Malbuch “Inseln der Stille” (Beate Brömse) im Härtetest

Malbuch “Inseln der Stille” (Beate Brömse) im Härtetest

 

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Erschienen: 08.03.2016 bei Bassermann Inspiration
Autor/in: Beate Brömse

Klappentext:
Die wunderbaren Illustrationen in diesem Buch laden Sie in Traumwelten ein, stillen Ihre heimlichen Sehnsüchte, versprechen Verzauberung, lassen Sie in Melancholie eintauchen, Luftschlösser bauen und Glücksmomente erleben. Begleitet werden die handgemalten Zeichnungen von einfühlsamen Zitaten, die ihre Botschaft unterstreichen. Ist eine Illustration koloriert, lässt sich das Blatt problemlos herauslösen, so dass Sie Ihre kreative Arbeit präsentieren können.

Nachdem ich seit Jahren im Musterkritzel- und Doodling-Bereich unterwegs bin und auch selber schon Mandalas kreiert habe, weiß ich, wie entspannend colorieren sein kann. Und ich wollte wissen: was ist dran an dem Malbuch-Hype, der über den großen Teich zu uns herüber schwappt, seit die Malbücher der Schottin Joanna Basford dort die Bestsellerlisten anführen

Das Cover des Buches von Beate Brömse hat mir ganz spontan gefallen und ich wollte es gerne den Mädels aus meinem Kritzelforum vorstellen. Also hab ich das Malbuch einem Test unterzogen.

Das von mir verwendete Equipment ist hochwertig, die einzigen low-budget-Stifte sind die Fantasia-Farbstifte von Aldi, die in Zeichner-Kreisen als Geheimtip für Preis-Leistung gehandelt werden.  Meine Liste sah also Folgendermaßen aus:

Farbstifte (“Buntstifte”)

Gelschreiber

Pigmentmarker, wasserbasiert

Kugelschreiber/Tintenroller

Fineliner

Das Bild ist nun weder fertig noch farblich stimmig, weil ich ja alle Stiftsorten miteinander getestet habe. Mir ging es bei dem Test vordergründig darum, wie sich das Malbuch mit verschiedenen Stiftsorten handhaben läßt. Wir reden hier von einer Tätigkeit die Spaß machen und beruhigen soll.

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Hier ist das Bild  etwas größer zu sehen.

Der Test:

An der Material-Qualität des Buches (Format in etwa A4) gibt es nichts zu rütteln, die Aufmachung ist wunderschön. Es handelt sich um einen motivbedruckten Block aus hochwertigem Zeichenkarton in Buchform, alle Blätter sind problemlos einzeln ablösbar, ohne dass das ganze Buch sich sofort auflöst. Das könnte sich ändern, wenn das Buch lange herumliegt, Leimbindungen sind nun mal aber nicht für die Ewigkeit gedacht und trocknen naturgemäß irgendwann aus. Keiner der von mir verwendeten Stifte hat sich auf die Rückseite des Blattes durchgedrückt. Die Art-Grip-Aquarellstifte habe ich bestimmungsgemäß mit einem Wassertankpinsel vermalt , nach dem Trocknen des Blattes mit kurzzeitiger Wellung wurde das Papier wieder völlig glatt. Auch wirklich alle Stiftsorten haben sich beim Malen vom Papier her richtig gut angefühlt. Von daher ist das Preis-Leistungsverhältnis für mich völlig in Ordnung, ich habe in dieser Art schon Malbücher gesehen die locker das Doppelte kosten. Das Buch beinhaltet 38 Motivblätter. Clever: die Rückseiten sind nur mit kleinen Mustermotiven in den Ecken oder am Rand und einem Aphorismus mit kleinem Motiv bedruckt, hier ist also viel Platz zum Selbergestalten bzw. wäre es nicht schlimm, wenn sich diverse Filzstifte durchdrücken würden, da ja keine komplett neue Motivseite ruiniert würde.

