Projekt „RSE“ – Tagebuch – laufende updates

Tagebuch zum Projekt „RSE“

25.08.2017

Einkaufsimpressionen Milchprodukte:

Das letztmalige „Hurra“ war etwas laut, die Milchprodukte (und nicht nur die!) haben mich weiterhin auf Trab gehalten und ich habe so einige Fragen, die ich irgendwo klären möchte. Momentan befinde ich mich in einer Art „brainstorm“ Phase, einerseits fange ich an, mich an diese Art der Ernährung zu gewöhnen und fühle mich wohl damit, andererseits eröffnen sich fast täglich neue Baustellen.

Mark Brandenburg führt doch nicht das gesamte von mir benötigte Sortiment: es fehlt der Joghurt. Rewes „Ja!“ Sortiment offerierte mir nur 0,1 oder 10% igen Joghurt, ich nehme aber den stinknormalen 3,5 % igen. War dann nur als bulgarischer oder nicht näher herkunftsbezeichneter zu bekommen, letztendlich wurde ich aber bei Lidl fündig.

Mich treiben primär folgende Fragen um: wem nützt es, wenn ich regional bei Mark Brandenburg kaufe, deren Produkte in der Regel zwischen 30 -40 Cent teurer sind als die Hausmarke von Rewe aus Köln? Ist das nicht nur Gewissensberuhigung? Buttermilch z.B. ist ein ABFALLPRODUKT bei der Butterherstellung, dafür braucht es kein spezielles Equipment.Woher kommen die Preisunterschiede, zumal der Transport von Köln nach Berlin um Einiges mehr kosten dürfte als der von Elsterwerda nach Berlin. Ist die Eigenproduktion von Rewe wirklich um so Vieles kostengünstiger? Man müsste viel mehr Handels-Interna kennen als Verbraucher. Fast das Doppelte für eine Buttermilch, nur damit ich sagen kann: regional? Irgendwas sperrt sich da in mir. Ich werde das Thema ganz sicher vertiefen.

Ansonsten bin ich mir mittlerweile sicher, dass dieses Land seine Einwohner nicht mehr autark und regional ernähren kann. Ich komme zur Zeit ganz gut über die Runden, aber momentan ist auch Erntezeit und zumindest deutsches Gemüse regional gut verfügbar (und die nächsten Fragen auch!!). Ich schwelge in Ofengemüse, am Wochenende wird gegrillt. Heute habe ich erstmals deutsche Zwetschgen gekauft, nachdem ich schon zwei Wochen um die aus Bosnien-Herzegowina herum geschlichen bin.

Was ich für den langfristigen Plan festgeschrieben habe:

  • Es wird bei meiner Art zu kochen über den Winter nicht OHNE Dosentomaten gehen und das, was ich bis jetzt an Dosentomaten in meinen Läden gefunden habe, ist generell in Italien produziert worden. Das macht für mich allerdings auch Sinn: es ist ein südliches Land, in dem Tomaten eine etwas längere Vegetationsperiode haben als hier bei uns, die Früchte bekommen mehr Sonne, dementsprechend sind die Ernten größer und es kann sozusagen „eingeweckt“ werden.
  • Butterschmalz mache ich selber. So ein Wahnsinns-Aufwand ist das nicht und geschmacklich schlägt es das käufliche um Längen.

Beim Verzicht auf Schafskäse schwanke ich noch, eigentlich ist auch der für mich unverzichtbar für viele Gerichte und der Kuhmilch-Ersatz überzeugt mich nicht wirklich. Generell finde ich aber eben nur bulgarischen oder griechischen in beiden Läden.

Ich war bisher auch der irrigen Annahme, man könne oder würde hier bei uns Süßkartoffeln anbauen, weil sie halt gefragt sind. Dass sie nicht wirklich einheimisch sind, war mir durchaus klar. Die bei Rewe sind aus den USA, fällt also aus für mich ab jetzt. Man stelle sich das vor: wir sind ein Kartoffelland, weiß der Geier, wie viele Sorten es hier gibt. Und karren etwas geschmacklich nicht so wahnsinng weit davon entferntes um den halben Globus. Ist es das wirklich WERT?

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12.08.2017

Einkaufsimpressionen Milchprodukte:

Hurra!!! Milchprodukte und Frischmilch bekomme ich komplett regional. Rewe führt die Produktpalette von Mark Brandenburg und alles was ich verwende, ist dabei.

