteilen. Man kann darüber aber auch eine ganze Stunde labern, die Niemandem etwas bringt, aber natürlich abgerechnet wird. Für viele, viele Teilnehmer.

13.00 – 13.10 Chefarztvisite

Auch hier werde ich nach meinem Allgemeinbefinden gefragt. Ich moniere den speziell heute allzu straffen Zeitplan, der mich unter Stress setzt, aber auch an anderen Tagen die 4-6 Stunden für eine ambulante Reha angedachte Zeit weit überschreitet. Morgen sind es 7 Stunden. Ich bemängele die vielen Vorträge, was man mit dem Argument abschmettern möchte, mein Kostenträger möchte mich wieder fit für den Arbeitsprozess machen, deshalb gehört dazu auch Bewerbungstraining. Ich entgegne, dass ich hier bin, um meinen Körper in Ordnung zu bringen, das ist eine MEDIZINISCHE Einrichtung und diese Reha ist eine medizinische Rehabilitation. Bewerbungstraining und Kochanleitungen sind für mich keine medizinische Rehabilitation. Ich höre immer wieder stereotyp, dass mein Kostenträger das so wolle, dass dem Reha-„Veranstalter“ die Hände gebunden sind und blabla. Immerhin gibt man mir Recht, dass der Zeitplan nicht optimal sei und man da etwas ändern müsse. Ich möge doch bitte, bevor ich nach Hause gehe, in meinem Briefkasten nachschauen, dort befände sich dann ein neuer Plan. Auf meine Frage, warum ich das im Vortrag von Frau Doktor offerierte für alle verbindliche EKG nicht bekommen habe, teilt man mir mir, dass das nicht vorgesehen ist. Das ist nur für Herzpatienten. Aja. Ich nehme seit 12 Jahren Bluthochdruckmedikamente, aber so richtig dolle mit dem Herz hab ichs nicht. Dumm gelaufen für mich.

13.30 – 14.00 Einweisung Beckenboden (Gruppe)

Die Therapeutin ist nett, freundlich und lustig. Eine von denen, denen man anmerkt, dass sie ihren Job gerne machen. Sie erklärt viel und beantwortet Fragen gerne. Sie übt im Sitzen, bei den nächsten Veranstaltungen dieser Gruppe werde ich aber auf dem Rücken liegend wieder die Übungen machen, die ich ohnehin schon mache.

Ich finde in meinem Briefkasten keinen geänderten Plan und denke an diesem Tag erstmals drüber nach, den ganzen Quatsch abzubrechen.

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Donnerstag, 27.07.2017

Da ich auch heute keinen geänderten Plan im Briefkasten vorfinde, bitte ich an der Anmeldung um einen Termin bei meiner Ärztin. Ich kann um 13.15 Uhr bei ihr vorsprechen.

9.00 – 9.30 Beckenbodengymnastik

Der Tag fängt an, wie der letzte endete, allerdings mit anderer Therapeutin und mit den Übungen, auf dem Rücken liegend, die denen von MTT und Rückengymnastik gleichen.

10.00 – 10.30 Physiotherapie Einzelbehandlung

Heute gibt es eine physiotherapeutische Bearbeitung meines LWS-Bereiches in Form einer Massage, die an Unterkante BH endet. Ich versuche, mich zu entspannen, aber leider, leider. Zum einen hindern mich die von der Therapeutin lieblos in das Kopfloch der Liege gestopften grünen Papiertücher (solche, wie man auch auf der Toilette zum Händeabtrocknen findet), auf denen nun mein Gesicht liegt und die beim Ein- und Ausatmen lustig an mein Gesicht klatschen. Mich macht das allerdings nervös. Was soll das überhaupt bringen? Wird die Liege zwischen den Behandlungen nicht mal eben schnell mit einem Desinfektionsmittel gereinigt? Das sind zwei Handgriffe. Und Hygiene ist nun mal das A und O im Krankenhaus.

Zum anderen sind die einzelnen Bereiche für die Behandlung teilweise nur mit einem Vorhang voneinander abgetrennt, ich bekomme also die lebhafte Unterhaltung eines Patienten (keine 2 m von mir entfernt) mit seinem Therapeuten mit. Ich will das nicht hören, aber ich muss. Ich werde mit wirren Selbstdiagnosen von eingeklemmten Nerven und Potenzstörungen beschallt und überlege kurz, mit meiner Therapeutin ein lautes Gespräch über Menstruationsbeschwerden oder die Vorzüge einer Menstruationstasse anzufangen, lasse es aber bleiben. Ich versteh sie ja eh schon so schlecht.

Ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich hier komplett falsch bin. Ich bin Teil eines Systems, was mich als Patient lediglich BENUTZT. Um das System am Laufen zu halten, um Gewinn zu machen. Ich werde Massenveranstaltungen ausgesetzt, die nicht die Bohne mit mir und meiner Krankheit zu tun haben. Die Gruppenveranstaltungen sind nach Schema F auf alle möglichen Krankheiten ausgerichtet, die so ungefähr die gleiche Körperregion betreffen. Ob HWS-OP oder LWS-Syndrom: in der Gruppe turnt es sich am Besten. Individuelle Betreuung gibt es nicht.

11.15 – 12.15 MTT

Ordner abgeben, Übungen machen, Ordner unterschrieben abholen. Man kann die Übungen weg lassen, es kriegt eh Keiner mit. Ich mache sie natürlich. Ein Großteil der (jüngeren) Patienten nicht. Überwacht werden nur spezielle Kardio-Gruppen.

12.40 -13.20 Massage/Wärmetherapie

Dass ein Computer immer nur so schlau ist, wie der Mensch, der davor sitzt, ist ein Märchen. Computer sind von Haus aus doof. Und deshalb bekomme ich die einzige Massage der Woche an dem Tag, an dem ich auch eine Teilmassage von der Physiotherapeutin bekomme. Man könnte das an einem Tag machen, wo ich keine Physiotherapie habe, aber wie gesagt: Computer sind suppenhohl. Die Masseurin ist freundlich, kompetent, erklärt besonders verspannte Stellen ( bei mir nicht Nacken, sondern der Rückenbereich unterhalb der Schulterblätter ) und sagt auf meine Frage, ob es denn wirklich nur EINE Massage pro Woche gäbe nur lapidar: „Seien sie froh, dass sie wenigstens die eine kriegen!“

Von den 40 Minuten werde ich exakt 15 massiert, der Rest ist Rotlicht. 15 Minuten Massage, 25 Minuten Rotlicht. Na wenn das nix ist. Das Rotlicht breche ich ab, wir haben draußen 28 Grad, die Massage ist im Tropenhaus, ich drohe zu ersticken, ich will einfach nur raus da.

13.15  Sondertermin bei Frau Doktor

Zunächst erkläre ich meinen Rücktritt von der Wassergymnastik aus hygienischen Gründen. Interessanterweise geht das bei medizinischen Anwendungen problemlos, da scheint mein Kostenträger nix gegen zu haben. Heikel ist das nur bei Vorträgen, jaja.  Ich habe mir für die für morgen anvisierte Wassergymnastik bereits einen Ersatz gesucht, ich habe beim MTT gefragt, ob ich dorthin kommen kann und die waren einverstanden. Des Weiteren möchte ich, dass Frau Doktor den Termin für die Rückenschule heute verschiebt, die um 15.00 Uhr losgeht und bis 16.00 Uhr dauert. Da ich mich dem um 14 Uhr stattfindenden Bewerbungstraining verweigere, sitze ich jetzt knapp 2 Stunden sinnlos herum, ich bin seit 8.30 Uhr im Haus, meine 6 Stunden sind in einer Viertelstunde um und ich hatte noch nicht mal Mittagspause (die heute mit 15 Minuten am Plan steht, das war aber wieder dieses Sackgesicht von Computer, da bin ich mir sicher!).

Frau Doktor erklärt mir wiederum, dass mein Kostenträger verlangt, dass ich das Bewerbungstraining mache. Wenn ich das verweigere, kann man die Reha abbrechen. Aha. Erpressung ist ja immer genau mein Humor und ich sage ihr, wenn das so ist, dann ist das so. Mir hat mein Kostenträger auf seiner Webseite Folgendes offeriert:

Ich habe kein Bedürfniss für ein Bewerbungstraining in welcher Form auch immer. Dann muss man das halt abbrechen. Und ich habe immer noch keinen geänderten Plan erhalten, der mir gestern versprochen wurde. Sie guckt in ihren Computer und sagt, da weiß sie jetzt auch nicht. Aber morgen wäre ja okay und dann gibt es sowieso einen neuen Plan und da wird man das berücksichtigen. Ich erkläre, dass ich auch keinen zweiten Vortrag zur Ernährung will. Den muss ich machen, weil mein Kostenträger-ich winke ab und gehe. Nicht zum Bewerbungstraining, für dass ich eh eine Unterschrift habe (siehe Dienstag) und auch nicht zur Rückenschule ADL, was vermutlich auch wieder ein Vortrag ist. Ich fahre nach Hause und bin wie an den anderen Tagen auch einfach nur völlig platt.

