Bloggerfragen die Zweite – Fragen von Chris Popp

Bloggerfragen die Zweite – Fragen von Chris Popp

Nun geht es in Runde zwo mit den Fragen an Buch-Blogger. Diesmal stellt Chris Popp von den booknerds den “etwas anderen Fragebogen” zur Verfügung. Die Fragen sollen etwas “stachliger und kratziger” sein als die von Stefan Mesch.

Auf jeden Fall sind es viel mehr und ich habe nicht auf alle spontan eine Antwort gefunden. Ewig darauf herum denken wollte ich auch nicht. Also ist der letzte Abschnitt untern Tisch gerutscht. Trotzdem vielen Dank an Chris Popp, ich fand es spannend, mitzumachen und hab wieder Einiges für mich daraus mitgenommen.

 

Runde 1 – Gemischte Fragen an Blogger, Redakteure und mehr (softcore und medium):

Welche Daseinsberechtigung hat Dein Blog?

Ich hab den Webspace bezahlt…das berechtigt mich zu so Einigem. Auch einen Blog zu haben. Und der macht mir Spaß.

Der Blog oder das Blog?

Ich verwende “der”, prinzipiell ist es mir aber wurscht, ich weiß, was gemeint ist-gibt schlimmere Sprachverwirrungen.

Einer Deiner Artikel wird von einem anderen Blogger oder beispielsweise einem Amazon-Rezensenten geklaut. Wie reagierst Du?

Beim ersten Mal hake ich das sicher ab. Beim zweiten Mal reibe ich es dem Betreffenden unnett unter die Nase und mache es sicher auch öffentlich für meine Leser. Und dann schaumermal.

Dein Blog ist urplötzlich offline, nichts geht mehr. Wie reagierst Du dann?

Kaffee kochen. Abwarten und mich anderweitig beschäftigen ( mit fällt grade ein-ich wollte schon immer mal LESEN), bis das Problem gelöst ist ( gab noch keinen Fall, wo es nicht irgendwie gelöst wurde). Im ungünstigsten Fall ist der Provider pleite, dann hab ich die Quittung dafür, dass ich mich nicht vernünftig über das Früchtchen informiert habe-und muss mit Blog-Backup woanders weiter machen. Ist aber eher unwahrscheinlich, dieser Fall.

Du hast einen Gutschein erhalten, um 2.500 gleiche Artikel Deiner Wahl mit dem Logo Deines Blogs als Werbeartikel anfertigen zu lassen. Allerdings sind Flyer, Lesezeichen, T-Shirts und Kugelschreiber tabu. Welchen Artikel würdest Du auswählen?

Ja, genau sowas passiert mir: ich bekomme einen Gutschein, den ich nicht nutzen kann. Isch ´abe gar keine Logo!

Nenne zwei Bücher und Deinen persönlichen perfekten Soundtrack dazu.

Öhm, diese Frage verstehe ich nicht so wirklich. Welche Musik ich zu welchem Buch höre? Keine. Ich kann entweder lesen oder hören. Ich bestätige somit die neueste Studie zum Multitasking, Frauen sind da nämlich nicht wirklich besser als Männer, wie bisher behauptet.

Schreibst Du Deine Rezensionen handschriftlich vor?

Nein.

Verunstaltest Du Bücher für deine Schreibarbeit mit Knicken, Markierungen etc. oder behandelst Du sie eher wie ein rohes Ei?

Ich bin von der Eier-Fraktion, egal ob die Bücher alt oder neu sind. Ich glaube aber, dass die Weichen für dieses Verhalten in der Kindheit gestellt werden: ich hab so eiermäßig sogar meine Schulbücher behandelt, bin also ganz sicher vor dem sechsten Lebensjahr auf “in-Bücher-schreibt-man-nicht-und-behandelt-sie-ordentlich” gepolt worden. Ich benutze für Notizen zum Buch, welches ich grade lese, ein Betabook, ein per Crowdfunding (ja, meine bessere Hälfte hat gespendet!) realisiertes Projekt, welches für den Berlin Crowdfunding Prize nominiert wurde.

Wenn Du eine Schreibblockade hast – wie gehst Du vor, um diese zu überwinden?

Weiß ich nicht. Da ich das hier just for fun betreibe, schreibe ich natürlich ausschließlich, wenn ich Bock drauf habe und dann bin ich nicht blockiert.

Schreibe ein kleines Gedicht (mindestens Vierzeiler) über Dein(en) Blog.

Nee. Ich habe eine jahrzehntelang gewachsene Abneigung gegen Vierzeiler oder andersnummerige Zeiler… ganz schlimm wird es, wenn sich das Ganze auch noch reimt und zu Familienfesten laut vorgetragen wird.