Und nun kommen wir zum Problem und das ist leider gigantisch groß. Die Motive. Ich bestreite nicht, dass diese Motive wunderschön sind und meine Kritik gilt nicht der Künstlerin, sondern der Institution eines Verlages, die entschieden hat, man könne diese Motive ausmalen. Sämtliche Flächen sind für ein sinnvolles, entspannendes “ausmalen” völlig ungeeignet, weil viel zu winzig. Teilweise sind die nicht mal 1 qmm (schreibt man das so? Quadratmillimeter halt). Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass mein Equipment Stifte beinhaltet, die teilweise für filigranes Zeichnen (Muster, Manga etc.) gedacht sind und ich nach bereits 10 Minuten ausmalen damit  latent aggressiv wurde, weil mir ein exaktes Arbeiten nicht möglich war, dann frage ich mich, was Otto Normalnutzer mit Bunt- und Filzstiften vom Discounter (die ja eigentlich zum simplen ausmalen gut zu gebrauchen sind) für ein Ausmalerlebnis hat. Solche Stifte haben Spitzenbreiten und Strichstärken, mit denen man gar nicht erst anfangen braucht, da ist Frust vorprogrammiert.

Ein Ausmalen mit Farbstiften/Buntstiften ist nicht möglich, trotz andauernden Nachspitzens sind die Spitzen dieser Stifte zu dick. Ich hätte sehr gerne mit Farbstiften coloriert, da gerade das bei so hochwertigem Papier richtig Spaß macht, wenn man Farbverläufe herstellt oder auch mal schraffiert, mit hellen und dunkleren Flächen spielt.

Die Aquarell-Stifte, deren Mine ja noch einmal einen Tick dicker ist, sind auch nicht geeignet, auf so winzigen Flächen macht auch das Vermalen mit Wasser keinen Sinn. War für mich nur ein Test bezüglich der Papierqualität.

Die Atyou Spica sind eigentlich Glitzer-Effektstifte, Spitze zu dick. Ebenso die Kugelschreiber, deren Spitze ja sowieso immer etwas “schwimmt”. Im Vergleich am Besten bin ich mit den Pilot G-Tec-C4 zurecht gekommen, die Point 88 von Staedtler gingen auch noch. Aber nicht so, dass es wirklich Spaß gemacht hätte. Mir haben MIT Tageslichtlampe und MIT Lesebrille die Augen getränt, also Entspannung definiere ich anders. Und prinzipiell sind alle diese Stifte -abgesehen von den Farbstiften- nicht wirklich Stifte, die man zum Ausmalen benutzt, sondern eher welche, mit denen man solche Motive, wie die der Ausmalbilder zeichnet.

Bei Büchern gibt es Testleser für die Rohfassung, bevor das Buch in Druck geht etc. Gibt´s bei Malbüchern auch welche? Test-Ausmaler? Wenn nicht schon vorhanden, sollte man die dringend einführen. Ich habe übrigens nicht mal die filigranste Seite dieses Buches für meinen Test genommen, siehe unten.

Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren und würde mich für Entspannungsberichte von Verbrauchern (nicht Künstlern!) interessieren, die so etwas exakt und optisch ansprechend ausmalen können und wollen (die Mädels in meinem Forum wollten nicht und meine Mutter hat mir einen Vogel gezeigt, als ich sie begeistern wollte):

 

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Fazit: ein Hype, der an mir gerne vorbeiziehen darf. Stures Ausmalen von Kleinstflächen ist nicht kreativ und in diesem Fall hier geht sogar der Beruhigungseffekt den Bach runter, ich bin hochgradig nervös geworden. Zum wirklichen Colorieren benötigt man größere Flächen, mir wäre das gute, alte Mandala eindeutig lieber.

Vielen Dank fürs Teilen!

17 comments

  1. Neyasha -

    Toller Belastungstest! Ich unterziehe derzeit auch einem Malbuch einen Materialtest, wobei ich aber jeweils eine Stiftsorte pro Seite nehme – das wird also noch eine Weile dauern, bis ich da verschiedenes durchgetestet habe. 😉
    Das mit den winzigen Flächen ist mir jetzt auch schon oft aufgefallen. Bei mir sind ja auch die Motive der Enchanted Forest-Postkarten sehr klein, aber gut, da drück ich ein Auge zu, weil es eben Postkarten sind. In den “Originalen” von Johanna Basford scheint das besser zu sein.