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Freitag, 28.07.2017

08.15 – 09.15  Bewegungsbad

Da ich mit Frau Doktor geklärt habe, dass ich nicht mehr am Bewegungsbad teilnehme, gehe ich um 8.00Uhr zum MTT. Ich muss keine Mappe abgegeben, da ich ja keinen neuen Plan bekommen habe und dieses MTT nur mündlich abgesprochen ist. Mit Jemandem, der ohnehin nicht da ist, wie ich feststelle, als ich den Bereich betrete. Ich könnte also auch wieder gehen, wen juckts. Stattdessen entscheide ich mich für den Ergometer-Beobachtungsmodus, wie gesagt: der Bereich ist klein.

Mit Handschlag begrüßt von den Trainern wird die besondere Übungsgruppe, die mit den von der Decke hängenden Schlingen-Dingern trainiert. Diesmal wird der Bereich, wo trainiert wird und eben auch die Matten für die Bodenübungen liegen, allerdings abgesperrt. Eine Frau, die wohl am Boden in diesem Bereich trainieren will (ich müsste ja auch noch) zuckt mit den Schultern, holt ihre Mappe und geht. Warum wurde da das letzte Mal, als ich auf der Matte lag, nicht abgesperrt? Ich bleibe an der Armzug-Maschine 10 Minuten sitzen, ohne IRGENDWAS zu machen, ich gucke einfach blöd vor mich hin. Es interessiert Niemanden.

Es fragt auch Niemand, warum ich keine Mappe abgegeben habe, das interessiert ebenso wenig. Im Zentrum des Interesses steht eindeutig: die abgegebene Mappe. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt. Sie wird unterschrieben und beiseitegelegt und man wartet auf neue Mappen. Ich fürchte, die eilfertige Unterschrift dient auch nur als nachträgliche Legitimation dafür, dass man selber am Arbeitsplatz war. Ich fühle mich auch richtig gut: ICH bin privilegiert. ICH, der Mappenträger. Ich sorge zuverlässig dafür, dass die Mappe von Unterschrift zu Unterschrift gelangt, ein verantwortungsvoller Job. Die Unterschriften sind die Nachweise für den, der den ganzen Affenzirkus bezahlt. Vielleicht bin ich doch nicht privilegiert. Vielleicht bin ich der, der zum Affen gemacht wird.

Das erste Mal in dieser Woche verziehe ich mich in einen Ruheraum…

09.30 – 10.00 Progressive Muskelentspannung (Gruppe)

Nachdem ich mich im Ruheraum eine Dreiviertelstunde super entspannt habe, geht es zur Progressiven Muskelentspannung. Wo ich so sehr entspanne, dass ich fast einschlafe. Durchgeführt wird das von einer Psychologin, freundlich, nett, kompetent, ihre Stimme ist ruhig und angenehm und passt zu dieser Übung.

Nach dieser Tiefenentspannung kann ich mich eine Stunde entspannen, bevor ich nach diesem ereignisreichen Vormittag in die Mittagspause gehe.

11.00 – 11.30 Uhr Mittagspause

Salaaaaaaaaaaat. Da ich ja jetzt zusätzlich „Bezahlsalat“ habe, kann ich auf Essig und Öl sowie Dressings (ich vermute auch hier allerdings Fertigmischungen) zurückgreifen, die an der Salatbar stehen und lasse die Fertigtütchen weg.

11.30 – 12.00 Uhr Beckenbodengymnastik (Gruppe)

Das Übliche. Auf der Matte liegen und nach Anweisung das Becken kippen, die Beckenbodenmuskulatur anspannen, das Kreuz in den Boden drücken usw.usw.

12.00 – 13.00 Rückenschule Psych (Gruppe)