Du liest in einer anderen Rezension absoluten (tatsächlichen!) Unfug – sie quillt über vor inhaltlichen Fehlern. Wie reagierst Du? Kommentierst Du? Schreibst Du den Verfasser an? Oder hältst Du die Finger still?

Hm. Vor der Frage stand ich neulich, als ich irgendwo in einer Rezension zum neusten Gruber las, “man hätte zu schnell rausgefunden, wer der Täter war”. Tatsächlich ist das ein Thriller aus der Rubrik “howcatchem”, der Autor läßt den Leser den Täter also bewusst kennen. Ehrlich gesagt, ist mir die Idee, den Rezensenten aufzuklären/zu korrigieren nicht wirklich gekommen, ich hab mich eher gefragt, ob wer Rezensionen schreiben sollte, der sowas nicht erkennt…nee, ich glaube, ich fühle mich nicht berufen, andere zu belehren. Mich reicht`s, dass ICH weiß, dass ich es besser weiß. 😉

Hast Du schon mal eine Idee von anderen Bloggern geklaut?

Nein, allerhöchstens “klaue” ich WordPress-Schnickschnack, der mir gefällt, schaue also nach netten Plugins, die mir gefallen und die ich dann vielleicht verwende.

Hast Du Dich schon mal einer Formulierung in einer anderen Rezension bedient, die Du gerne so ähnlich auch in einem Deiner Texte haben wolltest?

Nicht bewusst, aber ich denke, dass es möglich ist, dass man Formulierungen verwendet, die man mal gelesen hat, die einem gefallen haben und die sich im Unterbewusstsein festhaken.

Das exotischste Buch in Deiner Sammlung ist:

Weiß nicht. Ich hab in diesem Zusammenhang das Problem, das Wort “exotisch” zu definieren. Exotisch wäre für mich eine per Crowdfunding finanzierte, farbige Prachtausgabe des Grundgesetzes, die eine vertonte Version von Mario Barth (“Würde des Menschen. Kennste? KENNSTE? W-ÜÜ-R-D-E.”) auf Vinyl als Backup beiliegen hat oder sowas. Besitze ich aber leider nicht.

Runde 2 – Gemischte Fragen an Blogger, Redakteure und mehr (medium+ und hardcore):

Stell Dir vor, man böte Dir an, Dein(en) Blog oder zumindest Deine Internetadresse für einen ordentlichen Batzen Geld zu verkaufen. Was würdest Du tun?

Die Adresse verkaufen, die Inhalte nicht.

Geld verdienen mit Deinem Blog – wie weit würdest Du gehen?

Die Frage stellt sich mir nicht, ich bin hobbymäßig unterwegs.

Hast Du schon mal heimlich ein Buch gelesen/einen Film gesehen/eine Serie geschaut, obwohl Du eigentlich sagtest: „Den Mist? Never ever!“?

Wieso heimlich? Das macht doch Keiner heimlich, ich auch nicht. Irgendwoher kommen ja die Einschaltquoten der Sendungen, die niemand guckt…wobei sich ja mittlerweile auch Viele dazu bekennen, wie man z.B. Twitter-hashtags wie #bsf oder#schwiegertochtergesucht entnehmen kann.

Liest Du Dich selbst gern?

Ich denke, das ist eine Frage, die nicht mit “nein” zu beantworten ist, ich würde nichts veröffentlichen, wovon ich glaube, dass es eine Zumutung für andere ist, Grundvoraussetzung dafür ist, dass es mir zumindest selber auch gefällt. [Darin unterscheide ich mich von Leuten, die geschriebene …wie sag ich`s …Dinge… veröffentlichen, Geld dafür nehmen und dann auch noch der Meinung sind, das, was sie mir da verkaufen, sei Literatur.]

Man lobt Dich für einen Deiner Beiträge oder gar für Dein ganzes Blog total in den Himmel. Wie gehst Du mit diesem Lob um?

Ich freue mich über  ein simples “das machst du gut” oder “ich lese das gerne”. Bei Lobhudeleien, die extrem darüber hinaus gehen, schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken und ich werde misstrauisch. Ist aber noch nicht vorgekommen.

Man attestiert Dir aufgrund einer Kritik keine Ahnung. Wie reagierst Du auf so etwas?

Kommt auf die Form an, in der es an mich heran getragen wird und von wem es kommt. Mit sachlich fundierter Kritik von Leuten, die ich kenne oder mit denen ich mich virtuell austausche, würde ich mich auseinandersetzen und gegebenfalls Sachfehler auch korrigieren. Mit “du hast keine Ahnung” ohne weitere Ausführungen von Unbekannt als allgemeine Aussage kann ich nix anfangen, fällt also unter den Tisch.

