Totenfang – Simon Beckett

Totenfang – Simon Beckett

 

totenfang

Erschienen:  14.10. 2016 bei Argon
Autor/in: Simon Beckett
Sprecher/in: Johannes Steck

Länge: 15 Stunden, 47 Minuten

Klappentext: Die Gezeiten spülen einen Toten auf eine schlammige Sandbank in den Backwaters, einem abgelegenen Mündungsgebiet in Essex. Die Wasserleiche ist stark verwest, Hände und Füße fehlen. Das Gesicht ist nicht mehr zu erkennen. Trotzdem glaubt die Polizei zu wissen, um wen es sich handelt: Ein junger Mann aus dem Ort ist seit Wochen verschwunden, alles deutet auf Selbstmord hin. Doch dem forensischen Anthropologen Dr. David Hunter kommen Zweifel, als am nächsten Tag ein Fuß geborgen wird. Denn dieser gehört zu einer anderen Leiche, da ist er sich sicher. Kurz darauf treibt ein weiterer Toter im Wasser …

Totenfang – Simon Beckett

Hunter is back. Lang hat es gedauert. Offenbar ist die Fangemeinde des forensischen Anthropologen in Deutschland am größten oder am ungeduldigsten – „Totenfang“ ist auf jeden Fall als Weltpremiere sowohl als Buch als auch als Hörbuch in deutscher Sprache erschienen und nicht in der Muttersprache des Autors. Das fand ich ungewöhnlich und ziemlich beachtlich.

Ich habe mich bei „Totenfang“ nach langer Hör-Abstinenz für das Hörbuch entschieden. Nicht zuletzt deshalb, weil Johannes Steck als Leser über jeden Zweifel erhaben ist. Er ist die „deutsche Stimme Becketts“ und hat für seine Leseleistungen schon beachtliche Preise abgeräumt. Mit Recht – er schafft es immer wieder, einzelnen Figuren Leben einzuhauchen und ihnen Charakter zu verleihen. Egal, welches Hörbuch – mit Johannes Steck wird man generell nichts verkehrt machen.

Ich bin so ein Leser, der keine Fortsetzungs-Reihen liest. Irgendwie liegt mir das nicht. Die einzige Ausnahme war wirklich Becketts David Hunter. Das lag zum einen daran, dass Beckett Thriller mit Thrill 🙂 schreibt, zum anderen ist sein Stil und der Plotaufbau weit weg von 08/15. Die aufwändigen und wirklich interessanten Beschreibungen der Arbeit eines forensischen Anthropologen zeugen von exzellenter Recherchearbeit. Darüber hinaus verzichtet Beckett dankenswerterweise auf die in den Mainstream-Thrillern überwiegend  inflationär verwendeten Cliffhanger. Auch der allerletzte Leser hat dieses Stilmittel mittlerweile begriffen und wenn es nicht wirklich intelligent eingesetzt wird, nervt es nur. Ich habe aufgrund dessen einige (hoch dotierte und weltweit kommerziell erfolgreiche) Thriller-Autoren von meiner Leseliste verbannt.

Zurück zu Hunter und Teil 5. Hmmm. Ich winde mich hier wie eine Schlange, um etwas auf den Punkt zu bringen, der mir irgendwie fehlt. Beckett schreibt gewohnt intelligent, mit glaubwürdigem Plot, es ist Spannung da, keine Logikbrüche. Das Buch hört/liest sich flüssig, der Schreibstil ist definitiv von fortgeschrittenem Niveau. Mir fehlte aber irgendwie die Initialzündung. Pep, Action, Thriller-Atemlosigkeit. Für mich hörte sich das wie ein solider Krimi an, ich würde das keinesfalls als Thriller eintüten. Das habe ich aber auch bei „Der Hof“ von Beckett schon so empfunden. Keine überraschenden Wendungen, das abartig Böse eines richtigen abgründigen Thrillers, der den Leser gruselnd und schlotternd  in Atem hält, fehlt gänzlich, Null Schockmomente. Hunter wirkt müde, irgendwie alt geworden, nach wie vor zwar schon wissbegierig und auf eigenen Pfaden zur Aufklärung von Verbrechen wandelnd, aber da ist kein Biss, keine Leidenschaft. Der Plot ist gradlinig.

Beckett schafft es, den privaten Bereich des Protagonisten mit zart aufkeimenden Liebesbanden innerhalb des Plots nicht zu verkitschen, sondern realistisch zu gestalten. Alle anderen handelnden Charaktere sind glaubwürdig gestaltet. Ganz besonders toll hat Beckett den Handlungsrahmen beschrieben: die einzigartige Natur der Küstenmarschen von Essex („Backwaters“) kommt richtig stimmungsvoll beim Leser an. Man kann die Salzluft riechen und in vielen Situationen des Protagonisten Kälte und Nässe förmlich spüren. Am Ende des Buches gibt’s denn doch einen winzigen Cliffhanger, der versöhnt: es wird wohl weitere Hunter-Bände geben.

Fazit: ich liebe Bücher von Beckett, ich bin subjektiv ;-). Teil 5 der Hunter Reihe war keine Thriller-Offenbarung, sondern ein solider, spannender Krimi. Ich war nicht wirklich enttäuscht, aber auch nicht wirklich begeistert. David-Hunter-Freunde MÜSSEN zugreifen. Alle anderen sollten David Hunter lieber vom Anfang an lesen, zumal man in diesem Band kaum etwas über seine Vorgeschichte erfährt.

Mr. Beckett: Ja zu David Hunter, aber bitte mit mehr Thrill. Sooooo alt ist der Gute ja nun auch noch nicht.

 

 

 

 

 

 

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