Trotzdem werde ich im Laufe der Zeit einigen Fragen nachgehen müssen. Die Hausmarke von Rewe („Ja!“) ist preislich unschlagbar. Die Produkte werden in Köln hergestellt. Das ist von Berlin um Einiges weiter weg als Elsterwerda, von wo die Mark Brandenburg-Produkte kommen. Ein 500 ml Becher Buttermilch von Ja! kostete in dieser Woche 67 Cent, das gleiche Produkt von Mark Brandenburg 1,09 Euro. Das sind satte 42 Cent Unterschied.

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08.08.2017

Einkaufsimpressionen frisches Obst und Gemüse:

Ich habe mich bei diesem Thema zunächst durch Rewe (noch nicht komplett) gewühlt und es war niederschmetternd.

Wassermelone – Italien
Paprika (rot, abgepackt) – Holland
Bratpaprika – Marokko
Äpfel – Neuseeland, Italien
Birnen – Spanien, Chile
Pflaumen – Ungarn

kein Beerenobst heute?

Aus Deutschland lose, nicht verpackt: Zucchini, orangefarbener Paprika, Zwiebeln (Gott sei Dank!), Kartoffeln, alle Gurken (Landgurken, Schmorgurken)

Als „regional“ gekennzeichnet: Salat-Gurken, Äpfel Jonagold, Broccoli, Salatherzen (Mecklenburg-Vorpommern), Tomaten (mehrere Sorten, Brandenburg)

Wo genau das auf den Schildern offerierte „regional“ ist, habe ich bei den meisten Dingen nicht herausgefunden. Hmmm.

Ich überlege gerade, welche Qualität wohl eine kleine Frucht hat, die man aus Neuseeland um die halbe Welt hierher karrt, um sie mir dann für läppische 0,29 Cent verkaufen zu wollen. Und im selben Moment fällt mir ein, was im Jahr 1996 eine Naturheilärztin (Ärztin! Nicht „zertifiziertes Natur-Irgendwas“) sagte, als ich mit meinem durch eine Überbehandlung mit Antibiotika nach einer Lungenentzündung kurz vor der chronischen Bronchitis stehenden sechsjährigen Sohn bei ihr vorstellig wurde. „Keine Kiwis! Das sind Chemie-Cocktails durch und durch! Das ist Gift!“ Klar. Was soll es auch anderes sein für 29 Cent…

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07.08. 2017

Wie bereits vermutet, ergeben sich Fakten, an die man zunächst nicht dachte: das erste wäre…tatatataaaa…der tägliche, wichtige, gewohnte, (fast) nicht verzichtbare Kaffee. Klingt ein bisschen komisch, ist aber so: Kaffee ist kein einheimisches Produkt. Es gibt zwar ein einziges europäisches Kaffeeanbaugebiet im Agaetetal auf Gran Canaria, allerdings sind für mich die Preise jenseits von gut und böse und ich nicht in dem Maße Kaffeejunkie, dass ich das bezahlen möchte.

Was tun? Ich habe hin und her überlegt. Die ersten Kaffeehäuser gab es in Wien vor ca. 350 Jahren, Kaffee ist, solange Menschen miteinander handeln und Übersee-Verbindungen verfügbar sind, eines der wichtigsten Export- und Handelsgüter, es gibt vom Kaffeeexport abhängige Staaten in Lateinamerika. Hm. Andererseits ist auch der Kaffeeanbau heutzutage – wie fast Alles – eine extrem umweltgefährdende Angelegenheit. Hm.

Da es mir vordergründig wirklich auf den Punkt regional-einfach ankommt und ich glaube, dass mittlerweile fast NICHTS mehr umweltverträglich produziert wird (ich vermute, da werden sich innerhalb des Jahres Abgründe auftun!) streiche ich den Kaffee schweren Herzens von meiner Einkaufslise, werde aber vorhandene Mengen noch verbrauchen (reicht für ca. 1 Woche). Da ich weiterhin auch keine Lust habe, Menschen zu agitieren oder permanent mein Projekt Jemandem erklären zu müssen, den es gar nicht interessiert und damit vielleicht beim Familienkaffee nicht so entspannte Situationen schaffe, werde ich mir angebotenen Kaffee selbstverständlich trinken, nicht ICH habe den gekauft und ich mache schließlich keine Diät oder lehne Kaffee aus anderen Gründen ab.