Man wirft dir als Blogger/Journalist vor, Du übtest Deine Arbeit nur aus, um so möglichst viele Rezensionsexemplare abzugreifen. Wie begegnest Du diesem Vorwurf?

Gesetzt dem Fall, es wäre so, würde ich antworten: “Stimmt. Und? Lehnst du am Monatsende die Kohle , die dein/e Chef/in Dir für geleistete Arbeit zahlt, ab?”

Ein Autor oder Verlag verlangt von Dir, Deine Rezension abzuändern oder gar zu löschen. Wie wirst Du handeln? Oder ist Dir das gar passiert? Falls ja: Wie hast Du gehandelt?

Ist mir noch nicht passiert, würde ich auch nicht machen. Auch nicht bei Rezensionsexemplaren. Der Deal ist klar definiert für beide Seiten, man kann Verlags- Vertragspartner finden, wo das so ist. Im Idealfall ist es eine win-win-Situation. Von einseitigen und forderungsbetonten Arrangements würde ich die Finger lassen.

Der Autor/Verlag droht mit einer Klage, wenn Du die Rezension nicht abänderst/löschst. Und nun?

Ja, aber bitte doch, bloß keinen Zwang antun. Als Druckmittel prallt das an mir komplett ab, es amüsiert mich eher. Wer wirklich klagen will, wird es ohne Vorwarnung tun, ich hab damit überhaupt kein Problem, auch wenn ich nicht wirklich weiß, was es bei einer Rezension zu klagen geben sollte. Meine persönliche Meinung ist durch das Grundgesetz abgesegnet (“Meinungsfreiheit”), ich treibe hier nix strafrechtlich Relevantes wie Verleumdung, Beleidigung oder Volksverhetzung…von daher: nur zu. Zivilrecht ist ein weites und teures Feld….für den Kläger. 🙂

Hast Du bei Rezensionen schon mal geschummelt (beispielsweise das Buch nicht zu Ende gelesen und trotzdem eine vollständige Rezension geschrieben)?

Nein.

Sind Zugriffszahlen/Like-Zahlen und Followerzahlen wichtig für Dich? Wie wirken sie sich hinsichtlich Motivation aus?

Die Blogzugriffszahlen behalte ich im Auge, man freut sich ja, wenn sie steigen. Like betrifft mich nicht, Followerzahlen bei Twitter registriere ich am Rand und würde drüber nachdenken, wenn sie plötzlich rapide sinken würden.

Liest Du auf dem Klo?

Nein, aber in der Badewanne.

Runde 3 – Zur Entspannung. Du als Konsument (softcore und seicht):

Gab es schon mal einen Protagonisten in einem Buch oder eine Figur in einem Film oder einer Serie, und Du dachtest: Verflucht, kennt der Autor mich?

Nein.

Stell dir vor, Du könntest die Protagonisten oder beliebige andere Figuren aus zwei Büchern/Filmen/Serien miteinander vertauschen. Wen und warum?

Bei der Frage bin ich jetzt gerade komplett fantasiebefreit…

Welches ist Dein peinlichstes Lieblingsbuch/Dein peinlichster Lieblingsfilm/Deine peinlichste Lieblingsserie?

Noch so `ne komische Frage. Irgendwer muss dieses Buch/Serie/Film auf den Markt gebracht haben. War denen offensichtlich nicht peinlich, sonst hätten sie es gelassen. Warum sollte es als MIR als Letztem in dieser Kette peinlich sein? Ich bin an sich nicht so der Peinlichkeits-Typ…

Welches war das frustrierendste Buchende/Filmende/Serienfinale für Dich? Wie hätte es ausgehen sollen? Warnung an die Leser der Antworten: Spoileralarm!

Ich fand das Ende von Stephen Kings “Es” ganz furchtbar. Es ist schon ein paar Jahre her und en Detail kann ich es nicht mehr benennen, ich weiß aber noch, dass ich mich ganz furchtbar darüber aufgeregt habe, ich kam mir maßlos vera…lbert vor.

Wenn Dein Leben oder Deine persönliche momentane Situation als Buch oder Film veröffentlicht würden: Wie hieße das Buch/der Film?

panta rhei

Welches Buch/welcher Film/welche Serie hat Dich derart beschäftigt und aufgewühlt, dass Du tagelang an kaum etwas anderes denken konntest?