    Ich persönlich suche ja noch mein Ideal-Malbuch: nicht zu große Flächen, nicht zu kleine, dazu noch ein stabiles Papier und abwechslungsreiche Motive. Das wären ja nun keine unmöglichen Forderungen, aber trotzdem sind sie offensichtlich nicht so leicht zu erfüllen. Da es aktuell fast nur Themen-Malbücher gibt, ist vor allem das mit der Abwechslung ein unerfüllter Wunsch. Ich habe aber keine Lust, 50 Seiten Wälder auszumalen!

    Ich habe den Eindruck, dass man noch immer auch viele Mandala-Malbücher findet. Allerdings sind mir auch die eigentlich zu eintönig. Ich hätte eben gern ein Malbuch mit Mandalas, Wäldern, Tieren, verschiedenen Motiven, manche detaillierter, mache gröber … derzeit scheint es nötig zu sein, sich für so eine Mischung 5 Malbücher zu kaufen. %-)

  2. Devona -

    Oh, da freue ich mich auf den Test von Dir! Prinzipiell sind wir da schon auf einer Wellenlänge: ich würde auch kein reines Mandala-Malbuch wollen, zumal man Mandalas einfach selber viel besser kreieren kann, das geht mit der richtigen Technik sogar frei Hand und wird rund. Kann man ausmalen,kann man auch anders gestalten, ich mag ein wenig eigene Kreativität und das geht auch in Malbüchern, wenn sie vernünftig große Flächen zum Gestalten haben. Ganz prima geht auch colorieren in Kombination mit bemustern.

    Reines Ausmalen wird halt extrem schnell langweilig (vielleicht wird das auch mit beruhigend verwechselt?), wenn es Themenbücher sind und noch dazu von einem Künstler. Immer derselbe Style ist öde, wobe das bei “Inseln der Stille” eigentlich erträglich ist. Mir würden viele veschiedene Styles und Themen in einem Buch auch gut gefallen. Natur, Unterwasserwelt, ein wenig Fantasy, mittenmang mal ein Mandala. Mal grob, mal filigran. Ich geb Dir Recht, sowas hab ich auch noch nicht gefunden.

  3. Neyasha -

    Ja, genau, so eine Mischung hätte ich auch gern. Mir wird reines Ausmalen auch schnell langweilig, vor allem, wenn es immer ähnliche Motive sind. Gleichzeitig finde ich es aber schon irgendwie entspannend – auf jeden Fall muss ich mich dazu nicht so überwinden wie zum Zeichnen/Malen an sich. Aber das Ergebnis ist natürlich auch nicht so befriedigend wie bei einem ganz eigenen Bild. 😉

  4. Devona -

    Zeichnen und malen kann ich nicht sooooo gut, habe mich aber eben in den letzten Jahren mit Gleichgesinnten dem Musterkritzeln gewidmet (Stichwort: Zentangle, ich verwende das Wort nur nicht, weil es eine eingetragene Marke ist und ich die Kommerzialisierung von Kunst furchtbar finde), von ehemals wahnsinnig viel Ambitionierten ist da eine Handvoll Kreativlinge übrige geblieben und wir versuchen uns durch stressfreie Monatsthemen immer ein wenig zu motivieren, klappte aber in letzter Zeit auch schlecht, ich habe ewig nix gezeichnet, aber letztendlich hat das Malbuch nun doch wieder Lust gemacht.
    Ich hab mal noch 2 andere Malbücher bestellt, mal gucken, wie die sind. Eins war preiswert, das andere ein Rezensionsexemplar.

  5. Neyasha -

    Ich bin nun schwach geworden und habe “Escape to Wonderland” bestellt … bin mal gespannt. 😉
    So ein Musterkritzeln habe ich früher sehr gern gemacht, in den letzten Jahren aber nur noch selten. Neulich war es allerdings im Kurs mal so langweilig, dass ich begonnen habe, in mein Notizbuch zu kritzeln und das hat richtig Spaß gemacht (und das Ergebnis finde ich sogar ziemlich cool).