Ausweichprodukt wäre Malzkaffee, nun muss ich schauen, ob meine beiden Läden, welchen zum Aufbrühen im Angebot haben, Caro Kaffee ist ein Instantprodukt und somit industriell verarbeitet und tabu. Ganz davon abgesehen, dass ich Nestlè ohnehin boykottiere. Das wäre also meine Aufgabe für heute.

update 16.30 Uhr:

Thema Kaffee:

Beide Läden führen KEINEN nicht löslichen Getreidekaffee -wie ich herausfand, gibt es aber auch da einen Dschungel an Sorten, den ich pragmatischerweise nur am Rand betrete- immerhin konnte ich bei Rewe die lösliche Variante „Im Nu“ (Roggen, Gerste, Gerstenmalz) von röstfein als Ersatz für „Caro“ (enthält zusätzlich Zichorie) und das boykottierte Nestlè bekommen. Da die Herstellungsweise für das lösliche Zeug nicht mit einem wahnsinnigen Chemieaufgebot aufwartet (prinzipiell wird das nur pulverisiert), ist das jetzt als Kaffee-Ersatz okay für mich und hat sogar Vorteile: anders als früher lässt sich das Pulver superprima in KALTEM Wasser ohne Klumperei auflösen. Eiswürfel und Milch dazu, fertig. Und schon sind wir beim nächsten Problem angekommen, es fällt mir grade wie Schuppen von den Augen…

Thema Milch:

Ich habe bisher H-Milch verwendet. Die sollte ich dann jetzt durch Frischmilch ersetzen.


 

5 comments

  1. Nadia -

    Da tun sich ja Abgründe auf -und da ich sowieso ein schwieriger Esser bin, weiß ich noch nicht, wie lange ich Dir folgen kann. Kiwis z.B. habe ich bis gerade noch ganz gerne gegessen;). In jedem Fall bin ich gespannt wie es weiter geht. Dir weiterhin viel Kraft.

  2. Devona -

    Ach, ich denke, die Abgründe kommen erst noch. Ich seh das entspannt und finde es echt informativ. Man sieht BEWUSSTER oder macht sich überhaupt erstmal bewusst, was man so isst. Futtere doch die Kiwis weiter, ich glaube, wirklich GESUND lebt heutzutage nur noch ein Selbstversorger. DAS ist aber ein Fulltimejob und wenn unterm Strich NULL steht, kann man sich glücklich schätzen. Hab ich schon gemacht. Schreibe ich später mal was dazu, ist ja genug Zeit.

  3. Pingback: Projekt "Regionale Ernährung" - Buchimpressionen

  4. Nadia -

    Eine kleine Geschichte: Von Dir inspiriert ging ich gestern bei EDEKA einkaufen. Nebensächlich zu erwähnen ist hier nur, daß die Auswahl an regionalem Gemüse eine traurige Angelegenheit war. Mein Hauptanliegen dieses Einkaufs galt meinem heiß geliebten Brot namens König-Ludwig was letzthin im Geschmack und der Frische sehr nachgelassen hatte. Auf meine Frage an die Bäckereifachverkäuferin was denn mit dem Brot passiert sei, bekam ich eine kurze Antwort:“ Wir haben die Konservierungsstoffe herausgenommen!“ Die Stille wurde durch unser herzliches Lachen in der Runde abgelöst. Sie sagte weiter, daß ich nicht die Erste wäre die sich beschweren würde und man könne ja eine Unterschriften-Aktion starten. Mich lachend am Verkaufstresen haltend sagte ich: „Super eine Unterschirften-Aktion für Konservierungsstoffe.“ Ich kaufte dann den frisch-feuchten Paderborner wo noch alles beim alten war. Fazit: Konservierungsstoffe haben unseren Geschmack im Griff, die Überlegung Brot einmal selbst zu backen steht an!

  5. Devona -

    Ich backe auch wieder selber! Ganz easy ist Baguette, was man prima zum Grillfleisch essen kann (sag bescheid, wenn Du das Rezept willst, ist überhaupt kein Aufwand mit diesem Rezept!), da ich jetzt vom Weizen weg will, stehen demnächst Tests mit anderen Mehlsorten an. Ich hab in den 90ern komplett selber gebacken, Sauerteig selber angesetzt, Roggen, Weizen, Dinkel in der Mühle gekauft und selber gemahlen und und und…das kann man als Stadtmensch nicht und der Zeitaufwand ist immens. Aber ich hab nie wieder so gutes Brot gegessen! Ich fange jetzt auch wieder an und ich will auch Nudeln selber machen.

    Ich finde genau aus dem Grund das Projekt interessant: man macht sich Dinge BEWUSST. Es geht nicht darum, starr irgendwas zu befolgen. Ich hatte zwischenzeitlich wieder interessante Erkenntnisse, aber zuerst muss heute der Reha-Report raus!

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