Tagelang wäre übertrieben, aber seit “Million Dollar Baby” meide ich Eastwood-Filme…

Hast Du schon einmal einer Figur aus einem Buch, einem Film oder einer Serie nachgeeifert? Oder wurdest Du hierdurch zu einer Handlung/Tat inspiriert?

Also bewusst ist es mir nicht, ich vermute aber, dass man als Kind schonmal irgendwas verzapft hat, was man zuvor so oder ähnlich gelesen hatte.

Runde 4 – Drei Dinge, die…

…das Schreiben schreibenswert machen:

gutes Material bei handschriftlichen Sachen ( ich liebe Kolbenfüller und von Hand schreiben), Spaß am Schreiben, Freiheit im Oberstübchen…

…Dir bei manch anderem Blog mächtig auf die Nerven gehen:

Auf die Nerven gehen, wäre jetzt zu krass ausgedrückt. Es ist das virtuelle Wohnzimmer einer anderen Person, das hab ich zu respektieren. Ich muss ja nicht hingehen, wenn ich es nicht mag. Generell mag ich unübersichtliche Blogs nicht. Ich brauche die schnelle Orientierung ohne viel Schnickschnack. Was gar nicht geht, sind Blinkorgien, Einhörner, Elfen und animierte Mauszeiger. Und hoch allergisch bin ich gegen Aufforderungen, irgendwas zu abonnieren, die übergeblendet werden oder aufpoppen und die ich wegklicken muss, das ist Nötigung für mich, furchtbar. Solche Seiten suche ich exakt einmal auf.

…Du Dir bei deinem eigenen Blog schon ewig vorgenommen, aber noch nicht verwirklicht hast:

Ganz viel, das ist immer im Fluss.

…Dir das Lesen spontan madig machen:

Miese Rechtschreibung, miese Grammatik, mieser Stil. Letzteres ist sicher subjektiv, das andere aber nicht. Ich will nix Unlektoriertes lesen. Da haben sich schon zu viele Abgründe aufgetan…

…Du gerne als Ausrede nutzt, nur um mehr Zeit zum Lesen zu haben:

eigentlich benutze ich dazu keine Ausreden, wenn ich lesen will, lese ich.

…nicht so wichtig sind wie dein Blog:

Handtaschen. Schuhe. Der Sack Reis in China.

…Dir definitiv wichtiger sind als dein Blog:

Schönes Wetter. Bereichernde zwischenmenschliche/familiäre/partnerschaftliche Beziehungen im realen Bereich. Urlaub. URLAUB!

Runde 5 – ein paar Sätze zum Vervollständigen:

Runde 5 hab ich ausgelassen, das sind Fragen, mit denen ich nicht so viel anfangen kann. Ich bin in der Literaturszene nicht so wahnsinnig tief verwurzelt, ich finde diese Fragen eher relevant für Leute, die journalistisch tätig sind oder ihr Geld mit einem Blog verdienen, ich gehöre zu keiner der beiden Gruppen.

Amazon ist…

In meinem Wohnort…

Ein Autor schreibt Bücher, weil…

Marcel Reich-Ranicki fand ich…

Hysterisierung und Pathetisierung in der Literatur…

Was ich im Literatur-/Film-/Serienbusiness niemals verstehen werde, ist…

Wenn ich die Bibliographie eines bestimmten Autoren/einer bestimmten Autorin einfach auslöschen könnte, dann die von _________, weil __________.

Ich würde unheimlich gern eine Literatur-Diskussionsrunde mit folgenden Personen sehen:

Wie kann man eigentlich nur solch ein Kultursnob sein wie _______!

Ich fände es großartig, wenn _____ auf meinem Blog einen Gastbeitrag schreiben würde.

Ich würde ______ gerne mal fragen, ob _______ …

Ich würde ______ gerne mal sagen, dass _______ …

Booktuber…

 

Boah ey. Leute, das war echt harte Arbeit….und dann liest das vielleicht nicht mal einer….

 

 

Vielen Dank fürs Teilen!

3 comments

  1. Sylvia Meywerk -

    Ich habe es auch gelesen, und zwar mit viel Spaß daran! Darum treibe ich mich jetzt auch noch weiter auf deinen Seiten herum.
    Sonntägliche Grüße
    Sylvia

  2. Devona -

    Na, dann bedanke ich mich mal bei Dir, das war wirklich vieeeel. Mir hat aber das Schreiben auch Spaß gemacht. Der Leser erfährt ein wenig von mir, ohne dass ich mir irgendeine Selbstbetrachtung a la “huhu, das bin ich” aus den Fingern saugen muss. Fand ich ganz praktisch.

    Die auch ein schönes Rest-WE und Danke fürs Stöbern,

    Devona

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