Tatatataaaaa ein Vortrag, meine Begeisterung kennt keine Grenzen. Ich weiß nicht, was Rückenschule „Psych“ ist, jedenfalls erklärt die Psychologin, die heute Morgen die PME gemacht hat, nun die Allgemeinplätze zum Thema Schmerz. Sie macht das ganz gut und auch recht motiviert, sie versucht aber bedauerlicherweise, ihr Publikum durch Fragen zu integrieren. Mir ist klar, dass die Frage „Wie definieren sie Schmerz?“ eine gaaaaanz böse Falle ist, die diverse Leute dazu animieren wird, ihre Krankengeschichte zum Besten zu geben. Bingo. Sie hat Mühe, den älteren osteuropäischen Herrn aus seiner Litanei: „Wie ich hatte das erste Mal die Schmerz, war schon unvorstellbar! War in Wohnzimmer. Aber wie ich in Kiche zweite Mal hatte, war noch schlimmer. Wird immer schlimmer, kann man nicht aushalten, is furchtbar!“ zu reißen. Ich will nach Hause, ich melde mich brav wie ein Schulkind und gebe ihr eine nette Definition. Wir sind in der „Psych“-Gruppe, ich weiß, was sie hören will und sie bekommt es. Sie ist begeistert und der Vortrag geht weiter. Na bitte, geht doch. Ich erfahre auch hier nichts, was ich nicht schon wüsste und bin froh, dass diese Woche nach diesem Vortrag ein Ende findet.

Als Letztes begebe ich mich zur Information und erkläre den Damen, dass ich den Briefkasten um 14 Uhr leider nicht benutzen kann, da ich bereits jetzt Schluss habe und bitte sie mir, den Plan für die nächste Woche auszudrucken. Daraufhin entspinnt sich folgender Dialog:

„Den Plan gibt es erst ab 14 Uhr.“

„Ich bin um 14 Uhr nicht mehr hier, das sagte ich ihnen bereits. Ich weiß dann nicht, wann ich am Montag hier sein muss.“

„Das kann ich ihnen sagen!“

„Sie haben also den Plan für die nächste Woche doch schon?“

„Ja, aber den gibt es erst 14 Uhr.“

„Und was genau spricht dagegen, mir jetzt wenigstens den Plan für Montag zu geben? Sie brauchen das doch nur auszudrucken.“

„Ich kann ihnen sagen, wann sie anfangen.“

„Ich hätte gerne den Plan für Montag bitte.“

„Wozu brauchen sie den denn?“

Irgendwann ist es genug und ich greife auf die altbewährte Praxis zurück: beantworte dämliche Fragen mit einer Gegenfrage:

„Welche Relevanz haben meine Gründe für das Ausdrucken dieses bereits vorhandenen Plans für nächste Woche vor 14 Uhr?“

Der Drucker druckt. Neben mir wird übrigens grade dasselbe Thema nicht so professionell abgehandelt. Ein schnaubender Mittsechziger entfernt sich gerade vom Tresen mit den Worten: „Na, leck mir doch. Komm ick mittach und jut is.“

 


Zu Hause habe ich dann mit Hilfe von Excel ein wenig Statistik betrieben und die ist schon recht niederschmetternd und hat mir endgültig gezeigt, dass die ganze Sache für mich völlig sinnlos ist. Ich betone auch hier: für MICH.

Reha-Zeit laut Plan: 26,5 Stunden (vor Ort, An- und Abreise kommen dazu!)

Effektiv genutzt: 15,25 Stunden

Davon: 7 Stunden aktiv, 8,25 Stunden inaktiv (Da höre ich doch glatt wieder das loriot’sche „Achwas?!“)

Da bekommt die Aussage: „Sie bekommen nur eine Massage pro Woche, weil wir sie ja in Bewegung bringen wollen und Massagen sind ja keine aktive Sache!“ eine völlig neue Bedeutung.

Ich habe alleine 5,5 Stunden in Vorträgen gehockt, wogegen ich 3 Stunden Individualsport beim MTT (wenn man das „individuell“ nennen kann und man beachte: ich habe dafür nie die veranschlagte volle Stunde gebraucht) und 3 Stunden und 10 Minuten Gruppensport hatte.

Ich hatte geplante 60 Minuten (effektiv etwa 50 Minuten) physiotherapeutische Betreuung und eine 15- minütige Massage. Alles in allem habe ich etwa 30 Minuten im Arztgespräch verbracht, wovon eines ein außerplanmäßiger und von mir initiierter Termin war. Es ging überwiegend um Organisatorisches.

Mir schwant, dass ich in einem guten Fitness-Studio -ich rede hier nicht von Billigketten, sondern von kompetenter Trainerbetreuung, Kursen und Wohlfühlatmosphäre- um Einiges besser aufgehoben bin und ich bin auch bereit, einen entsprechenden monatlichen Betrag zu investieren. Das Kuriose: bei meiner Internetrecherche nach Einrichtungen für den nach der Reha zu absolvierenden Reha-Sport, der ein halbes Jahr lang weiterhin von der Rentenversicherung bezahlt wird (2 x wöchentlich), bin ich quasi DIREKT vor der Haustür fündig geworden. Dazu aber mehr im zweiten Teil.

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