  6. Natalie -

    Vielen Dank für den Test des Malbuches. Mir geht es da mit der Abwechslung ganz ähnlich, denn eigentlich habe ich das schon seit der Harry-Potter-Phase gemacht: Hörbuch an, an den Tisch gesetzt und dabei etwas ausmalen. Die Malbücher für Erwachsene sind mir dabei jedoch zu eintönig oder wie du ja auch heraus gefunden hast, viel zu filigran – da kann ich mich nebenher nicht mehr auf ein Hörbuch konzentrieren. Schade, denn ich hatte mir einmal zum Ziel gesetzt ein Malbuch mal komplett aus zu füllen….
    ich mache es zur Zeit so: ich drucke mir Malvorlagen auf etwas hochwertigerem Druckerpapier aus. Da ich eh nicht mit Aquarell-Stiften oder sonst hochwertigen Materialien arbeite mag dies möglich sein, ist aber sicherlich nichts für diejenigen unter uns, die gerne mit hochwertigem Materialien arbeiten. 😉

  7. Devona -

    Liebe Natalie,

    danke fürs feedback. Mir geht es auch wie Dir: ich male gerne beim Hören von Hörbüchern, wenn ich sie nicht gerade unterwegs höre. Hochwertige Materialien braucht man sicher nicht, ich denke Otto Normalverbraucher hat eh meist Buntstifte und Filzstifte, aber die sind eben meist von der Mine her viel dicker als mein Fitzelkram mit den dünnen Spitzen und schon damit hat es keinen Spaß gemacht.

    Einzelne Vorlagen ausdrucken (man findet ja massenhaft, wenn man will, ich sag nur : Pinterest!) finde ich auch gut. Und man kann sich genau die Motive suchen, die man mag und erlebt keine bösen Überraschungen. Ist vielleicht sogar die bessere Lösung gegenüber einem Buch. Ich teste trotzdem demnächst nochmal 2 Malbücher, bestellt ist bestellt. 🙂

  8. Devona -

    @Neyasha (irgendwie läßt sich die letzte Antwort nicht weiter verschachteln) : ich bin sehr gespannt auf deine Ergebnisse und freu mich schon drauf! Vielleicht werden wir ja noch richtige Ausmal-Profis 😉

  9. madame flamusse -

    Ja das war für mich auch ein grund das Buch nicht zu kaufen zu viele zu kleinen Flächen, bin schon beim anschauen hibbelig und leicht aggro geworden, hihi 😀

  10. Devona -

    Kann ich voll und ganz verstehen 🙂

    Ich bemale jetzt die Rückseiten mit eigenen Motiven und male sie aus, das hat auch was…

  11. Seitenfetzer -

    Ave,
    zwar bin ich noch nicht von diesem “Mal-Trend” gefasst worden (und ich bezweifel, dass das noch geschieht bevor der Trend wieder zurückgeht), jedoch liest sich dieser Härtetest wirklich gut. Man merkt, dass du Ahnung von der Materie hast und das letzte Bild bringt deine Kritik wirklich auf den Punkt.
    Ich glaube, bevor ich mir jemals so ein Buch kaufen würde, würde ich erstmal schauen, ob du das getestet hast und wie deine Meinung aussieht.
    Falls du noch mehr Härtetests durchführen willst, wären bestimmt auch auf Buchreihen basierende Malbücher interessant.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

  12. Devona -

    Hi Seitenfetzer,

    Danke für`s Lob, man tut, was man kann, aber so wirklich alles werde ich nicht ausprobieren können 🙂 , der Markt ist mittlerweile riesig. Momentan teste ich das hier und komme damit bedeutend besser zurecht. Und das hat mir meine Mama gleich abgeschwatzt, weil es ihr so gut gefiel. Zum ersten gibt`s bestimmt demnächst irgendwann mal eine Buchbesprechung, weil es doch recht viel feedback zum Thema Malbuch gab, worüber ich erstaunt war, mich aber auch gefreut habe.

    LG, Devona

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