Moorfeuer – Nicole Neubauer

Moorfeuer – Nicole Neubauer

 

 

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Erschienen: 18.01.2016 bei Blanvalet
Autor/in: Nicole Neubauer

Klappentext: In der Einsamkeit eines alten Moors verbrennt eine Frau wie auf einem Scheiterhaufen, um den Hals trägt sie ein mysteriöses Amulett. Hauptkommissar Waechter und sein Team von der Münchner Mordkommission werden zu dem Fall hinzugezogen und müssen feststellen, dass die bisherigen Indizien mehr als dürftig sind: Eine Brandstelle. Eine Leiche. Hinweise auf Fremdverschulden. Die einzige Spur führt sie schließlich zu einem verfallenen Bauernhaus, aus dem die Tote tags zuvor verschwunden war, und in dem der Geist eines kleinen Mädchens spuken soll. Wer hasste die Frau so sehr, um sie derart grausam zu töten?

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Da ich ja immer auf der Suche nach neuen und eher einheimischen Autoren im Bereich Krimi/Thriller bin und sich im letzten Jahr die positiven Stimmen zu Nicole Neubauers Debütroman “Kellerkind” mehrten, habe ich mir die Autorin kurzerhand auf meine Leseliste gesetzt, um “irgendwann” mal zu schauen, welcher Stern da vielleicht am Krimihimmel aufgegangen ist. Mit dem soeben erschienen “Moorfeuer” habe ich das nun in die Tat umgesetzt.

Ich wurde positiv überrascht, besonders vom für mich sehr angenehmen Schreibstil der Autorin. Ich mag kein Herumgeeier, pausenloses Abschweifen in “Füllstoff”, der die eigentliche Handlung eines Buches nicht voran bringt und sinnfreie Dialoge. Das alles gibt`s hier auch nicht, Frau Neubauer schreibt wohltuend sachlich, pragmatisch, immer auf dem Punkt und ausnahmslos alle Figuren sind glaubwürdig. Hurra! Der Charakterentwicklung ihres Ermittlungs-Teams um Hauptkommissar Wächter mit all den einzelnen menschlichen und auch privaten Alltagsproblemen räumt sie viel Zeit ein. Für mich ist das in diesem Umfang in Ordnung, ich könnte mir aber vorstellen, dass es dem ein oder anderen Leser einen kleinen Tick zu viel ist. Temporär verwirrt war ich allerdings von der Figur “Hüter des Schweigens”. Hm. Ein Mitarbeiter eines Mordermittlungsteams, welcher nie auch nur ein Wort spricht und der aus diesem Grund diesen Spitznamen verpasst bekam. Ich konnte die Intention der Autorin für diese Figur nicht erkennen.

Die Handlung verläuft ruhig und wird getragen von einer eher subtilen Spannung, die auch durch das gut beschriebene Handlungsumfeld erzeugt wird: das alte, halb verfallene Haus inmitten der faszinierenden und nahezu menschenleeren Landschaft des Freisinger Mooses. Die Geschichte um das nachts im Haus spukende Mädchen erzeugt leichten Mystery-Grusel und es gibt wenig Anhaltspunkte für Ermittler und auch den Leser, man tappt buchstäblich lange im Dunklen und im Nebel. Der Leser wird trotzdem angeregt, mitzudenken, der als Täter in Frage kommende Personenkreis ist von vornherein recht eingeschränkt. Die Geschichte schlägt auch nicht andauernd Haken und Wendungen oder verliert sich in Nebensträngen, eventuell wäre aber hier ein klein wenig mehr Kreativität bei der Handlungsgestaltung vorteilhaft gewesen. Krimierfahrene Leser dürften so wie ich recht schnell auf den Täter kommen, fraglich ist dann nur noch das Motiv.

Interessant fand ich den Handlungshintergrund, den die Autorin gut recherchiert hat. Bis weit in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinein war besonders bei der Landbevölkerung Aberglauben weit verbreitet. Sogenannte “Hexenbanner”  zogen den hart arbeitenden Menschen mit  zweifelhaften und betrügerischen Angeboten das Geld aus der Tasche.

“Moorfeuer” ist kein Pageturner, sondern ein klassischer Unterhaltungskrimi und als Solcher hat er seinen Zweck bei mir erfüllt: ich habe mich während der Lektüre gut unterhalten gefühlt, mich nicht in Angst-Adrenalin gewälzt und musste mich nicht über einen hanebüchenen Plot und Protagonisten aus dem Charakter-Baukasten aufregen. Ganz im Gegenteil: dem Wächter-Team würde ich sicher nochmal folgen wollen. Vielleicht ohne den “Hüter des Schweigens?” 😉

Fazit: unterhaltsamer und empfehlenswerter Krimi im traditionellen whodunit Stil, den man gut weg schmökern kann.

 

 

Vielen Dank fürs Teilen!

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